Trauer in Seedorf über tote Soldaten am Hindukusch

Tag für Tag sehen sie die in der Fallschirmjägerkaserne stationierten Soldaten der Luftlandebrigade 31 beim Joggen, in den Supermärkten oder in den Restaurants der Region.

Die Nachrichten über das blutige Gefecht der Bundeswehr mit radikal-islamischen Taliban tausende Kilometer entfernt am Hindukusch überschattet das Osterfest. Die drei am Karfreitag in Afghanistan gefallenen Soldaten und ihre acht verwundeten Kameraden wohnten quasi direkt vor ihrer Haustür.

"Ich habe am Samstag die ersten Anrufe bekommen, die Menschen waren sehr bestürzt", sagt der Bürgermeister der 790-Seelen-Gemeinde, Jakob Hinck. Viele Reaktionen habe er allerdings noch nicht gehört. "Durch den Ostertrubel dauert es, bis die Menschen das realisiert haben."

In den Osterpredigten wird in den Kirchen der Region der Opfer gedacht. In einer E-Mail an seine Kollegen schrieb der Superintendent des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven, Wilhelm Helmers, an die Pastoren: "Ich bitte Sie, in den Ostergottesdiensten der getöteten und verletzten Soldaten und besonders auch deren Familien und Freunden zu gedenken." Er findet auch kritische Töne zu dem Militäreinsatz. "Die schon vor dem Einsatz geäußerte Kritik, die mancherorts zu heftigen Reaktionen geführt hat, wird nun durch diese tragischen Umstände bestätigt", schrieb der Theologe an die Pastoren.

"Nichts ist gut in Afghanistan", hatte die damalige EKD- Ratsvorsitzende Margot Käßmann in ihrem Neujahrsgottesdienst kritisiert und am Karfreitag auf tragische Weise Recht bekommen. Am Sonntagabend landet ein Regierungs-Airbus mit den Särgen der drei getöteten 25, 28, und 35 Jahre alten Fallschirmjägern aus Seedorf auf dem Flughafen Köln/Bonn.

Die schrecklichen Nachrichten über die stundenlangen blutigen Gefechte in Afghanistan und den Tod der Kameraden schockieren auch in der Fallschirmjägerkaserne am Rande der Gemeinde. Mehr als 3800 Soldaten sind hier stationiert, trainieren für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Von gedrückter Stimmung und großer Trauer in der Kaserne berichtet der Sprecher der Brigade, Hauptmann Björn Gornik.

Erst im Februar waren mit einem feierlichen Appell 1100 Soldaten der Luftlandeeinheit - darunter auch die jetzt ums Leben gekommenen - verabschiedet worden, um im Laufe des Jahres in Richtung Kundus und Masar-i-Scharif versetzt zu werden. Ein ganzes Jahr hatten die Soldaten sich auf den Einsatz vorbereitet. Sie wurden speziell für den Kampf gegen "irreguläre Kräfte", also Terroristen, Guerilla und Partisanen ausgebildet. Bürgermeister Hinck spricht von unzähligen Übungen auf dem Schießplatz.

Bei der Verabschiedung der Männer und Frauen in der Kaserne damals sprachen noch viele Angehörige über ihre Furcht und Sorgen. Ihnen wird der ISAF-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger, am Ostersonntag bei der Trauerfeier in Kundus aus der Seele gesprochen haben: "Wir haben alle gehofft, dass wir diesen Tag niemals erleben müssen. Die Hoffnung wurde am 2. April jäh zerstört."

[Fallschirmjägerkaserne]: Seedorf, Kreis Rotenburg


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