"Wie auf die Leute eingedroschen wird, ist respektlos"

Vertreter der großen Parteien im Landkreis Limburg-Weilburg zum Köhler-Rücktritt

"Ich bedauere das sehr", das ist Helmut Peusers erste Reaktion. Der Kreisvorsitzende der CDU, der Horst Köhler als Wahlmann in der Bundesversammlung mitgewählt hat, meinte, in seiner politischen Laufbahn nicht nochmal einen Bundespräsidenten wählen zu müssen. "Ich kann die Reaktion einerseits verstehen, aber andererseits ist Köhler doch sehr dünnhäutig gewesen." Den Köhler-Rücktritt nimmt der Limburger Landespolitiker zum Anlass, laut über den Umgang besonders der Medien mit dem politischen Personal nachzudenken: "Wie manchmal auf die Leute eingedroschen wird, das ist schon respektlos und überzogen. Das musste auch Volker Bouffier aushalten. Kritik muss sein, aber derzeit bricht zu viel auf die Politik ein", so Peuser.

Auf dem Weg zum Hessentag hat SPD-Kreisvorsitzender Tobias Eckert vom Rücktritt Horst Köhlers aus dem Radio erfahren. Der Dillhäuser zeigt sich überrascht vom Rücktritt des Staatsoberhauptes. "Es gibt eigentlich keinen Grund", sagte Eckert gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

"Er sieht ja die Würde des Amtes verletzt, ich sehe das nicht so. Wenn sich ein Bundespräsident so konkret zu tagespolitischen Fragen äußert, muss er mit Diskussionen darüber rechnen", meint Eckert. Auswirkungen auf die Bundespolitik erwartet er nicht. "Sicher, das ist eine ungewöhnliche Situation, aber dafür gibt es klare Regelungen." Er gehe davon aus, so Eckert, dass der Bundestagspräsident in den kommenden Wochen die Bundesversammlung einberufe. Angela Merkel allerdings habe nun innerhalb einer Woche den zweiten Rücktritt eines CDU-Politikers zu verkraften. "Es scheint zu haken und zu klemmen", so Eckert.


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