Sparkasse: Kritik von links und rechts

Politik AfD und Linke gegen Schließungen

23 ihrer 59 Geschäftsstellen im Landkreis schließt die Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Das kritisieren Linke und AfD. (Foto: Archiv)

Anfang letzter Woche hatte die Sparkasse verkündet, in den kommenden zwei Jahren 23 ihrer 58 Geschäftsstellen im Kreis zu schließen. 14 Standorte werden ganz dicht gemacht, die restlichen neun Filialen werden zu Selbstbedienungscentern mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker.

„Die Fraktion lehnt diese Pläne kategorisch ab“, teilt die Fraktion der Linken diese Woche schriftlich mit. Sie fordert stattdessen eine Ausweitung des Angebots der Sparkasse „im wirklichen Leben“, um die Attraktivität der Städte und Gemeinden zu erhöhen. „Der gesetzliche Auftrag der Sparkassen zielt eindeutig nicht auf Gewinnmaximierung“, heißt es in der Erklärung. Da könne der Vorstandschef Wolfgang Bartsch sich lange darüber auslassen, dass es ,nicht darum gehe, Geld zu sparen’, wenn Filialen geschlossen werden. „Worum geht es denn dann? Um eine besseren Service für die Kunden? Wohl kaum“, stellt die Linke mit ironischem Ton fest.

Ein ausgedünntes Angebot und längere Wege zur nächsten Filiale seien ganz und gar nicht im Kundeninteresse. Statt „der betriebswirtschaftlichen Ratio des ,Streichens und Kürzens’ zu folgen“, sollte der  Sparkassenvorstand im eigenen Interesse dazu beitragen, die Attraktivität des ländlichen Raumes zu erhöhen.

Vorschlag: Dorfläden mit integrierter Filiale

Die Linke schlägt „Dorfläden mit integrierter Sparkassenfiliale“ oder „mobile Servicestationen“ als Beispiele dafür vor.

Letzteres gibt es bereits – so oder so ähnlich jedenfalls – in Form eines Botenservice: In dringenden Fällen kommt ein Mitarbeiter der Sparkasse in Haus und bringt Geld. Im Gegensatz zur Linken hat die AfD als drittstärkste politische Kraft im Kreistag künftig selbst einen Sitz im neu konstituierten Verwaltungsrat der Sparkasse. Das aktuelle Gremium (noch ohne AfD) hatte die Filialschließungen ohne Gegenstimme abgenickt.

Selbstbedienung an allen Standorten

Die AfD nimmt das nun „mit Verwunderung zur Kenntnis“. Es sei zwar nachvollziehbar, „dass in Zeiten von Niedrigzinsen und zunehmender Digitalisierung der Geschäfte von Geldinstituten bestehende Strukturen überdacht werden müssen“, schreibt die Fraktion in einer Erklärung am Mittwoch. Gerade die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut könne sich aber „nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Regeln orientieren“, sondern habe eine „besondere Verantwortung“ gegenüber den Bürgern der Kommunen.

Die AfD-Fraktion „bittet“ die Sparkasse, ihr neues Filialkonzept zu überdenken und „im Einvernehmen mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden beiderseits zufriedenstellende Lösungen anzubieten“. Sie plädiert dafür, alle Standorte, die geschlossen werden sollen, zu SB-Centern zu machen und dabei mit der VR Bank zusammenzuarbeiten.

Die AfD Kreistagsfraktion „bittet“ außerdem Landrätin Kirsten Fründt als Co-Vorsitzende des Verwaltungsrates, zusammen mit dem Gremium „Einfluss darauf zu nehmen, dass ein in diesem Sinne gestaltetes neues Filialkonzept erstellt wird“.


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