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16.08.2010, 13:20 Uhr
Von Jörgen Linker

Haiger/Herborn/Driedorf/Eschenburg

Zurück in den Job, zurück zum Selbstbewusstsein


Ex-Arbeitslose berichten, wie sie wieder eine Stelle fanden


Haiger/Herborn/Driedorf/Eschenburg. Sie waren Monate oder Jahre arbeitslos, dann fanden sie zurück in einen Job. Betroffene berichten, wie ihnen das gelang und wie sich ihr Leben beziehungsweise ihr Lebensgefühl seitdem verändert hat.






Wieder hoffnungsvoll: Valeri Rosin hat einen Job als Lastwagenfahrer bei einem Haigerer Unternehmen. (Foto: K. Weber)zoomWieder hoffnungsvoll: Valeri Rosin hat einen Job a... | mittelhessen.de
Armin Ferber, 48, aus Driedorf: Er war seit Januar arbeitslos, zuvor hatte der Driedorfer 15 Jahre lang als Recycling-Fachkraft gearbeitet. Armin Ferber meldete sich bei der Arbeitsagentur und wartete auf ein Job-Angebot. Das dauerte ihm jedoch zu lange. "Und da ich gerne mit Holz arbeite, dachte ich mir: Ich versuche mich selbstständig zu machen mit einem Brennholzverkauf." Das war vor einem Monat. Betreut von der Arbeitsagentur ist Armin Ferber nun ein Existenzgründer. Er kauft Holzstämme ein, zerkleinert sie mit seinen Maschinen (Spalter und Säge), und verkauft das Brennholz. Zurzeit baue er sich einen Kundenstamm auf. Und er sagt: "Ich bin froh, dass ich wieder einer Arbeit nachgehen kann, ich war nie einer, der sich ausgeruht hat."






Sandy NuhnzoomSandy Nuhn | mittelhessen.de
Valeri Rosin, 23, aus Eschenburg: Er ist ungelernter Hilfsarbeiter, ein Jahr war er arbeitslos. Die Arbeitsagentur stufte ihn als "von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht" ein und unterstützte ihn bei seinem Lastwagen-Führerschein. Rosin hat seit Ende Juni einen Vertrag bei einer Dillenburger Zeitarbeitsfirma und arbeitet bei einem Haigerer Unternehmen als Lastwagenfahrer. Er fährt Ware in ganz Deutschland aus, Tagestouren zwischen 300 und 500 Kilometer. Und er hat die Hoffnung, dass er dort fest übernommen wird. Mit dem Job habe sich sein Leben verbessert, sagt er: "Es ist nicht mehr so eintönig. Ich kann nicht zuhause rumsitzen, dann ist das Leben so sinnlos." Außerdem habe er nicht mehr so ein schlechtes Gewissen, wie damals, als Arbeitsloser daheim. Und er fühle sich fitter.






Armin FerberzoomArmin Ferber | mittelhessen.de
Klaus Schreiner, 61, aus Haiger: Er arbeitete 28 Jahre als Elektromeister in einem Unternehmen. Dann wurde ihm betriebsbedingt gekündigt. Er jobbte bei einer Zeitarbeitsfirma, mit einer Festanstellung "hatte ich nicht mehr gerechnet". Schreiner ist 61 Jahre alt. Dann gab es einen "Glücksfall": Ein Unternehmen in Dietzhölztal suchte einen Elektromeister, hatte zuvor einen jungen, war aber offensichtlich nicht so zufrieden und wollte es dann mal mit einem alten, erfahrenen Meister versuchen. Mit diesem Wunsch meldete sich die Firma bei der Arbeitsagentur, und diese leitete die Stellenausschreibung an Klaus Schreiner weiter. Seit Anfang August hat der 61-Jährige nun wieder einen festen Job. Das sei ein gutes Gefühl, berichtet er.

Marco Simon, 32, aus Herborn: "Ich hatte 300 Bewerbungen geschrieben und schon fast die Hoffnungen aufgegeben", erzählt Marco Simon. Er ist gelernter Maler und Lackierer, arbeitete bis Juli 2009 als Fachkraft für Lagerlogistik. Dann war er ein Dreivierteljahr lang arbeitslos. Der Herborner schickte Bewerbungen bis nach Nürnberg und an den Bodensee; Problem dabei: Ohne Job gibt es keine Wohnung - es ist ein Teufelskreis. Dann hat er "Glück". Über Beziehungen bekommt er eine Stelle als Vermessungsgehilfe beim Amt für Bodenmanagement in Herbornseelbach, seit Mitte April arbeitet er dort. Und seitdem fühlt er sich wieder "ausgeglichener". Er sagt: "Dieses Lotterleben vorher war nichts für mich. Jetzt habe ich wieder eine Aufgabe, und ich komme nachmittags mit dem Gefühl nach Hause, dass ich etwas geschafft habe."

Sandy Nuhn, 29, aus Driedorf: Sie arbeitete als Sekretärin bei einem Automobilzulieferer. Bis Juli 2009. Dann machte sich die Wirtschaftskrise bemerkbar, die Firma hatte weniger Aufträge und musste sparen. Sandy Nuhn arbeitete noch fünf Monate in einer Auffanggesellschaft und war ab Januar 2010 arbeitslos. Bis zum 1. Juni. Dann gründete sie eine eigene Firma. Sie bietet einen Computer-Service an. "Ich habe mich schon immer gerne mit dem Computer beschäftigt und habe es dann einfach mal versucht", sagt die 29-Jährige. Sie hilft Menschen, die nicht mit ihrem PC klarkommen, erklärt, unter anderem, wie man im Internet sucht, Textverarbeitungsprogramme und E-Mail-Programme. Die neue Arbeit hat auch ihr Leben verändert: "Ich bin das Image ,arbeitslos zu sein los. Damit steht man anders vor den Leuten da." Es hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Und sie kann sie sich die Zeit mit ihrem dreijährigen Sohn besser einteilen.

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Dokument erstellt am 17.08.2010 um 13:23:21 Uhr
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