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24.08.2010, 10:54 Uhr
Von Lothar Rühl

Solms-Burgsolms

"Der Alkohol bietet kein besseres Leben"


Mein Haus, mein Auto, mein Boot - Gerd Hirschfeld hat alles verloren


Solms-Burgsolms. "Mein Haus, mein Auto, mein Boot " Dieser bekannte Werbespot eines deutschen Kreditinstituts hat auch das Leben von Gerd Hirschfeld (Burgsolms) einst geprägt. "Das alles konnte ich auch vorweisen", so der 62-Jährige. Sein gutes Leben wurde aber zerstört durch den Alkohol. Haus, Auto, Familie und Motorboot - sein besseres Leben - sind weg.






Der 62-jährige Gerd Hirschfeld hat sich vom Alkohol abgewandt und freut sich, dass er seinen Alltag ohne Bier und Schnaps bewältigt und sich dabei gut fühlt.(Foto: Rühl)zoomDer 62-jährige Gerd Hirschfeld hat sich vom Alkoho... | mittelhessen.de
Aufgewachsen ist der 1948 geborene Gerd Hirschfeld in Katzenfurt. Nach der Konfirmation mit zwölf Jahren begann für ihn der Berufsalltag. Als er seinen ersten Tag auf dem Bau hinter sich gebracht hatte, bekam er als Belobigung seine erste Flasche Bier. Bei einem Onkel lernte er den Beruf des Malers. Die Meisterprüfung schloss er an. Es gehörte für ihn viele Jahre dazu, täglich drei oder vier Flaschen Bier zu leeren.

Gerd Hirschfeld heiratete und hatte zusammen mit seiner Frau einen Adoptivsohn. 30 Jahre arbeitete er als Verkäufer in einem Gießener Unternehmen. Als die Firma geschlossen wurde, fand er Arbeit in einem anderen Betrieb.

Im Jahr 2002 erkrankte Hirschfeld so schwer an Arthrose, einer Knochenkrankheit, dass er die Arbeit aufgeben musste. Auch eine ABM-Maßnahme konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht verrichten. Die Arbeitsunfähigkeitsrente hat er zwar erhalten. Doch davon konnte er Haus, Auto und Motorboot nicht halten. Dazu kam, dass ihn die gesamte Situation so belastete, dass er das tägliche Pensum von Bier und Schnaps erhöhte. Bis zu einem Kasten Bier hat er pro Tag geleert.

Montagmorgens kurz vor 8 Uhr war er meist vor dem Aldi zu finden, wo er wartete, dass sich die Türen öffneten und er Nachschub kaufen konnte. "Der Alkohol bietet kein besseres Leben", so Hirschfeld im Rückblick. Täglich war er damit beschäftigt, Alkohol zu besorgen und zu trinken. Alles andere wurde unwichtig. "Alkohol löscht das Denken aus", meint der 62-Jährige, der heute "trocken" lebt. Während des Trinkens drehe sich nichts mehr um das eigentliche Leben. Es werde egal, was man anzieht und wie man in der Öffentlichkeit herumläuft. Der Suff habe alles zerstört, auch den Freundeskreis.

Der Hausarzt, ein Nachbar und der Glaube halfen, die schwere Krise zu bewältigen

2003 musste er sein Wohnhaus in Hirschhausen verkaufen und zog zurück zu seiner Mutter in Katzenfurt, die er bis zu ihrem Tod zwei Jahre pflegte. Hirschfeld ist geschieden. Ein Auto oder gar ein Motorboot kann er sich nicht mehr leisten.

Hilfe fand er in der Zeit, als er ganz unten war, bei Christen. Eine wichtige Rolle übernahm sein Hausarzt. Er nahm sich Zeit für Hirschfeld. "Am Ende eines langen Gesprächs mit meinem Arzt war mir klar, dass ich nicht alleine aus der Sucht herauskomme. Ich brauche die Hilfe Gottes", erklärte der drahtige Rentner. Das war 2005. Drei Jahre lang hatte Hirschfeld nichts anderes im Sinn gehabt, als seinen Kummer im Alkohol zu ertränken. Das Gespräch mit dem Hausarzt wurde zu einer Lebenswende. Hirschfeld begann zu beten. "Ich habe dem Herrn Jesus gesagt, wie es um mich steht und dass es so nicht weitergehen kann." Von diesem Tag an hat Hirschfeld keinen Alkohol mehr angerührt. Zunächst sei das eine sehr harte Zeit gewesen. Den Entzug habe er zuhause durchgeführt. Dabei begleitet hat ihn sein Arzt, der täglich nach ihm schaute. Etwa alle zwei Stunden habe er schwere Entzugserscheinungen gehabt, die er heute als "Anfälle" bezeichnet. Seine Mutter habe über viele Jahre für ihn gebetet. Als er Christ geworden und sich vom Alkohol abgewandt hatte, habe sie gesagt: "Jetzt kann ich ruhig einschlafen." Vier Wochen später starb seine Mutter.In den schweren Stunden war es wiederum ein Christ, der ihm beigestanden hat. Sein damaliger Nachbar Christoph Zörb, derzeit Pressesprecher im Hessischen Umweltministerium und künftig Wahlkampfleiter der CDU in Rheinland-Pfalz, nahm sich Zeit und ging einfühlsam auf ihn ein. Auch am Weihnachtsfest habe der Nachbar ihn nicht allein gelassen.

Auf dem Ochsenfest in Wetzlar traf Hirschfeld einen alten Freund aus Jugendjahren. Der hat ihm eine kleine Wohnung in Burgsolms vermietet. Als vor drei Jahren in Burgsolms eine Ortsgruppe des Suchthilfeverbandes Blaues Kreuz gegründet wurde, gehörte Hirschfeld zu den ersten Besuchern. In der Gruppe findet er Halt, Verständnis, Solidarität. Jeden Freitagabend ab 19.30 Uhr trifft sich das Blaue Kreuz Burgsolms in den Räumen der Christlichen Gemeinde (Burgsolmser Straße 16). Auch für Angehörige von Alkoholkranken bietet die Gruppe um Klaus Peter Brückner (Steindorf) monatlich einen Austausch. Zudem gibt es zahlreiche gesellige Unternehmungen, die alle alkoholfrei gestaltet werden. Sommerfeste, Weihnachtsfeiern, Kegeln und Ausflüge helfen, das Leben als trockener Alkoholiker zu gestalten. Kontakt: (06441) 22434 oder (06473) 2437.

In der Christlichen Gemeinde Burgsolms ist Gerd Hirschfeld Mitglied geworden, hat dort "Heimat und Gemeinschaft" gefunden. Gemeindemitglieder helfen ihm bei Problemen. Jeden Mittwoch ist Hirschfeld in der Bibelstunde und sonntags im Gottesdienst zu finden. Seit er nicht mehr am Alkohol hänge, habe er viel Zeit. Seine Lebensqualität habe sich merklich verbessert, ja gänzlich verändert. Seit Oktober 2005 habe er keinen Tropfen Alkohol mehr zu sich genommen. "Dass es mir heute wieder so gut geht, das alles hat Jesus für mich getan", resümiert der Rentner.

Sein Leben ist alles andere als rosig, musste er doch Privatinsolvenz anmelden. Er lebt in einer bescheidenen kleinen Kellerwohnung. Und doch findet er nach den schweren Jahren der Alkoholabhängigkeit und vielen Tiefpunkten im Leben, dass er jetzt ein "freier, ein glücklicher Mensch" ist.

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Dokument erstellt am 25.08.2010 um 10:56:08 Uhr
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