"Sie sind die Zukunft"

Uni-Präsidentin Krause übernimmt Amt von Nienhaus

Probst trat mit Privatdozent Johannes M. Becker und Gitarrist Rainer Husel als Trio "Grafitti" auf, um den scheidenden Uni-Präsidenten musikalisch zu verabschieden und seine Amtsnachfolgerin zu begrüßen. Dabei sparten die Texte der drei Musiker nicht mit Sticheleien in Richtung Philipps-Universität - einst und heute.

Als augenzwinkernder Laudator erwies sich auch Professor Siegfried Bien, der als Vertreter des Uni-Senats sprach. Die Studenten, sagte er angesichts der teils lautstarken Proteste, seien ein wichtiger Teil der "immer freundlichen, meist friedlichen" Universität.

Deren Kanzler Friedhelm Nonne suchte das Gespräch mit den Demonstranten. Letztlich gestand er 40 von ihnen zu, schweigend im Saal zu protestieren. 40 weitere störten den Ablauf des Festakts jedoch durch ihr Eindringen in die Aula, so dass letztlich ein Platz im Publikum leer blieb.

Denn Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) unterbrach ihre Ansprache und verließ das Gebäude unter Polizeischutz.

Professor Uwe Bicker und Stefanie Fritz, Vorsitzende des Allgemeinen Studenten-Ausschusses (AStA), überbrachten die Grüße ihrer jeweiligen Gremien. Beide betonten, sie hofften auf eine gute Zusammenarbeit mit der neuen Präsidentin.

Diese habe das Miteinander mit dem Personalrat der Marburger Hochschule einmal als "nervig-konstruktiv" bezeichnet, berichtete dessen Vertreterin Renate Grebing. Sie erinnerte an die marode finanzielle Situation der Uni, vor allem aber an deren Konsequenzen.

"Ein junger Wissenschaftler mit einer halben Stelle verdient 540 Euro brutto", rechnete sie vor. Dieses Einkommen liege teilweise unter dem eines Hartz-IV-Empfängers. Daher schenkte die Vertreterin des Peronalsrats der Uni-Präsidentin unter anderem einen Fanschal von Eintracht Frankfurt. Damit sei Krause in der Fankurve des Fußballvereins gewappnet für informelle Gespräche zum Wohle der Uni.

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) hatte ein ungewöhnliches Geschenk für Volker Nienhaus. Der scheidende Uni-Präsident bekam einen historischen Pflasterstein als Erinnerung an seine Zeit an der Marburger Hochschule.

Sehr persönlich, eloquent und ausführlich war die Laudatio von Professor Ulrich Raulff. Der Direktor des deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar berichtete vom Beginn seines Studiums in Marburg Anfang der 70er Jahre. Er erinnerte sich an das "rote Marburg" und an dessen akademische Szene - die nicht immer die intellektuelle Szene sei.

Auch Nienhaus erinnerte sich, wenngleich er von der jüngsten Zeit sprach. "Ich hatte eine ereignisreiche, oft turbulente Amtszeit", sagte er. Manche Konflikte hätten gar "medienrelevante Ausmaße" angenommen, fügte er hinzu.

Wunsch nach Öffnung der Hochschule und nach einem Aufbruch

Seiner Nachfolgerin attestierte er: "Sie sind die Zukunft der Philipps-Universität."

Dennoch blickte Katharina Krause noch einmal in die Vergangenheit. 1903 sei die Aula der Öffentlichkeit übergeben worden, betonte sie. Es sei wichtig, dass sich die Universität öffne, schließlich sei sie zum allgemeinen Nutzen gegründet worden.

Sie freue sich, das Amt der Uni-Präsidentin zu übernehmen - dessen Amtskette im Übrigen hohl sei, "wie dies Gaben von hoher Stelle häufig sind".

Wichtig sei ihr vor allem eines, schloss Krause: "Die Marburger Philipps-Universität war und ist im Aufbruch!"


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