Erna Zimmermann freut sich auf ihre wöchentliche Gymnastikstunde. Sie sagt: "Endlich geht es wieder los! Ich weiß, dass die anderen Teilnehmerinnen genauso denken. Ohne die wöchentliche Gymnastikstunde würde mir etwas fehlen. Die Bewegung tut mir einfach gut."
Die Gymnastikgruppe in Niedershausen wird im Oktober 33 Jahre alt. 1977 aus einer größeren altersübergreifenden Gruppe hervorgegangen, lautete das Ziel von Beginn an, ein Programm anzubieten, das auf die körperlichen Voraussetzungen speziell der älteren Teilnehmerinnen zugeschnitten ist. 35 Frauen wechselten damals sofort zu den "Oldies". Heute besteht die Gruppe aus zwölf bis 18 Personen.
Viele der Gründungsmitglieder sind heute noch heute dabei, zum Beispiel die langjährige Übungsleiterin Else Stahl. Sie ist inzwischen 83 Jahre alt. Die Leitung der Gruppe hat sie vor drei Jahren in jüngere Hände gegeben.
Seit 2007 hält Gaby Groß die Frauen auf Trab. Aus der Hausfrauengymnastik von 1977 ist inzwischen eine moderne Seniorinnengymnastik geworden.
Gaby Groß ist vom Engagement der Teilnehmerinnen begeistert: "Die sind alle ziemlich fit." Erna Zimmermann pflichtet ihr bei: "Natürlich spielt auch das Gesellige eine Rolle. Aber wir kommen nicht zum Schwätzchen halten in die Gymnastikstunde. Wir schaffen richtig was."
Altersbedingt legt Gaby Groß die Schwerpunkte der Trainingsarbeit nicht mehr auf allgemeine Ausdauer, sondern auf die Kräftigung der Muskulatur und auf die Erhaltung der Beweglichkeit.
Der Puls steigt, aber nicht zu stark
Die Übungsleiterin erklärt: "Frauen in diesem Alter kann ich nicht mehr 60 Minuten lang laufen und springen lassen. Zum Aufwärmen laufen wir zwar noch und zur Koordinationsförderung gibt es Ballspiele. Ansonsten arbeite ich viel mit Handgeräten, beispielsweise mit Keulen, mit Bällen oder mit dem Fitnessband. Das ist nicht ganz so anstrengend wie das Laufen oder das Springen." Gaby Groß fährt fort: "Der Puls soll sich während der Übungen schon erhöhen, aber nicht so, dass starkes Herzklopfen einsetzt oder die Frauen in Atemnot geraten. Das wäre fatal."
Die Trainerin bezieht auch Elemente aus dem Step-Aerobic in ihr Programm ein, beispielsweise kleine Schrittfolgen, die zum Rhythmus der Musik nachgemacht werden müssen. "Das macht den Teilnehmerinnen Spaß, bringt den Körper in Puls und fördert die Beweglichkeit. Der Rhythmus gibt die Frequenz vor, das ist motivierender, als wenn jemand Kommandos geben müsste", sagt Gaby Groß. Andererseits müssen sich die Frauen beim Training konzentrieren, um die Übungen richtig auszuführen. "Das ist sozusagen etwas sowohl für den Körper als auch für den Geist."
Auch für die Seele hat Gaby Groß etwas zu bieten. Zum Beispiel eine entspannende Geschichte während einer Dehn- und Ruhephase.
Erna Zimmermann gefällt, wie abwechslungsreich die Übungsleiterin das Training gestaltet. Für Übungen mit dem Fitnessband scheint der Vorrat an Variationen unerschöpflich zu sein.
Der Rücken wird wieder locker
Besonders gut gefällt der 75-Jährigen die Bodengymnastik auf den Matten. "Das ist sehr schön. Der Körper wird einmal in der Woche richtig gedehnt, und das tut meinem Rücken gut. Heutzutage hat ja jeder etwas mit dem Rücken. Manchmal denke ich, dass ich heute tagsüber wieder solche Schmerzen gehabt habe. Aber wenn ich von der Gymnastik komme, fühle ich mich wieder locker und leicht."
Fordern, aber nicht überfordern, lautet einer der Grundsätze von Gaby Groß. "Wer eine Übung nicht ausführen kann, weil dabei die Knie oder andere Körperteile zu stark belastet werden, setzt dann einfach aus", erläutert sie. "Bei uns kann jeder mitmachen", sagt die Übungsleiterin, "Neulinge müssen sich vielleicht aber etwas mehr konzentrieren als die Erfahreneren, um die Übungen richtig auszuführen."
Als Neuling ist auch Erna Zimmermanns Schwester Ella Zipp eines Tages zur Gruppe gestoßen. Erna Zimmermann erinnert sich: "Meine Schwester hat sich nie so recht getraut, ist dann ein paar Mal mitgekommen und heute mit großer Begeisterung dabei." Sie überlegt: "Es gibt Leute in meinem Alter, die gehen überhaupt nicht mehr aus dem Haus."
Auch Übungsleiterin Gaby Groß ist sich dessen bewusst, dass die wöchentliche Gymnastikstunde auch eine soziale Seite hat: "Wir kommen nicht nur zum Arbeiten in die Turnhalle, sondern wir wollen auch lachen. Für eine Unterhaltung muss immer etwas Raum sein." Der Besuch der wöchentlichen Gymnastikstunde hat also nicht nur etwas mit Fitness, sondern auch mit dem Gewinn von Lebensqualität zu tun - damit, besser zu leben.





