Herr Röcken, Sie bringen Ihren Schülern nicht nur das Tanzen bei, sondern auch Umgangsformen für jeden Tag. Warum?
Peter Röcken: Ich finde es wichtig, sich gut benehmen zu können. Es gibt bei uns schließlich gesellschaftliche Regeln und wenn man die beherrscht, hat man es einfacher im Leben.
Nennen Sie doch mal ein paar Spielregeln!
Röcken: Bei den Spielregeln des Tanzens gibt es zum Beispiel die berühmten vier Verbeugungen. Die erste Verbeugung macht der Mann beim Auffordern, die zweite beim Einnehmen der Tanzhaltung, die dritte, wenn der Tanz zu Ende ist und die vierte macht der Mann, wenn er seine Partnerin wieder zum Platz zurückgebracht hat. Habe ich am Anfang keinen Blickkontakt, also steht die Dame mit dem Rücken zu mir, sage ich vorher "Darf ich bitten". Aber auch dann folgen alle vier Verbeugungen.
Und das machen auch alle? So viele Verbeugungen?
Röcken (lacht): Ja, da hat es noch nie Probleme gegeben. Die jungen Leute finden das normal.
Sie gehen davon aus, dass der Herr die Dame auffordert. Geht es denn auch anders herum?
Röcken: Das ist inzwischen auch möglich. Früher durfte die Dame einen Herrn nur bei der Damenwahl auffordern. Seit den 80er Jahren, im Zuge der Emanzpation, hat sich aber einiges gelockert. Seitdem kann eine Dame einen Herrn auch einfach so auffordern, allerdings mit einer Einschrändung: Es muss ein ihr bekannter Herr sein.
Warum?
Röcken: Da geht es, ganz flapsig gesagt, um das Thema Anmache. Diesen Beigeschmack sollte eine Aufforderung nicht haben.
Aber man kann ja einander vorgestellt werden. Lernt man das bei Ihnen auch?
Röcken: Selbstverständlich. Das Vorstellen ist wichtig, nicht nur beim Tanzen, auch im privaten und beruflichen Bereich. An dem Vorstellungsritual hat sich nichts geändert: Der Herr wird - vom Gastgeber - zuerst der Dame vorgestellt, der Jüngere dem Älteren; das ist die richtige Reihenfolge.
Und wenn kein Gastgeber da ist?
Röcken: Dann stellt sich der Herr zuerst der Dame vor, dann die Dame dem Herren.
Und dann gebe ich dem Vorgestellten einfach die Hand?
Röcken: Vorsicht: Nur die Dame reicht dem Herrn die Hand, nicht umgekehrt. Viele Herren sind da immer etwas voreilig.
Warum die Dame zuerst?
Röcken: Die Dame soll entscheiden, ob sie das will oder nicht.
Beim Abschlussball gibt es sicher noch mehr Regeln, Kleidung, Blumen ...
Röcken: Die Blumen werden grundsätzlich ausgepackt überreicht - und das nicht nur beim Abschlussball. Dann sollten Männer wie Frauen Ballkleidung tragen, schließlich heißt die Veranstaltung auch Abschlussball. Die Männer kommen natürlich im Anzug, ob Fliege oder Krawatte können sie selbst entscheiden. Wichtig ist, dass das Sakko der Männer beim Tanzen geschlossen ist, sonst laufen sie mit wehenden Fahnen über die Tanzfläche. Beim Schließen macht man nur einen Knopf zu, bei Dreierkombis nimmt man den mittleren Knopf. Für Frauen sind lange Kleider nicht mehr angesagt. Das war mal modern, aber jetzt ziehen Frauen kurze Kleider an, meist mit Spaghettiträgern, das Knie natürlich bedeckt.
Auf was muss ich bei meiner Sitzhaltung achten?
Röcken: Grundsätzlich gilt beim Sitzen für Männer wie Frauen: die Füße geschlossen halten. Frauen können auch gerne die Beine übereinanderschlagen. Hauptsache, man sitzt nicht breitbeinig auf dem Stuhl. Die Männer dürfen, wenn sie sich setzen, natürlich das Sakko öffnen.
Reicht man einer Dame heute noch den Arm, wenn man sie zur Tanzfläche führt, oder ist das altmodisch?
Röcken: Es gibt ein Sprichwort, das gilt noch immer: ,Der Älteren reiche den Arm galant, weil sie es von jeher so gekannt. Natürlich wird auch einer jüngeren Dame heute noch der Arm gereicht. Einzige Ausnahme: bei schmalen Gängen. Dann sollte der Herr darauf achten, dass er hinter der Dame geht.
Wie kommen diese gesellschaftlichen Spielregeln bei den jungen Menschen in ihrer Tanzschule an?
Röcken: Die Jugendlichen haben ein gutes Gespür dafür, wie man sich höflich bewegt. Vieles bekommen sie schon im Elternhaus mit auf den Weg.
Lebt man besser, wenn man diese Spielregeln beherrscht?
Röcken: Es gibt nichts schlimmeres als unhöfliche Menschen. Mit guten Umgangsformen kommt man im Beruf weiter, ist für Veranstaltungen bestens gerüstet. Man lebt einfach besser mit Stil.













