Vielfalt hilft

Multimodale Komplexbehandlung bei Epilepsie

Ungezählte gleichzeitige elektrische Entladungen erzeugen bei einem epileptischen Anfall das charakteristische Bild. Betroffene können mittlerweile immer öfter ein normales Leben ohne Anfälle führen - die multimodale Komplexbehandlung trägt dazu bei.

Sie setzt auf eine Kombination von Medikamenten mit einer auf den Patienten abgestimmten Kombination aus Ergo-, Physio-, logotherapeutischen und neuropsychologischen Behandlungselementen. Die multimodale Komplexbehandlung kann notwendig sein, wenn sich durch die rein medikamentöse Behandlung keine Besserung zeigt.

Mit individuell auf das Krankheitsbild des Patienten abgestimmten Therapieeinheiten wie beispielsweise aus der Ergo- und Logotherapie, können nicht nur körperlichen Defizite ausgeglichen werden. Viele Betroffene kommen erst durch die mindestens zwei Wochen dauernde Behandlung wieder regelmäßig mit anderen Menschen in Kontakt. "Es kann häufig eine entscheidende Veränderung im Verhalten der Patienten erreicht werden", sagt Dr. Anelia Todorova-Rudolph. Schon diese kleinen Änderungen können für die Genesung und die Lebensqualität entscheidend sein.

Wer stationär in der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster mit Verdacht auf Epilepsie aufgenommen wird, durchläuft zunächst eine detaillierte Diagnose. Ergänzend werden bei therapieresistenten Epilepsien dann von den Experten der verschiedenen Fachrichtungen die Bausteine der multimodalen Komplexbehandlung festgelegt. Im Verlauf der Behandlung werden diese regelmäßig überprüft und dem Fortschritt des Patienten angepasst. Länge und Zeitpunkt einer Therapieeinheit können also variieren.

Epilepsie gehört zu den ältesten beschriebenen Krankheitsbildern der Welt. Auf beinahe 2000 Jahre vor Christus wird einer der frühsten Namen "Nsjt" datiert und bedeutet soviel wie "von Gott gesandt". Bis zu dem heute gängigen Begriff "Epilepsie" benennen ungezählte Wörter dieses Anfallsleiden. Sie alle umschreiben verschiedene Ausprägungen eines Phänomens: Die Schwelle der Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn ist derart herabgesetzt, dass sie eingehende Reize nicht mehr filtern können, sich die elektrische Spannung also abrupt entlädt. Es entsteht also eine Art Gewitter der elektrischen Entladungen im Gehirn.

Die Ursache hierzu kann sowohl in einer Fehlbildung, als auch in einer Schädigung des Gehirns, etwa durch einen Unfall, liegen. Mittlerweile sind die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten soweit fortgeschritten, dass in vielen Fällen die Anzahl der Anfälle verringert und die Lebensqualität verbessert werden kann.

Aus der Vergangenheit sind einige historische Persönlichkeiten bekannt, die mit Epilepsie lebten: Cäsar, Vincent van Gogh und Rudi Dutschke sind nur drei Namen. "Mit einer solchen Diagnose sind große Leistungen und Erfolge nicht ausgeschlossen", betont Dr. Anelia Todorova-Rudolph (Foto). Die Neurologin ist Oberärztin an der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster und hat sich auf Diagnose und Therapie von Epilepsie spezialisiert.

In den ersten fünf Lebensjahren und ab dem 60. Lebensjahr ist das Risiko am größten an Epilepsie zu erkranken. Im Kindesalter sind Formen vertreten, die zu einer Verzögerung der Entwicklung führen können. Durch eine möglichst umfassende Diagnose lassen sich die Ursachen mittlerweile sehr genau herausfinden. Dementsprechend zielgerichtet können eventuell Medikamente gegeben werden, die die Reizschwelle der Nervenzellen nach oben setzen, um die Anzahl der Anfälle reduzieren zu können. "Eine Heilung ist in der Regel, außer bei der Epilepsiechirurgie, nicht möglich, Betroffene können allerdings im besten Fall anfallsfrei leben", erklärt Todorova-Rudolph.

Mit Hilfe eines EEG-Gerätes (Elektroenzephalografie) werden Hirnströme gemessen. Zusätzlich können in einem MRT-Bild des Schädels Hinweise auf den genauen Ursprung der Erkrankung gefunden werden. In vielen Fällen ist eine ambulante Behandlung ausreichend. Bei wem dies kein Rückgang der Anfälle bewirkt, der kann durch die multimodale Komplexbehandlung Linderung erhalten.

Kontakt für Terminvereinbarung unter & (0 64 72) 6 02 92, E-Mail: neurologie(at)vitos-weil-lahn.de


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