Stadtkirche erstrahlt nach Sanierung in neuem Glanz

Die Architekten und das Team um Wolfgang Schäfer (links) und Daniel Hermann vom Architekturbüro Werner sowie die Architektin der kirchlichen Regionalen Baubetreuung, Bianca Mille, in Dillenburg. Sie stehen vor einem gelungenen Ergebnis

Foto: Becker-von- Wolff

Ein Blick auf die neu sanierte Stadtkirche mit neuem Dachstuhl und Außenputz. Foto: Becker-von-Wolff

Pfarrer Dr. Friedhelm Ackva (li) mit besorgtem Blick hier im Gespräch mit Zimmermann Rolf Stude auf dem Dachstuhl der Stadtkirche. Unter den Planen wurden die tragenden Holzbalken auf Schäden untersucht. Morsche Balken mussten gegen neue Holzteile ausgetauscht werden.

Foto: Becker-von Wolff

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Dillenburg (hjb). Die Sanierungsarbeiten an der Evangelischen Stadtkirche Dillenburg gehen ihrem Ende entgegen: Nach der über zwei Jahre währenden Dachsanierung wird die 525-jährige Kirche am Sonntag, 25. September, mit einem Fest wieder eröffnet. Seit Dezember 2014 war das historische Gotteshaus für Besucher geschlossen. Die Evangelische Stadtkirche Dillenburg ist ein Wahrzeichen der Stadt: Im Gegensatz zum Dillenburger Schloss ist das Gebäude nie zerstört worden. Die "gotische Stadtkirche mit barockem Innenleben" ist mit der Grablege des Grafen-Hauses Nassau-Dillenburg bis heute ein Anziehungspunkt für viele Touristen, vor allem aus den Niederlanden. Vor einigen Jahren wurden morsche Stellen im Gebälk des Dachstuhls gefunden. Bei einer genaueren Untersuchung wurden weitere Schäden am Kirchendach festgestellt. Im Dezember 2014 wurde die Stadtkirche für die Bauarbeiten vorübergehend gesperrt. Das einsturzgefährdete Dach wurde komplett fachmännisch erneuert. So hat der Dachstuhl eine neue Stabilität erhalten: Etliche faule Balken wurden entfernt und durch ein neues Tragwerk ersetzt. Der Kirchturm samt Kirchturmspritze wurde ebenfalls komplett saniert. Die neue Schiefer-Abdeckung und der schützende Verputz, den die Kirche bereits in früheren Jahrhunderten hatte, lassen das Gotteshaus vor der hohen Wehrmauer in neuem Glanz erstrahlen. Die umfassenden Arbeiten am Gebäude machten es erforderlich, dass auch die Pfeifen der großen Oberlinger-Orgel im Kirchenraum komplett ausgebaut und vorübergehend in einem fünf Meter breiten und sechs Meter hohen Verschlag staubfrei im Chorraum gelagert werden mussten. Die über 3416 Pfeifen der Orgel wurden von Hand einzeln auf Schäden untersucht und in einer Orgelbauwerkstatt in Lich generalüberholt. Am Instrument und im Kirchenraum wurden Feuchtigkeitsschäden festgestellt und beseitigt. 45 Register hat die Oberlinger-Orgel, die in den 1990er Jahren hinter dem wiedergefundenen barocken Orgelprospekt von 1719 der ehemaligen Wang-Orgel errichtet wurde. Mittlerweile thront auch der Barock-Engel, der im Advent 2014 vorübergehend ausgelagert wurde, wieder über der Orgel an seinem angestammten Platz. Zur zweijährigen Sanierung der Stadtkirche soll es zur Wiedereröffnung eine Bild-dokumentation geben, die Helmut Menz mit Dirk Ebner, Ansgar Wedeking und Pfarrerin Ulrike Schmidt sowie Pfarrer Dr. Friedhelm Ackva erarbeitet hat.

Programm zur Wiedereröffnung

Das große Dank-Fest beginnt am Sonntag, 25. September, um 11.30 Uhr mit einem Mittagessen am Ev. Gemeindehaus Zwingel (Am Zwingel 3). Um 14 Uhr gestalten die Chöre der Kirchengemeinde mit Mitgliedern des Jungen Sinfonieorchesters Wetzlar sowie den Ortspfarrern gemeinsam mit Pröpstin Annegret Puttkammer den Fest-Gottesdienst. Parallel wird ein Kindergottesdienst im Gemeindehaus angeboten. Ab 16 Uhr wird es Kaffee und Kuchen, Crépes und Eis im Gemeindehaus geben. Im Laufe des Tages werden um 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr und um 17 Uhr Führungen durch den erneuerten Dachstuhl angeboten. Interessierte treffen sich am Kirchenportal. Um 16 Uhr bietet Propsteikantorin Petra Denker eine Orgelführung an und erläutert die durchgeführten Maßnahmen zur Optimierung der Orgel. Um 18 Uhr endet das Dank-Fest mit einem Luftballon-Start an der Stadtkirche.

Die evangelische Stadtkirche Dillenburg ist eine sehr sehenswerte Kirche in der Region. Sie liegt als ein Wahrzeichen der Stadt am Hang des Schlossberges - unterhalb des Wilhelmturms. Die einst katholische Kirche mit Hochaltar wurde im Zuge der Reformation 1530 zur Evangelischen Stadtkirche und beherbergte auf dem Speicher die Lateinschule. Am 3. Juni 1491 wurde die Kirche als Grabeskirche der Grafen und Fürsten von Nassau errichtet und als Pfarrkirche Sankt Johannis geweiht. Die Grabkirche der nassauischen Grafen sowie Ahnen des preußischen und des holländischen Königshauses zieht bis heute viele niederländische Gäste an.

Im Inneren beherbergt die evangelische Stadtkirche Dillenburg eine Oberlinger Orgel mit 45 Registern und einem Glockenspiel. Für die Orgel aus dem Jahr 1990 wurde der einstige Orgelprospekt aus dem Jahr 1719 wieder beschafft und restauriert: Seit dem thront auch wieder über dem barocken Orgelprospekt ein Engel mit einer Posaune. Die in den Relikten der Wangschen Barockorgel nahezu an ihren ursprünglichen Standort zurück gebrachte Orgel gilt als eines der schönsten Instrumente der Region. Die Kirchenmusik ist ein Schwerpunkt im Gemeindeleben. Die Sanierungsarbeiten haben 1,9 Millionen Euro gekostet. Den Großteil der Kosten tragen die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mit 1,3 Millionen Euro und die Denkmalpflege, aber auch die Evangelische Kirchengemeinde Dillenburg und viele Spender aus der Region haben dazu beigetragen, dass die Stadtkirche komplett saniert werden konnte. Der Kirchenvorstand bittet um weitere Spenden, um noch kleinere Arbeiten im Altarraum und der Toilette umsetzen zu können. Für die Sanierung gibt es folgendes Spendenkonto:

"Dachsanierung Stadtkirche" Volksbank Dill eG, IBAN - DE91516900000031461707, BIC GENODE51DIL.


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