Senf herzustellen, wie er überall zu haben ist, kam für Meik Schönau von Anfang an nicht in Frage. Er wollte in seinem "Senf-Atelier" mehr als nur das scharfe Würzmittel anbieten. Die zündende Idee hatte er während einer Zugfahrt von Köln nach Haiger. "Ich wollte etwas machen, das nicht jeder macht", erzählt der 37-Jährige. Der gelernte Maler und Lackierer war zu diesem Zeitpunkt arbeitslos. Heute läuft der Handel mit den selbst produzierten Produkten so gut, dass er bereits daran denkt, sein Geschäft auszuweiten.
"Ein Senf-Geschäft in Haiger? Das geht doch gar nicht."
Genau das Gegenteil hatten viele Schönau vor fünf Jahren prognostiziert. Von "Du bist ja total verrückt" bis hin zu ernsthaften Warnungen reichten die Ratschläge. "Ein Senf-Geschäft in Haiger? Das geht doch gar nicht." Der Lebensmittelkontrolleur, den Schönau vorsorglich um Rat fragte, sei regelrecht entsetzt gewesen und habe ihm dringend geraten sich etwas Griffigeres auszudenken.
Alles vergebens. Schönau zeigte sich "beratungsresistent" und mietete die zu diesem Zeitpunkt bereits seit 28 Jahren leer stehende ehemalige Bäckerei Haas in der Haigerer Innenstadt. Die Grundkonzeption von Ladenlokal und Bäckerei schien passend, lediglich der Feinschliff, also die Ausstattung für die Senf-Produktion, verlangte Schönaus ganzen Einsatz. Als er kurz nach der Eröffnung im Mai 2005 seine Produkte auf einem Markt anbot, rissen ihm die Leute die Senfgläser förmlich aus der Hand. Mit der Kreation von Ingwer-Orange-, Kräuter- oder Peppo-Senf hatte er eine Marktlücke entdeckt.
Durch Zufall lernte Schönau einen Werbefachmann kennen, dem er Ratschläge für die Renovierung einer Wohnung gab. Der Werbefachmann revanchierte sich mit Tipps für Internetauftritt, Klebeetiketten und Flyer. Um seine regionale Verbundenheit zu dokumentieren, erschuf Schönau den "Haigerer Senf". Bereits drei Jahre später, im Jahr 2008, bekam er die Goldmedaille der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) für eine weitere Eigenkreation - den Honig-Chili-Senf.
Was Meik Schönau in dem Laden mit angrenzender "Werkstatt" verkauft, stammt aus eigener Produktion - und zwar "vom Korn bis zum gefüllten Glas", wie er unterstreicht. Die Senfkörner kommen von einem Gewürzhändler. Für die Herstellung werden sie zunächst in einer speziellen Mühle gemahlen und anschließend mit Essig, Salz, Zucker, Wasser und den verschiedenen Gewürzen vermischt. Diese Art "Brei" muss dann etwa 14 Tage lang in Kunststoff-Fässern lagern. Zum Schluss füllt Meik Schönau den fertigen Senf mit einer Handpumpe in Gläser ab. Darauf wird dann noch ein Edikett geklebt - und fertig. Knapp 30 verschiedene Senf-Kreationen hat der 37-Jährige mittlerweile im Programm. In den Regalen des Geschäfts stehen unter anderem Kräuter- und Knoblauch-Senf, Mandel-Mohn-Senf, Karibik-Senf mit Ananas, Kokos und Rum und indischer Senf mit Sesam und Curry.
Die Stammkunden halten dem "Senf-Atelier" die Treue - und dies mittlerweile auch über das Internet. Ins österreichische Salzburg beispielsweise liefert Schönau monatlich seinen Feinschmecker-Senf. Und auch in Sachen Gewürzen ist er inzwischen ein gefragter Händler.
Schon seit geraumer Zeit überlegt der Haigerer, sein Sortiment um Feinkostartikel zu erweitern. Bis es soweit ist, nimmt den meisten Platz in dem kleinen Laden das Regal mit den Probiergläsern ein. "Die Kunden sollen schließlich schmecken können, was sie später nach Haus tragen", sagt der 37-Jährige.
Erst vor ein wenigen Wochen hat er eine ganze Horde Ferienpass-Kinder in die Geheimnisse der Senf-Herstellung eingeweiht. Die Zeit müsse sein, auch wenn der Zwölf-Stunden-Tag nur wenig Raum lasse, sagt Schönau. Ab und an gönnt er sich einen Besuch bei seinem Freund und Sternekoch Sören Anders. Der kocht mittlerweile in Karlsruhe - auch mit Senf-Spezialitäten aus Haiger.
Und wenn es die Zeit zulässt, dann vereist Meik Schönau. Immer im Gepäck ein paar Gläser Senf "made in Haiger". "Man kann ja nie wissen, wen man so trifft und vielleicht ergibt sich das eine oder andere Geschäft", meint Schönau und freut sich wie so oft, dass er alle Zweifler eines Besseren belehrt hat.











