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05.09.2010, 00:01 Uhr

Time to say goodbye







Time to say goodbyezoomTime to say goodbye | mittelhessen.de
Da wären wir also. Die vier Wochen meiner Existenz als "Besser-Bloggerin" sind vorbei und es heißt Abschied nehmen. Warum kehren wir nicht dahin zurück, wo alles begonnen hat, sozusagen? Auf den Balkon? (Warum kehren wir da nicht mal, Nadja, fragt mich eine Stimme, die sowohl Mrs. Optimierungswahn wie auch meiner Mutter gehören könnte...) Während ich endlich meine arme Rose umtopfe, ist Zeit, zurückzublicken.

Ich war clever genug, mir kein konkretes Ziel zu setzen (ich weiß, zu welcher Häme meine Kollegen imstande sind!). Im Zweifel wollte ich gewappnet sein und mich unter dem Stichwort "experimenteller Charakter" rausreden können.  Dennoch muss ich mich natürlich fragen, oder doch zumindest fragen lassen: was ist geschafft? Na hören Sie mal, werde ich antworten. Mit einem dicken Ausrufezeichen in der Stimme. Immerhin habe ich mich einer Grobkörperfalle gestellt, einen Berg Bügelwäsche bezwungen oder nahezu furchtlos in neuen Töpfen gekocht. Von meinem Tassenbaum ganz zu schweigen!

Ich war Ratschlägen und Ratgebern aller Art gegenüber offen, habe Bücher gewälzt und faszinierende Erkenntnisse mit Ihnen geteilt. Wir wissen jetzt, dass die Welt ein chaotischer Prozess ist, Heinzelmännchen und nicht Kobolde für Ordnung sorgen, Entrümpeln mit Verpflegung besser funktioniert und Arthur Schnitzler ein Genie und deshalb wahrscheinlich auch chaotisch war.

By the way: Bei den Höllententakeln meiner Badezimmerpflanze könnte es sich um Luftwurzeln handeln, teilte mir eine Freundin, ihres Zeichens Biologin, auf Verdacht aus der Ferne mit. Und wer ganz aufmerksam bei der Sache war, beherrscht jetzt sogar den Satz "Saugen Sie keine Flüssigkeiten auf" in holländischer Sprache.

Heute habe ich übrigens noch rasch das Bett frisch bezogen (immer ein Akt der Katharsis, wenn man krank war, wie ich finde), die geschredderten Papiere in die Altpapier-Tonne befördert und Wäsche gewaschen. Erinnern Sie mich bitte nicht daran, dass ein Teil davon sich binnen kürzester Zeit in neue Bügelwäsche verwandelt haben wird... Und falls Sie daran gezweifelt haben sollten: Jawohl, die Maschine ist dicht, ich habe die Grobkörperfalle sehr ordentlich (!) wieder eingebaut!

Nun werde ich noch die Astern einpflanzen, die meine Freundin mir mitgebracht hat und meinen Balkon herbstfit machen. Der wird in nächster Zeit noch gebraucht. In den Gärten ringsum fallen bereits die Blätter und meine Sonnenblumen weigern sich strikt, noch aufzublühen. Meine beste Freundin in Amerika, die mit zwei Wochen Vorlauf die zuverlässigste Wettervorhersage ist, die ich kenne, hat zwar vor einigen Tagen von einer letzten Hitzewelle gesprochen, aber das war es dann wohl mit dem Sommer.

Außerdem bin ich wild entschlossen, mich demnächst in meine "Kammer des Schreckens" zu wagen. "Aussortierung – Vorsortierung – Feinsortierung – Einsortierung", Sie wissen schon. (Schade, dass Sie daran nicht mehr teilhaben werden, hm?) Von einer Bekannten kam übrigens noch ein Tipp, den ich in diesem Zusammenhang auch ganz prima finde: Alles unter dem Gesichtspunkt eines Umzugs betrachten. Was man nicht mit ins neue Heim nehmen würde – weg damit!

Wer sich von diesem Blog den ultimativen Plan erhofft hat, dürfte spätestens an dieser Stelle ultimativ enttäuscht sein. Tut mir leid, liebe Leserinnen und Leser. Wäre ich auf den Stein der Ordnungsweisen gestoßen, ich hätte Ihnen davon berichtet. Aber jeder muss wohl seinen Weg finden. Was auch immer das Ziel ist. Meine Freundin Ingrid ist jedenfalls der festen Überzeugung, es sei eine Illusion, anzunehmen, dass man sein Chaos wirklich in den Griff bekommen könne. "Wenn wir kein Chaos mehr haben, haben wir auch kein Leben mehr", sagt sie. Und hat irgendwie recht.

Danke, dass Sie an meiner Seite waren, liebe Leserinnen und Leser. Viel Glück, sollten Sie auch mit einem Chaos-Teufel zu kämpfen haben. Oder mit anderen Dingen in Ihrem Leben. Bloß nicht aufgeben! Und weil ich sowieso keinen perfekten Schluss-Satz hinkriege, verabschiede ich mich einfach mit dem Worten des Fußballers Junior Baiano: "Raus, links, Mitte, rechts. Und tschüs."!

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 04.09.2010 um 20:44:14 Uhr
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