Stillstand kann der Sargnagel für die "Fortuna" sein

Förderverein informiert über die Folgen des Einfahrt-Stopps / Gutachten soll über Zukunft entscheiden

Der Förderverein hatte 1987 dafür gesorgt, dass die Grube nach der Einstellung des Abbaus vier Jahre zuvor für Besucher zugänglich wird.

Der Kreis hatte kürzlich beschlossen, die Einfahrt in das Besucherbergwerk in diesem Jahr zu unterbinden. Begründung: Eine neue Sicherheitsphilosophie beim Brandschutz und der Rettungswege, da ein geeigneter zweiter Fluchtweg fehlt.

Derzeit prüft der Kreis per Gutachten, was ein zweiter Fluchtweg mittels einer Großbohrung kosten würde. Versammlungsmitglieder vermuteten einen Betrag zwischen 300 000 und 400 000 Euro.

Kein Verständnis hatten die Gäste für die abrupte Schließung des Besucherbergwerks, zumal die Bergbauverwaltung, wenn auch mit Bedenken, die Betriebsgenehmigung erteilt habe. Gehandelt werden könne auch bei fortgesetztem Betrieb. Man müsse sich fragen, ob man dann 23 Jahre lang fahrlässig gewesen sei.

Das Einfahren in den Berg sei, selbst bei einem Ausbau der oberirdischen Anlagen, durch nichts zu ersetzen, gab sich Georg überzeugt. Fehle die Möglichkeit der Einfahrt, ziehe dies das Museum mit nach unten, da die Kombination beider Angebote einen Großteil des Erfolgs ausmache.

<span style="font-weight: bold;">Mangelnde Wertschätzung?</span>

Es sei zudem auch kein gutes Signal für mögliche Sponsoren des geplanten und vom Förderverein nachdrücklich unterstützten "Mineralischen Rohstoffhauses", dass auf dem Gelände die mineralische Rohstoffverarbeitung anschaulich machen soll.

Eine Schließung lasse sich auch nicht mit den Zielen des kürzlich initiierten Geoparks Westerwald-Lahn-Taunus vereinbaren. Naturdenkmäler wie zum Beispiel Höhlen gebe es mehrere im Gebiet, Besucherbergwerke nicht, gab der Vereinsvorstand zu bedenken.

Es laufe zudem ein Antrag, die Grube zum Denkmal von nationalem Rang zu erheben. Er warne daher davor in der Finanzkrise die Grube, obwohl nur freiwillige Leistung des Kreises, als "lästiges Beiwerk" einzustufen. Es handele sich um ein wertvolles Kultur- und Industriedenkmal im heimischen Raum, das die schwierigen Arbeitsbedingungen unserer Vorfahren unter Tage auch gerade jungen Menschen anschaulich verdeutliche.

Die auch pädagogisch sehr wertvolle Einrichtung müsse nun anfragenden Schulklassen, Ausflüglern und sonstigen Gruppen eine Absage erteilen und werde mit fortschreitender Zeit an Interesse verlieren.

"Die Frage ist, was die Grube den Menschen, auch den politischen Entscheidungsträgern in Kommunen, Kreis und Land wert ist", waren sich die Besucher einig. Es handele sich um das einzig befahrbare Bergwerk in den alten Bundesländern, ein touristisches überregional bedeutsames Juwel, meinte Ortsbezirksvorsitzender Rafael Neuhaus.

Für die Renovierung von Kulturgütern wie des Palais Papius in Wetzlar würden Millionen aufgewendet, wandte Reinhold Koob, Leuner SPD-Chef ein. Für die Grube, in der der auch viel ehrenamtliches Engagement und Herzblut liege, scheine dagegen die würdigende Wertschätzung landauf landab zu fehlen.

Das Bergwerk müsse ständig unterhalten werden, erinnerte Georg. Jeder Tag, an dem nichts passiere, könne der berüchtigte Sargnagel mehr sein, wies er auf die Dringlichkeit hin. "Ich vermute, dass der Politik mangels Information noch die nötige Sensibilisierung für den irreparablen Schaden fehlt, der entstehen kann", betonte Georg, der per Diavortrag die lange Geschichte der Einrichtung hatte Revue passieren lassen. Derzeit fehle der erkennbare Wille aus dem Dilemma rauszukommen.

Die Besucherzahlen seien seit 2005 stark rückläufig, nicht zuletzt auch wegen zum Teil stark erhöhter Eintrittspreise, informierte Georg weiter. Zu bedenken sei, dass der Kreis den Zuschussbetrag ab 2011 auf 300 000 Euro begrenzen wolle. Bedauerlich sei es, wenn die Grube nun auch noch auf die Eintrittsgelder, immerhin 116 000 Euro in 2009, verzichten müsse.


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