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30.08.2010, 10:48 Uhr
Von Klaus P. Andrießen

Wetzlar/Marburg

Wenn die Karriere nen Kick braucht


Coach oder Motivationstrainer?


Wetzlar/Marburg. Erfolg in Leben und Beruf versprechen ungezählte Motivationstrainer, Lebensberater und Seminaranbieter. Prominente Motivatoren wie Jürgen Höller lassen ihr Publikum über Scherben und glühende Kohlen laufen, um zu zeigen, was der Wille zum Erfolg erreichen kann. Manager gehen zu ihrem Karriere-Coach, damit sie auf der Leiter des Erfolges weiter nach oben steigen oder wenigstens mehr Zufriedenheit erreichen. Gibt es den Königsweg zur persönlichen Entwicklung?






Gross_sw-na.jpgzoomGross_sw-na.jpg | mittelhessen.de
"Es kommt darauf an, welches Ziel Sie erreichen wollen," sagt der Marburger Diplom-Kaufmann Peter-Paul Gross (siehe Kasten), der sich in seinen Forschungen mit dem deutschen Coaching-Markt beschäftigt. Gehe es um die Karriere oder ein klar umrissenes Lebensproblem, für das eine Lösung gesucht wird, könne ein kompetenter Coach gezielt helfen.

Anstoß für die persönliche Entwicklung oder gezielte Lösung von Problemen






"Sein Ich erkennen?, heißt eine Devise des holländischen Motivationstrainers Emile Ratelband, der dieses Motto gerne auch plastisch-drastisch demonstriert.(Foto: dpa)zoom"Sein Ich erkennen?, heißt eine Devise des holländ... | mittelhessen.de
Wolle man dagegen nur einmal über den eigenen Tellerrand blicken und neue Ideen für das eigene Leben entdecken, könnten Trainings und Fortbildungen allgemein durchaus Anstöße für die persönliche Weiterentwicklung liefern. "Tschaka-Tschaka-Motivationen appellieren allerdings in erster Linie an Gefühle und Affekte. Sie bieten ganz großes Kino und hinterlassen viel Euphorie. Wie das gute Gefühl sich in der folgenden Zeit auswirkt und ob es überhaupt länger anhält, ist aber kaum erforscht", sagt Gross.

Ganz billig sind solche Veranstaltungen nicht: Höller-Kollege Emil Ratelband nimmt für den Besuch seines nächsten "Motivationstages" im Februar bei Frankfurt 199 Euro.

Während sich Motivationstrainings immer in einer mehr oder minder großen Gruppe abspielen, handelt es sich beim Coaching (ursprünglich die englische Bezeichnung für den persönlichen Trainer von Sportlern) um eine Beratungssituation unter vier Augen: Coach und Coachee (so die Bezeichnung für den Kunden) suchen auf Augenhöhe Lösungen für das anstehende Problem. In einer repräsentativen Untersuchung des deutschen Coaching-Marktes hat Gross festgestellt, dass eine solche Beratung in der Regel 10 bis 20 Stunden dauert - bei einem Stundensatz von durchschnittlich 150 Euro.

Bis es so weit ist, sind allerdings einige Hürden zu überwinden, denn beim Coaching handelt sich laut Gross um ein "Erfahrungs- und Vertrauensgut": Erst nach dem Coaching weiß der Kunde, ob es sich für ihn gelohnt hat. Deshalb rät Gross, sich zunächst im Kollegen- und Freundeskreis nach Erfahrungen mit Coaches umzuhören. Zudem solle man einen Coach suchen, der sich in der eigenen Branche auskennt, wenn es um die Karriere gehe. Umfangreiche Listen von einschlägigen Anbietern gibt es im Internet.

Die Stiftung Warentest etwa empfiehlt das vom Coachingexperten Christopher Rauen betriebene Internet-Portal "www.coaching-report.de", das eine entsprechende Datenbank enthält.

Da die Berufsbezeichnung Coach nicht geschützt ist und es keine staatlichen Prüfungen der Qualifikationen gibt, hat Rauen für Coaching-Interessenten unter anderem folgende Tipps parat: Engagieren Sie niemals den erstbesten Coach, auch wenn Sie sein Angebot zunächst überzeugend finden. Vergleichen Sie immer mehrere Personen und Angebote. Fragen Sie nach einem Vorgespräch, dessen Kosten ggf. auf das Coaching angerechnet werden (oder sogar kostenlos ist) und lassen Sie sich die Vorgehensweise des Coachs erläutern. Kein Coach ist für jeden Anlass geeignet. Engagieren Sie niemanden, der behauptet, alle Probleme lösen zu können. Geben Sie sich nicht mit allgemeinen Behauptungen zufrieden ("Coaching kann man nicht beschreiben, sondern muss es erleben"). Verlangen Sie Fakten, z. B. in Form von Referenzen, Fallbeschreibungen und eigenen Veröffentlichungen. Lockangebote setzen oft auf den Effekt, es werde schon was bringen - ohne zu erklären, was dies konkret ist. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Engagieren Sie keinen Coach, wenn Sie ihn nicht mögen oder die Beziehung nicht stimmt.

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Dokument erstellt am 31.08.2010 um 10:51:12 Uhr
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