Dass sie in einem solch geschichtsträchtigen Gebäude wohnen würden, war zunächst nicht geplant, erinnert sich Alois Jeuck. "Wir haben eine Wohnung gesucht und waren eigentlich auch schon fündig geworden." Allerdings klappte es mit dem schnellen Umzug dann doch nicht. "Und dann erzählte mein Vater, dass der alte Bahnhof zu verkaufen ist", so Jeuck.
Nachdem der Verkehr auf der alten Kerkerbach-Bahnstrecke Ende der 50er Jahre eingestellt worden war, machte auch ein Bahnhofsgebäude keinen Sinn mehr. Aus dem Bahnhof in Fussingen - baugleich mit dem in Waldernbach - wurde eine Pension, wurden für die vielen Kurgäste im Luftkurort Fussingen doch viele Betten benötigt.
Die aus Mauritius stammende Rouchana und der gebürtige Fussinger Alois schauten sich das 63 Quadratmeter große Häuschen an - und waren sofort begeistert. "Ich habe die große Wiese und die alten Obstbäume gesehen - einfach toll", erinnert sich die Hobby-Gärtnerin und begeisterte Köchin Rouchana. Weiterer Vorteil war, dass die jungen Eheleute gleich einziehen konnten, denn Sohn Muneer (heute 20) war unterwegs. "Als wir kurz vor Weihnachten eingezogen sind, waren Schlafzimmer, Bad und Küche fertig, nur das nötigste." Es sei klar gewesen, dass das Häuschen nach und nach umzubauen ist. Von der Wartehalle mit der drei Meter hohen Decke und dem Bahnschalter sei zwar nichts mehr zu sehen gewesen, aber weil das Haus als Pension diente, gab es viele Zimmer mit Waschbecken.
Mit der Geburt von Ismael 1992 und Kamal 1995 brauchten Jeucks mehr Kinderzimmer. Und weil häufig Freunde zu Gast sind, wurden auch Gästezimmer nötig. Beim Umbau habe es immer mal wieder Überraschungen gegeben, erinnert sich Alois Jeuck, vor allem, was die Bausubstanz angeht - beispielsweise morsche Balken im Fachwerk.
"Fahrradfahrer halten manchmal an und fotografieren unser Haus"
Heute ziert das mittlerweile 130 Quadratmeter große Haus ein schmucker Wintergarten mit angrenzender Terrasse, von wo aus die Familie den Blick in den Taunus genießen kann. Aus der alten Kerkerbach-Bahnstrecke ist übrigens ein Radweg geworden: Der R8, der von Frankenberg nach Heppenheim führt, liegt am Haus der Jeucks. "Fahrradfahrer halten manchmal an und fotografieren unser Haus", erzählt Alois Jeuck. Vor allem Rouchanas Hochbeet interessiert die Menschen. Dort pflanzt sie alles an, was sie in der Küche braucht: Koriander, Schnittlauch, Knoblauch, Peperoni, Oregano, Thymian und Süßkartoffeln. In der mauritianischen Küche finden diese häufig Verwendung, erklärt die Hobby-Köchin, die sich in ihrem Westerwälder Bahnhof richtig wohl fühlt.Richtig wohl fühlen - das beschreibt auch das Wohngefühl der sechsköpfigen Familie Sartorius in Weilburg-Drommershausen. 1990 hat Udo Sartorius das kleine Schmuckstück in dem Weilburger Ortsteil auf der Anzeigenseite des Weilburger Tageblatts entdeckt, allerdings war das Haus damals noch "mit Eternit beschlagen und total kaputt", so Sartorius. "Keiner wollte es haben", erinnert sich der grüne Stadtparlamentarier. Doch der heute 48-Jährige sah das Potenzial und schlug zu: "Ich hatte zwar vom Bauen keine Ahnung, wollte einfach nur nicht mehr zur Miete wohnen", erinnert er sich. "Und ich wollte etwas Gewachsenes, etwas mit Charme, mit Flair."
Sartorius krempelte die Ärmel hoch, arbeitete sich 15 Jahre lang Raum für Raum vor, holte die alte Fachwerkfassade wieder zum Vorschein und experimentierte mit Lehm. Nebenbei arbeitete er noch Vollzeit als Ingenieur unter anderem beim Regierungspräsidium und gründete schließlich seine Familie. Ehefrau Patricia und die Kinder Elias (17), Janina (8), Dorian (6) und Simeon (3) lieben ihr Zuhause.
Kein Wunder: Das kleine Häuschen mit einer alten und einer neuen Küche, sieben Zimmern, einem Bad, einem Büro und einer Gästetoilette auf insgesamt 160 Quadratmetern hat der Papa schließlich mit viel Liebe zum Detail hergerichtet: So stammt die zweigeteilte Tür zwischen Scheune und Küche aus dem 17. Jahrhundert, die Fenster im oberen Stockwerk des Hauses, das im 18. Jahrhundert erbaut worden ist, hat Sartorius teilweise erhalten und zu Kastenfenstern umgearbeitet, wegen der Isolierung. Die doppelflügelige Haustür ist im Denkmalbuch eingetragen und der Donnerbalken steht als Schmuckstück im Garten.
Die Steine auf dem Boden der früheren Scheune und der alten Küche sind noch die ursprünglichen, fehlende hat Sartorius ergänzt. Apropos alte Küche: Sie ist das Herzstück des Hauses: Ein alter Herd, mit Holz zu befeuern, steht an der Wand und funktioniert noch. Daneben ein so geannter Topfbaum, gegenüber ein alter Kanonenofen, der an kalten Wintertagen angeworfen wird.
Udo Sartorius kann sich nicht vorstellen, besser zu wohnen. "Es hat einfach Flair, außerdem haben wir durch die Lehmbauweise ein wunderbares Rauminnenklima, sind prima isoliert." Nicht zu vergessen, dass der Grünen-Politiker mit der Lehmbauweise auch etwas für sein ökologisches Gewissen getan hat. Sartorius: "Im Gegensatz zum Leichtbetonstein haben wir mit dem Lehm bei unserem Haus etwa 15 Tonnen Kohlendioxyd eingespart." Inzwischen ist der Umwelttechniker Spezialist auf dem Gebiet Lehmbau und hat sich als Ingenieur selbstständig gemacht. Sein Büro? Die alte Scheune, von der er einen ausgezeichneten Blick auf den kleinen Garten mit Lilien und Johannisbeeren hat.








Kommentare (3)


tja, siehste mal (;