"Gott sei Dank" funktioniere die Schuldnerberatung außerhalb des Fernsehens nicht wie bei Zwegat, sagt May. Notlagen drastisch herausstellen, Schuldner der Peinlichkeit aussetzen, mit der Kamera zum Gläubiger - seine Klienten würden das ablehnen, ist er sicher. May: "Vertraulichkeit und Verschwiegenheit sind das A und O." Niemand sei erpicht darauf, zu sagen: "Ich kann nicht mehr und brauche Hilfe."
Der Kampf gegen den Verlust des Eigenheims nach weniger als einem Jahr gewonnen
"Besser leben!" hält May für eine passende Überschrift für seine Schuldnerberatung. Die Chance auf ein besseres Leben haben der "Retter in der Finanznot" und seine neun Kollegen 2009 1211 Menschen durch Kurz- und Langzeitberatungen gegeben. Im Bezirk sind 10 166 Personen über 17 überschuldet. Gerade kämpft May für eine vierköpfige Familie. Ihrem Haus droht die Zwangsversteigerung. Die Haushaltsanalyse deckte auf: Üppige 3000 Euro Einkommen, doch nach Abzug aller Fixkosten bleibt unter dem Strich ein Minus von 13 Euro. Essen und trinken von nichts? Der Weg in die Schuldenfalle war vorgezeichnet, die Familie stand mit dem Rücken zur Wand. Ein Dreivierteljahr später ist es dem Schuldnerberater gelungen, durch Kreditumschichtung und Versicherungskündigungen den Haushaltsrest auf 720 Euro zu erhöhen. Auch die Zwangsversteigerung soll bald vom Tisch sein. Die Familie atmet auf.
Ein typischer Fall. Kamen vor Jahren eher die Menschen in die Schuldnerberatung, bei denen "das Kind bereits in den Brunnen gefallen war", so stellt May heute bei Klienten vielfach Verblüffung darüber fest, dass trotz guten Einkommens nach Abzug aller Raten und Kosten nichts mehr zum Leben übrig bleibt. Eine Ursache für den Experten: schleichender Einkommensverlust. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung ist das Arbeitnehmereinkommen zwischen 2000 und 2008 um elf Prozent gesunken. May: "Wir korrigieren, was auf dem Markt falsch läuft."
Jeder Schuldner versuche zunächst, seine Probleme allein in den Griff zu kriegen. Jeder dritte Klient erscheine, wenn er erkennt: "Hier läuft etwas schief, ich muss etwas ändern." Ein weiteres Drittel werde aktiv, wenn das Konto gesperrt ist oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht. May: "Die übrigen kommen, wenn nichts mehr geht."
"5 vor 12" war es neulich an einem Freitagmittag. Das heillos überzogene Konto war gesperrt, eine Familie stand ohne einen Cent vor dem Wochenende. Dann gehört "Klappern" für May ähnlich wie für Zwegat zum Geschäft: In letzter Sekunde gelang es dem Schuldnerberater, den Arbeitgeber des Familienvaters zu 500 Euro Vorschusszahlung zu bewegen. "Arbeitgeber sind oft in Ordnung", sagt May, "einige schicken ihre Leute sogar zu uns."Erleichterung verschaffen und Motivation stärken sind Ziele im Erstgespräch. May: "Wenn man dem Klienten sofort den steinigen Weg aus den Schulden erklärt, kommt er womöglich nicht wieder und steigt auf zweifelhafte Angebote ein." Schnell geklärt werden müsse, ob eine Krisenintervention nötig ist, etwa der Antrag auf Kontofreistellung.
Das "Modell Zwegat" gefällt May und vielen seiner Berufskollegen aus einem weiteren Grund nicht: Der TV-Schuldnerberater halte nichts von der Verbraucherinsolvenz. May dagegen ist dankbar für das Instrument - "die Lösung für hoffnungslose Fälle", die zuvor auf ewig zum Leben unter der Pfändungsgrenze verdammt waren. Zwegat versuche stattdessen, Geld bei Verwandten und Freunden einzutreiben, um Gläubiger zu besänftigen. "Im Ergebnis sind die Menschen anschließend nicht schuldenfrei, sondern haben Schulden bei anderen. Bei Freunden und Verwandten ist das aber noch viel peinlicher", kritisiert May.
So unangenehm es auch sei, wenn die Gläubiger auf der Matte stehen, sie seien "keine schlechten Menschen", sagt May: "Sie wollen ihr Geld, das verstehen wir." Wenn erst einmal die eidesstattliche Versicherung abgegeben wurde, sei "die Sache gelaufen". Dann stelle sich in der Tat die Frage: Gibt es Verwandte, die aus der Patsche helfen können? Kann man mit den Gläubigern einen Deal aushandeln? Seit der Verbraucherinsolvenz seien sie geneigter zum Vergleich. Verständlich, denn wo nichts mehr zu holen ist, droht der Gläubiger leer auszugehen. Trotzdem: "Unter 20, 25 Prozent der Schuldensumme geht da nichts", weiß May. Bei Angeboten darüber hinaus ließen viele Gläubiger mit sich reden.
Statt Fanpost: Dankbare Ex-Klienten grüßen auf der Straße
Langzeitstudien bescheinigen der Verbraucherinsolvenz laut May Erfolg. Über 90 Prozent der Betroffenen kämen anschließend gut allein zurecht. Nur acht Prozent hätten weiter deutlichen Beratungsbedarf. "Vielleicht die acht Prozent hedonistischer Konsumenten, die die Statistik ausweist", mutmaßt der Schuldnerberater. Die Voraussetzung für ein besseres Leben könne mit der Beratung geschaffen werden. Glück aber müsse jeder auf seine Weise finden. Fanpost wie Zwegat erhält May nicht, trotzdem seien die Ex-Klienten dankbar. May macht das an "den freundlichen Grüßen auf der Straße" fest.









