
Auch der dänische Tanzstar Egon Madsen hat hier am Ende seiner weltweiten Karriere ein neues Zuhause gefunden. Ans Aufhören denkt er trotz seines 70. Geburtstags am Freitag (24.8.) aber noch lange nicht - und auch sonst führt das Klischee vom frustrierten Altstar unter Olivenbäumen auf eine falsche Fährte.
Da ist zunächst einmal große Zufriedenheit über eine Karriere, auf deren Höhepunkt Madsen von 1962 an neben dem Anfang August verstorbenen Richard Cragun die männlichen Hauptrollen im «Stuttgarter Ballettwunder» spielte. «Das Gastspiel in New York war der große Durchbruch. Wir waren damals eine Compagnie vom Land, nicht so groß wie München oder Berlin», erzählt der in Ringe auf der dänischen Insel Fünen geborene Madsen. Neben den Frauen wie Marcia Haydée und Birgit Keil spielte das Ensemble in Inszenierungen der Ballettlegende John Cranko, die weltweit bis heute gegeben werden.
Und jetzt also der 70. Geburtstag. Sorgen da die kleinen Zipperlein im Körper nicht für besondere Komplexe? Auch hier winkt der Mann unter seinem weißen Lockenkopf freundlich lächelnd ab. «Ich akzeptiere, wenn der Körper sagt: Das kann ich nicht mehr - aber ich leide nicht darunter», sagt er in deutsch-dänischem Singsang.
Dafür sorge auch, dass es für Tänzer unter Choreographen wie Jiri Kilian inzwischen mehr und mehr Möglichkeiten gebe, in höherem Alter zu arbeiten. Madsen trat nach einer teilweise umstrittenen Arbeit als Ballettdirektor in Stuttgart 1999 wieder auf die Bühne und tanzte in der Seniorencompagnie beim Nederlands Dans Theater 3. «Überhaupt müsste man heute mehr sehen, was für Möglichkeiten Ältere noch haben.» Für viele Junge hält er den Tipp parat, der weit über die Ballettbühnen hinaus gilt: «Man muss seine eigene Sache machen, sonst kriegt man keine Persönlichkeit.»
Seit 2009 arbeitet Madsen als Coach für die Gauthier Dance Company des Stuttgarter Theaterhauses. Auch hier also kein Zeichen für Rast oder ein Ende der öffentlichen Auftritte. «Ich spüre das noch nicht. Ich habe schon mehrmals gesagt: "Jetzt ist Schluss"». Abschied von der Bühne falle ihm leicht, behauptet er. Ballettkollegin Marcia Haydée (75) sieht das anders: «Du brauchst die Bühne und wir, die Zuschauer, brauchen Dich», sagte sie bei der Laudatio zur Verleihung des Deutschen Tanzpreises für Madsens Lebenswerk im vergangenen Jahr.
Eines muss er aber noch loswerden, zur Inszenierung von «Don Q», die seit 2007 am Theaterhaus läuft und inzwischen gut 70 Mal gezeigt wurde. Denn der «Don Q» habe es ihm angetan, sagt Madsen. «Dieser ältere Herr lebt in seiner Welt, in seinen Träumen - je älter ich werde, desto mehr Aussage kriegt das für mich.» Für ihn besteht die eigene Welt inzwischen eben aus einem Häuschen mit Garten, Hühnern und Olivenbäumen, Dorffesten und Ausflügen ins nahe Theater nach Fano oder Pesaro. Die Rolle des zufriedenen Teilzeitrentners ist also das einzige Klischee, dem Madsen voll und ganz entspricht. «Ich genieße das, wenn ich dort zu Hause bei meiner Frau bin.»







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