Thiemig gewinnt die Wahl

Der 43-Jährige liegt vor Amtsinhaber Karl-Hermann Bolldorf

Mehr als 80 Prozent der Wallauer Wähler wollen den Sozialdemokraten

Wie beim ersten Wahlgang lag Thiemig von Anfang an vorne. In seinem Heimatort Dexbach baute er den Stimmenanteil von 58 auf 69 Prozent aus. Im benachbarten Engelbach, wo sich Rainer Höhn vor drei Wochen ein gutes Drittel der Stimmen gesichert hatte, sprang Thiemig von 26 auf 54 Prozent vor. Zeitweilig lag der Sozialdemokrat bei über 65 Prozent der Wählerstimmen.

Das aber nicht nur aufgrund der kleinen Dörfer überm Berg, sondern wegen seines riesigen Stimmenanteils in Wallau. 80,9 Prozent der Wallauer machten ihr Kreuzchen beim Herausforderer, nur 19,1 Prozent beim Amtsinhaber. Vor drei Wochen hatte Thiemig ebenfalls zunächst über der 50-Prozent-Marke gelegen, dann aber nach und nach Federn gelassen, als die Stimmen aus den Wahllokalen in Biedenkopf einliefen. Gestern machte der Christdemokrat dort auch Boden gut. Aber nicht genug. Joachim Thiemig lag zwar immer hinter dem Amtsinhaber, baute seinen Stimmenanteil aber in den sechs Wahllokalen der Kernstadt immerhin von 29,8 um 7,5 Prozentpunkte auf 37,3 Prozent aus.

Kurz vor 19 Uhr fehlten noch die Stimmen aus dem Wahllokal "Bürgerhaus" und die der Briefwähler. Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich für gute Rechner ab: Sie könnten das Blatt für den Amtsinhaber nur noch wenden, wenn dort drei Viertel der Stimmen auf Bolldorf fallen. Unerwartet hoch war die Wahlbeteiligung. Sie lag mit 54,5 Prozent noch über der Wahlbeteiligung vor drei Wochen (52,8 Prozent). Die größte Bewegung gab es in Wallau: Hier machten rund 100 Menschen mehr ihr Kreuz.

Der erste Gratulant, den dem strahlenden Sieger Thiemig die Hand schüttelte, war ein sichtlich niedergeschlagener Karl-Hermann Bolldorf. Der Verlierer wünschte seinem Nachfolger eine glückliche Hand für die Stadt und für die Bürger. Er hoffe, so Bolldorf, dass Thiemig seinen Mitarbeitern ein guter Chef werde. Zu den weiteren Gratulanten gehörte auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol. Er verspricht sich von der gewonnen Bürgermeisterwahl eines SPD-Mannes auch Vorteile für Kommunalwahl im März 2011.

Der 43-jährige Dexbacher sieht Sieg als seine persönliche Mondlandung

Als ein "tolles Gefühl" beschrieb der zweifache Familienvater den Wahlsieg in einer ersten Stellungnahme. Boris Becker habe nach seinem ersten Titelgewinn in Wimbledon einmal gesagt, dies sei für ihn wie eine persönliche Mondlandung. Genauso empfinde er. Den Gewinn führte der Sozialdemokrat vor allem auf seinen engagierten und intensiven Wahlkampf zurück. "Ich bin erleichtert und froh, dass er belohnt worden ist", sagte er. Mit dem Ende dieser anstrengenden Zeit falle auf der einen Seite eine große Last von ihm ab. Andererseits wolle er sie aber nicht missen, seien doch viele neue Kontakte und sogar Freundschaften entstanden.

Und wie will er die Kernstädter, die ihn zu einem großen Teil nicht gewählt haben, für seine Politik und seine Person gewinnen? Er sei mit dem Anspruch angetreten, eine ausgewogene Politik für alle Stadtteile zu machen, sagte Joachim Thiemig. Und genau das werde er tun - und Biedenkopf sei nun einmal ein Stadtteil mit einem hohen Stellenwert in der Gesamtstadt.


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