Von höllischem Feuer in der Speiseröhre gequält

GESUND VOR ORT Informationen über Abhilfe bei Sodbrennen

120 Interessierte kamen zu "Gesund vor Ort" zum Thema "Sodbrennen" in Ehringshausen. (Foto: Volkmar)

Chefarzt Dietmar Stephan informiert über Therapiemöglichkeiten. (Foto: Volkmar)

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Der Chefarzt für Minimal-invasive Chirurgie am St. Marien-Krankenhaus in Siegen sprach in der Reihe "Gesund vor Ort" zum Thema "Volkskrankheit Sodbrennen" in Ehringshausen. Zu der Veranstaltung hatte diese Zeitung eingeladen.

Zuvor hatte Dr. Michael Jäger von der Chirurgischen Gemeinschaftspraxis in Ehringshausen die Besucher begrüßt und den Gast aus Siegen vorgestellt, an dessen Krankenhaus auch das Reflux-Zentrum Siegerland angesiedelt ist. Bei den über 50-jährigen liege der Anteil der von Sodbrennen Betroffenen deutlich höher als 30 Prozent. Bei über zwölf Millionen Patienten habe es sich zu einer Erkrankung entwickelt, an deren Ende eine Operation stehen könne.

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Die Speiseröhre ist ein rund 30 Zentimeter langer Muskelschlauch, der den Mund mit dem Magen verbindet. Vor dem Übergang in den Magen bildet die Speiseröhrenmuskulatur einen ringförmigen Schließmuskel, der sich beim Schlucken öffnet und danach wieder schließt.

Wenn dieser Übergang nicht ganz zugeht, kommt es zum verstärkten Reflux (Rückfluss) des salzsäureartigen Magensaftes in die Speiseröhre und führt hier zu saurem Aufstoßen, der zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann. Ein gewisser Rückfluss ist eigentlich normal, besonders nach dem Essen.

Der Facharzt untergliederte in seinem Vortrag die Behandlung einer Reflux-Erkrankung in drei Phasen: Neben der konservativen Methode stehe die Medikamententherapie und letztlich der operative Eingriff.

Die betroffenen Patienten können eine Menge selbst gegen ihr Sodbrennen tun. Zu diesen Maßnahmen zählt die Empfehlung, viele kleine Mahlzeiten mit wenig Fett und viel Eiweiß essen. Weiterhin sollte die letzte Mahlzeit nicht zu spät am Abend eingenommen werden. Schließlich hilft auch die Reduzierung des Übergewichts. Stress vermieden, das Rauchen einstellen und Alkohol reduzieren. Viele der Betroffenen schwören auf die Einnahme von Bullrich-Salz, Rennie, Heilerde oder die regelmäßige Einnahme von säurehemmenden Medikamenten. Protonenpumpenhemmer, die die Säurebildung im Magen weitgehend hemmen, werden seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Diese helfen zwar, aber die Ursache sei damit nicht beseitigt. Zumal das Sodbrennen auch Nebenwirkungen zeigt, wie Heiserkeit oder entzündliche Veränderungen im Kehlkopfbereich.

Sind die Reflux-Beschwerden von Dauer, sollte man seinen Hausarzt aufsuchen, zumal sich durch das saure Aufstoßen auch die Speiseröhre entzünden kann. Der Arzt wird zunächst stärkere Medikamente verordnen aber auch eine Magenspiegelung vornehmen.

"Wenn die Reizung zu einer dauerhaften Entzündung wird, geht auch die Schädigung der Speiseröhre weiter, es kann zu Krebs kommen. Zudem ändern die Medikamente nichts an der anatomischen Ursache der Beschwerden", erklärt der Mediziner, als er auf den operativen Eingriff zu sprechen kommt. Durch die minimalinvasive Technik (Schlüsselloch-Operation) sei ein solcher Eingriff mit weniger Risiken verbunden.

Ursache ist der Bruch des Zwerchfells

Ursache für eine Reflux-Krankheit sei zumeist ein Zwerchfellbruch. Das Zwerchfell trennt Brustraum und Bauchraum. Bei einem solchen Bruch sei die Öffnung erweitert, durch die die Speiseröhre führt, deshalb funktioniere das "Ventil" zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig. Häufig rutsche auch ein Teil des Magens nach oben in den Brustraum.

In seinem bebilderten Vortrag erläutert der Chirurg aus Siegen die verschiedenen OP-Methoden. Danach sei die aus Magenteilen gebildete elastische Manschette, die unterhalb des Zwerchfells um die Speiseröhre gelegt wird, der heutige Standard. "Aber auch neuere Methoden, wie das Antireflux-Stimulationssystem, zeigen gute Erfolge", so Stephan. Nach dem informativen Vortrag hatten die Besucher Gelegenheit, den Referenten auf ihre Probleme anzusprechen. (wv)


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