Wichtig, Prioritäten zu setzen

DIREKTER DRAHT Dr. Peter Wehmeier gibt Tipps, wie Burn-out vermieden werden kann

Ein Mann aus Wetzlar rief für seine 45-jährige Frau an, bei der vor etwa drei Wochen Burn-out festgestellt worden sei. Er fragte, wie sie am schnellsten zu einem Facharzt kommen kann. Ob seine Frau bereits in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung ist, wollte Dr. Wehmeier wissen. Das verneinte der Mann, denn es gebe bei Psychotherapeuten Wartezeiten von einem halben Jahr oder länger. "Leider ist es so, dass die Wartezeiten oft sehr lang sind", bestätigte Wehmeier. Es würde vielleicht schneller gehen, wenn sich seine Frau einen Termin bei einem Psychiater besorgt, denn hinter einem Burn-out könne sich alles Mögliche verbergen. Es könne eine Erschöpfungsdepression oder eine Folge von belastenden Lebensereignissen sein. Deshalb ist es aus Sicht des Arztes wichtig, dass die Frau von einem Fachmann gesehen wird, entweder von einem Psychiater oder einem Psychotherapeuten. Der Hausarzt wisse bereits, dass es seiner Frau schlecht geht, und habe eine Einweisung ausgestellt. Seine Frau möchte aber nicht so gerne in einer Klinik behandelt werden, meinte der Mann. In Mittelhessen gibt es etliche psychiatrische Kliniken, sagte der Mediziner. Es gibt auch psychosomatische Kliniken, die ebenfalls Erschöpfungssymptome behandeln, klärte Wehmeier auf.

Für die psychosomatische Akutklinik, die nicht zu verwechseln sei mit einer psychiatrischen Klinik, reiche die Einweisung des Haus- oder Facharztes aus. Seine Frau sollte mit der Klinik telefonisch Kontakt aufnehmen. Das sei seine Empfehlung, denn das zeige die Bereitschaft, dass der Patient selbst offen für eine stationäre Behandlung ist.

Ein 62-Jähriger aus Herborn, der seit 38 Jahren in leitender Position in einer Großküche arbeitet, fühlt sich von seinem Betriebsleiter gemobbt, dieser spreche immer davon, dass die Altlasten weg müssten. Er habe ihm bereits deutlich gemacht, dass er ihm einen anderen Job geben und ihm seinen alten Posten wegnehmen möchte. Das behage ihm überhaupt nicht. Der Betriebsleiter mäkele an allem herum und spiele ihn und seine Mitarbeiter gegeneinander aus. Er wisse zwar nicht, was Burn-out ist, aber er fühle sich total leer und fertig, weil er merke, dass er abgeschoben werden soll. "Medizinisch würden wir von einer Erschöpfungsdepression sprechen", sagte Wehmeier. Diese könne mit solchen Konflikten einhergehen. Solche Arbeitssituationen führten immer häufiger zu Erschöpfungsdepressionen mit Stimmungsverschlechterung.

Selbst kündigen möchte er auf keinen Fall, meinte der Anrufer. Bisher sei er deswegen noch nicht krankgeschrieben gewesen, sein Hausarzt habe ihm jedoch signalisiert ihm, dass er eine Kur beantragen könnte.

Wehmeier lobte den 62-Jährigen, dass er so offen mit den Problemen umgeht und mit vielen Menschen darüber redet und sich Rat holt. Sinnvoll sei es zudem, nicht voreilig zu kündigen. Es gebe sicher keine leichten Antworten, aber er soll mit seinem Hausarzt besprechen, ob er ihn aufgrund der Situation erst einmal krankschreibt.

Nach vorne blicken, die Zukunft planen und eine Vorstellung davon haben, wo man selbst hin will

Viele Anrufer fragten, was es mit dem Selbstmanagement auf sich hat. Er habe dazu ein mehrdimensionales Konzept entwickelt, sagte Wehmeier. Erstens geht es darum, den Realitätsbezug nicht zu verlieren und sich nicht mit irgendwelchen Illusionen abzugeben. Zweitens geht es um zwischenmenschliche Beziehungen und drittens um Zukunftsorientierung.

Es sei wichtig, nach vorne zu blicken, die Zukunft zu planen und eine Vorstellung davon zu haben, wo man selbst hin will. "Dabei geht es darum, Prioritäten zu setzen", sagte der Arzt. Um Burn-out zu vermeiden, sei es oft hilfreich, seine Ansprüche zu reduzieren. Denn viele scheiterten an überhöhten Selbstansprüchen.

Peter Wehmeier hat dazu das Buch "Erfolg ist, wenn es mir gut geht - Burn-out vermeiden durch Selbstmanagement" geschrieben.


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