Ruhig und im Sonnenlicht liegt Breidenbach mit seinem schiefen Kirchturm an diesem Morgen im Tal. Bewaldete Hügel so weit das Auge reicht. Ein Bussard dreht seine Kreise, der Schornstein eines Industriebetriebs raucht. Harald Häusers Atelier bietet einen Blick auf diese Idylle. Bilder und Farbtiegel, Pinsel und Rollen zeugen von Arbeitsprozessen. Häuser macht deutlich: "Hier ist der Ort, wo ich am besten arbeiten kann." Das Zentrum seines Schaffens. Ausgangspunkt für viele Reisen und Ziel zugleich.
Um seinen Beruf ausüben zu können, braucht er neue Eindrücke und sucht diese mit seiner Frau in verschiedensten Kulturkreisen. "Wenn ich über einen Monat an den Bildern hier arbeite, ist es nicht mehr fruchtbar. Es geht nicht nach vorne. Man malt dann rückwärts", erklärt er. Es wächst die Anspannung, den richtigen Schritt zu machen, die richtige Farbe oder Form zu wählen. Das sei unheimlich anstrengend und der Malprozess droht verkrampft zu werden. Dann ist es gut, die Bilder eine Weile ruhen zu lassen. Wenn man von einer Reise kommt, kann man die Arbeiten wieder besser beurteilen.
"Ich könnte natürlich nicht von der Kunst leben, wenn ich immer nur hier wäre," erklärt Häuser. Er besitzt viele Kontakte zu Freunden in den USA, in Frankreich und Tunesien, lebt und arbeitet zwischenzeitlich am Bodensee, in Savannah/Georgia und Paris. Dieses weit gespannte Netz ist für ihn ein Tor zur Welt und von großer Bedeutung.
Gemeinsam mit seiner Frau Gudrun Martha organisiert er Ausstellungen für von ihm geschätzte Kollegen, denen sie im Ausland begegnen. Es ist nicht zuletzt diese Kuratoren-Tätigkeit, die bereichert, inspiriert und die eigenen Wertvorstellungen formt: Geben und Nehmen. Ein Prinzip, das viele Künstler in der Großstadt zu verlieren scheinen. "Sie werden dort zu Einzelkämpfern, entwickeln einen Egoismus und werden hart im Kampf ums Überleben und SichDurchsetzen", weiß Häuser.
Zudem sind die künstlerischen Einflüsse der Großstadt immens und es fällt schwer, sie loszulassen, sich auf das Eigene zu konzentrieren. Ein unbeeinflusstes Arbeiten sei dort kaum möglich. Man müsse die Eindrücke auch immer verarbeiten, um zu erkennen, was der Kern der eigenen Arbeit ist. Das funktioniere nur, wenn man ein Rückzugsgebiet habe.
Ein Monat in Paris ist fast wie eine Gehirnwäsche
"Wenn ich einen Monat in Paris war, ist es fast wie eine Gehirnwäsche", sagt Häuser. Die globalen Menschenmassen treffen einen mit voller Wucht. Die intensiven Eindrücke sind wie eine Energiespritze. Das halte man nur einen kurzen Zeitraum durch.
In einer solchen Zeit zeichnet Häuser viel - umgesetzt zu großen Bildern werden die Inspirationen aber in Breidenbach. Wenn er wieder zur Ruhe kommt. Zu sich selbst findet. Denn jedes Bild ist ein langwieriges Experiment. Eine Evolution. Farben und Formen treffen aufeinander und lagern sich übereinander ab, bis das Bild funktioniert.
In der Natur seien die Abläufe die gleichen, erklärt Harald Häuser. Wenn ein Baum wächst oder sich eine Landschaft formt, ist dies ähnlich, wie wenn ein Bild entsteht. "Diese natürlichen Prozesse decken sich" - in Breidenbach.
Es hätte auch eine andere Gemeinde sein können. Eher zufällig fiel die Wahl auf Kleingladenbach. Denn dort stand das Holzhaus, in das sich die Häusers bei einem Makler in Marburg verliebt hatten.
Die Liebe hatte den Maler von Karlsruhe zum Umzug in die Universitätsstadt bewegt. Dort lebte Gudrun Martha. "Das war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert sich Harald Häuser, der damals schon drei Kunstpreise gewonnen hatte. Das aber interessierte in Marburg zunächst niemanden. Erst Dr. Jürgen Wittstock, Direktor des Museums für Bildende Kunst, hatte Augen für Häusers Werke und dadurch ergaben sich Kontakte zu Galerien in Frankfurt, Hamburg, Essen und München.
Heute, nach 16 Jahren in Kleingladenbach, sagt Häuser: "Ich hätte Angst, mich verändern zu müssen." Hier fühlen er und seine Frau sich aufgenommen und aufgehoben. Die Bäckersfrau führt ein kurzes Gespräch, die Verkäuferin grüßt. Man kennt sich. Auch die Anbindungen an die Autobahn sind ideal. "Wir sind hier im Hinterland nicht auf dem Abstellgleis!"
Die Breidenbacher, so finden Häusers, hätten skeptisch sein können, nach dem Motto: "Da kommt der Künstler. Was wird das wohl für einer sein?" Er und seine Frau seien jedoch mit offenen Armen aufgenommen worden und fühlten sich hier sofort wohl.
"Hier zählen noch Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft", stellen sie fest und versichern: "Es ist jedesmal ein gutes Gefühl, hier wieder heimzukommen."






