Senat ruft Uni zum Widerstand auf

Sparpläne des Landes stoßen in Marburg auf ungeteilte Ablehnung

Marburger kritisieren, dass Unis in Südhessen bevorzugt werden

Auch Schüler und Eltern sollten für eine gute Bildung auf die Straße gehen. Weitere Einsparungen seien nicht mehr möglich: "Wir könnten höchstens frierend im Dunkeln Kopfrechnen", schimpfte Bien.

Unipräsidentin Katharina Krause kündigte an, sie werde mit einem Rundschreiben einen "Dies academicus" ausrufen: "Lehrveranstaltungen sollen durch eine Veranstaltung ersetzt werden, die der Bildung dient." Auch Unipräsidentin Krause kritisierte die Sparpläne der Landesregierung als politische Entscheidungen zu Lasten der Hochschulen. Eine Begründung für die geplanten Einsparungen habe die Landesregierung nicht genannt. Es handele sich um eine politische Entscheidung, und: "Was politisch entschieden wird, dagegen kann nur politisch argumentiert werden."

Professor Klaus Pieper verwies darauf, dass die Mehrzahl der hessischen Wissenschaftspolitiker aus dem Süden des Landes kämen. Dies sei der Grund dafür, dass die Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet bevorzugt behandelt würden: "Es ist erschreckend, wie wenig die Parlamentarier von unseren Nöten wissen." Unipräsidentin Krause fügte hinzu, dass auch aufgrund ungerechter Berechnungen der Studierendenzahlen "Rhein-Main vom Rest subventioniert" werde: Die dortigen Hochschulen würden Geld für Studierende erhalten, die sie real gar nicht hätten. Im Fall von Marburg sei dies umgekehrt.

An der Senatssitzung nahm auch das erweiterte Präsidium der Hochschule teil. Vor allem die Dekane äußerten ihr Unverständnis, dass die so genannten Lehrsondermittel, die als Ersatz für die wieder abgeschafften Studiengebühren eingeführt worden sind, nun in die normalen Budgets der Fachbereiche einfließen sollen. Senatsmitglied Professor Ulrich Wagner sagte, der Senat habe dies von Anfang an befürchtet, aber: "Wir haben nicht gedacht, dass es so schnell geht." Die Landesregierung fordere Hochschulautonomie, gebe aber kein Geld dafür. Wagner sprach von der Gefahr, dass die Philipps-Universität in einen Abstiegsstrudel gerät. Auch das Erfolgsbudget sei ein zweischneidiges Schwert, da es dazu führen könne, dass Berufungen nur noch an weitere externe Mittel gebunden werden könnten.

Universitätspräsidentin Katharina Krause berichtete, dass die Sondermittel auf dem augenblicklichen Stand bleiben sollen. Das Grundbudget für die Philipps-Universität solle aber in 2011 von derzeit 176 auf 168 Millionen Euro verringert werden. Obwohl beim Erfolgsbudget, für das Fremdmittelwerbung und Ausbildung eine Rolle spiele, leicht erhöht werde, werde die Uni voraussichtlich fünf Millionen Euro (202 Millionen statt bisher 207 Millionen) weniger zur Verfügung haben. Krause äußerte die Befürchtung, dass die hessischen Hochschulen bis zum Jahr 2015 insgesamt sogar 90 Millionen Euro weniger bekommen als bisher. Dabei sei die von den Studierenden erhobene Forderung, die Mittel für die Uni um zehn Prozent aufzustocken, "maßvoll und angebracht". Über die Wiedereinführung von Studiengebühren sei im Präsidium nicht nachgedacht worden, sagte Krause unter großem Applaus des anwesenden Publikums.

Präsidentin soll die Unterschrift verweigern, wenn das Land nicht mehr Geld gibt

Krause verwies darauf, dass es der Philipps-Universität wirtschaftlich nicht gut gehe. Der Haushalt weise bereits ein Defizit von vier bis sechs Millionen Euro auf, und es sei damit zu rechnen, dass im nächsten Jahr weitere 3,5 Millionen Euro hinzukämen. Dies sei aber nicht hausgemacht, sondern beruhe auf Versäumnissen der Landesregierung. So seien die hohen Energiekosten der schlechten Bausubstanz geschuldet.

Ziel der Verhandlungen mit Wiesbaden müsse ein Anerkennen der hohen Kosten der Philipps-Universität sein. Auch der Botanische Garten koste immerhin eine Million Euro pro Jahr. Mit 2,6 Millionen Euro trage die Marburger Uni beim Projekt Energiemehrkosten ebenfalls mehr als jede andere hessische Hochschule.

Kanzler Friedhelm Nonne sagte, wenn das Ministerium wolle, dass die Unis Geld aus ihren Rücklagen aufbrauchen sollten, heiße das für Marburg, dass beispielsweise fest zugesagte Berufungen nicht vorgenommen werden könnten.

Für den Fall, dass die Verhandlungen mit der Landesregierung für die Marburger Universität nicht die gewünschten Verbesserungen bringen, stärkte der Senat einmütig der Unipräsidentin den Rücken, die Unterschrift unter den Hochschulpakt zu verweigern. Katharina Krause sagte, darüber sei bereits nachgedacht worden. Sie wolle aber zunächst alle Energie in die Gespräche legen. Die Haushaltssperre werde im Juli aufgehoben, kündigte die Präsidentin an. Bezüglich der ebenfalls mit dem Land auszuhandelnden Zielvereinbarungen sagte sie, es bestehe "eine gewisse Lustlosigkeit" mit weniger Geld mehr zu leisten.


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