Leonid Belz stammt aus Süd-Kasachstan und lebt mit seiner Familie - Ehefrau Oksana (34) und die Kinder Valentina (15) und Sergey (10) - seit 1994 in Mengerskirchen. "Ich bin gelernter Industriemechaniker, habe aber eine Allergie gegen Metalle entwickelt", erzählt Belz, der seit seiner Kindheit verschiedene Kampfsportarten betreibt. Er bildete sich zum Konstrukteur fort, doch auch in der Entwicklungstätigkeit musste er in die Betriebe und kam immer wieder mit den Allergenen in Kontakt. Was folgte, war wieder Arbeitslosigkeit. "Dann schlug mir der ARGE-Sachbearbeiter vor, mein Hobby zum Beruf zu machen." Leonid Belz ist Gründer, Trainer und Vorsitzender des "Kampfsportvereins Mengerskirchen", einer Abteilung des Sportvereins "Blau-Weiß" Mengerskirchen, ist in nationalen Wettkämpfen als Schiedsrichter tätig und arbeitet seit zehn Jahren als Trainer.
"Es macht mir richtig Spaß"
2006 errang Belz die Vizeweltmeisterschaft in seiner Kampfkunst "Chidao Kung Fu" - Glückwünsche kamen damals auch vom Landesbeauftragten der hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich. Er erinnerte daran, dass Leonid Belz 2002 erste Kontakte zum Programm "Integration durch Sport" geknüpft und eine Gruppe russlanddeutscher Spätaussiedler in Ausübung ihrer Kampfkunstsportart in den Verein integriert habe. Dass er jetzt mit seinem Sport auch sein Geld verdienen kann, macht Leonid Belz glücklich. "Natürlich lebe ich jetzt besser. Es macht mir richtig Spaß", so der Mengerskirchener, dessen Kampfsport- und Tai-Chi-Schule gut angenommen wird.
"Arbeit und Betriebsklima - alles ist perfekt", freut sich Bettina Roloff aus Obertiefenbach. Nach gut drei Jahren, in denen die 34-Jährige immer wieder Beschäftigungsunterbrechungen durch Arbeitslosigkeit hinnehmen musste, hat die Event- und Promotion-Managerin seit 1. Juli eine feste Stelle bei einer Wiesbadener Agentur - mit guten Aussichten auf dauerhafte Übernahme. Roloff ist studierte Europa-Management-Assitentin. Von 2002 bis 2005 war sie als Assistentin der Geschäftsleitung im Rhein-Main-Gebiet tätig, organisierte Konferenzen, Betriebsausflüge und -feiern. "Da habe ich gemerkt, dass mir Events absolut liegen." Sie wechselte in die Event-Branche, konnte dort aber nie dauerhaft Fuß fassen. Auch als Selbstständige klappte es "mehr schlecht als recht", so die 34-Jährige. Denn: Die Arbeit ist projektbezogen, das heißt, so lange das Projekt läuft, wird von 8 Uhr morgens bis tief in die Nacht gearbeitet. Ist das Projekt beendet, gibt es dann wieder nichts zu tun. "Wir haben ein Haus gekauft, das will jeden Monat bezahlt werden", benennt Roloff einen Grund für die Suche nach einer Festanstellung. Bei ihrem jetzigen Arbeitgeber fühle sie sich sehr wohl, noch nie habe sie erlebt, dass jemand motzt oder schreit. "Eigentlich unüblich für Agenturen", sagt Roloff und lacht. Sie hoffe, so betont sie, dass sie dort nie wieder weg müsse. Vor dem Arbeitsantritt in Wiesbaden hat sie an einer Maßnahme der Agentur für Arbeit in Frankfurt mit dem Titel "Einstieg in den Arbeitsmarkt Frankfurt" teilgenommen. "Das hat maßgeblich zu meinem Erfolg beigetragen."
Dass er nach fast 17 Jahren Arbeitslosigkeit noch einmal eine feste Stelle findet, damit hat Wilhelm Abels (55) nicht gerechnet. Seit Mitte Januar ist er Hausmeister im Autohaus Diefenbach in Waldbrunn-Fussingen. Ursprünglich hat der Hintermeilinger den Beruf des Uhrmachers erlernt, war danach zehn Jahre lang in der Elektronikbranche tätig. Nachdem er dort gekündigt hatte, machte er sich als Gastwirt selbstständig. "Das ist aber nicht gelaufen", so Abels. Auch eine Umschulung zum Zierpflanzengärtner 1993 brachte nicht die gewünschte Festanstellung. Was folgte, waren Praktika und Ein-Euro-Jobs, unter anderem bei der Gesellschaft für Ausbildung und Beschäftigung (GAB) in Limburg und im Rosengärtchen in Hadamar. "Ich habe etliche Bewerbungen geschrieben und bekam nur Absagen - 150 mindestens." Im Rahmen einer sechsmonatigen "Aktivierungsphase" mit der Arbeitsagentur absolvierte Abels im November 2009 ein vierwöchiges Praktikum als Hausmeister in dem Fussinger Autohaus - zur Zufriedenheit des Chefs, denn der stellte Abels zum 15. Januar an. Jetzt arbeitet Abels täglich von 8 bis 17 Uhr. Das sei erstmal eine Umstellung gewesen, so Abels, aber er sei sehr zufrieden. "Ich kann mir jetzt mehr leisten und es fließt auch wieder was in die Rentenkasse", freut sich der Hausmeister.











