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02.09.2010, 14:40 Uhr
Von Karin Dobrowohl

Lahntal

Die neue Lust am Garten


Bei der Gestaltung der "grünen Zimmer" rund ums Haus ist gute Planung gefragt


Lahntal. Gärtnern ist wieder "in". Immer mehr Bundesbürger haben Spaß daran, das eigene Stückchen Land zu bearbeiten, sei es auf dem zum Haus gehörenden Grundstück, sei es in der Kleingartenkolonie. Gerade der Schrebergarten, bis vor nicht allzu langer Zeit der Inbegriff des Spießertums, erfreut sich bei jungen Familien, die in der Stadt leben, wachsender Beliebtheit. Gartenbauingenieurin Waltraud Kuhli aus Lahntal erklärt das so: "Ich denke, die Menschen brauchen in ihrer hochtechnisierten, virtuellen Arbeitswelt eine natürliche Gegenwelt." Und die will gestaltet sein.






Hecken, mal hoch aus Eiben, mal niedrig aus Buchs, geben dem Garten Rahmen und Struktur. Er bleibt ansehnlich, auch wenn mal wenig oder nichts blüht. (Foto: Dobrowohl)zoomHecken, mal hoch aus Eiben, mal niedrig aus Buchs,... | mittelhessen.de
Im Schrebergarten ist das zumeist recht einfach. Da gibt es klare Vorschriften, über die der frischgebackene Hobbygärtner vom Kleingärtnervorstand in der Regel genauestens instruiert wird.

Was aber ist zum Beispiel mit dem Stückchen Land rund ums eigene, möglicherweise gerade neu gebaute Haus? Wer da aus dem Bauch heraus pflanzt, kann viel Geld buchstäblich vergraben. Eine gute Planung, für die man auch einen Fachmann zu Rate ziehen sollte, zahlt sich aus, meint Kuhli.

Sie plädiert dafür, sich schon vor dem Hausbau Gedanken zu machen. "Die Leute denken nicht an den Garten, wenn sie bauen. Sie sehen nur ihr Häuschen und haben von dem, was drumherum sein soll, nur eine vage Vorstellung. Das gilt übrigens oft auch für den Architekten", weiß die Fachfrau. Dabei hält sie es in manchen Fällen für ganz wichtig, schon vor Beginn der Hausbauarbeiten einen Gartenarchitekten in die Planungen einzubeziehen. Zum Beispiel bei Hanggrundstücken. Wenn der Gartenarchitekt Stützmauern als sinnvoll erachte, könnten die beim Hausbau gleich mit angelegt werden. Die nachträgliche Anlage werde teurer, ist Kuhli überzeugt.

Doch auch bei völlig unproblematischen Grundstücken zahlt sich eine gute Gartenplanung aus. "Es ist wichtig, nicht nur das Bild vom Haus zu sehen, sondern auch das Haus auf dem Grundstück, seine Ausrichtung, die Lichtverhältnisse", sagt die Gartenbauingenieurin. Und rät dazu, sich frühzeitig Gedanken zu machen, welche Funktion der Garten haben soll. Soll er eine "grüne Deko" sein, also rein repräsentativen Charakter haben? Oder soll er bewohnt werden?

Grüne Zimmer unterteilen die Fläche und bringen Ordnung in die Fülle

Ist die Funktion geklärt, geht es an die Grobplanung. Der Garten bekommt sozusagen Zimmer, je größer die Fläche ist, umso mehr Zimmer sind möglich. Bei deren Anlage wie auch bei der Anlage von Wegen hat die Fachfrau einen Rat: "Keine Angst vor geraden Linien!"

Sie sehe es immer wieder, dass Wege zu Häusern oft kurvig angelegt seien, was sich im Alltag als ziemlich lästig erweise, weil schwere Lasten über weitere Strecken getragen werden müssten. "Die Wege an Supermärkten sind aus genau dem Grund immer schnurgerade", plädiert sie für mehr Praxisnähe.

Gehölze bilden die Wände der Gartenzimmer, entweder als Schnitthecke oder - bei sehr großen Grundstücken - freiwachsend. "Handtuchgrundstücke hinter Reihenhäusern können auch gut mit Pergolen unterteilt werden", nennt Kuhli eine weitere Alternative.

Die so geschaffenen "grünen Wände" sind gleichzeitig der Rahmen für das Gartenbild, das nun entstehen kann. "Der Gärtner muss vorher wissen, wo er hinmarschiert. Am besten, man arbeitet vom Großen zum Kleinen, setzt erst Gehölze, dann Stauden, dann Blumenzwiebeln", gibt die Lahntalerin die sinnvolle Reihenfolge vor. Zweckmäßig sei es, mit Elementen, die Struktur bringen sollen, anzufangen.

"Der Garten ist das Prinzip von Ordnung und Fülle", sagt Kuhli. Der Rahmen stehe für Ordnung, die Beete, die darin angelegt werden, für die Fülle. "Eine Fülle ohne Ordnung zerfließt", weiß sie.

Und räumt in diesem Zusammenhang gleich mit der Vorstellung auf, es gebe Blumenbeete, die von Frühling bis Herbst immer gut aussehen und auf denen es ständig blüht. "Das habe selbst ich noch nicht hingekriegt", gibt die Lahntalerin zu.

Persönliche Vorlieben für Pflanzen und Farben sollten die Anlage der Beete bestimmen. Allerdings gelte auch hier die Regel "weniger ist mehr", rät Kuhli zur Beschränkung auf wenige Staudensorten in größerer Stückzahl. Und die sollten in der Höhe gestaffelt angepflanzt werden, die niedrigen nach vorn, die hohen nach hinten.

Ganz wichtig sind für Kuhli auch die die Rückzugsorte im Garten. "Ecken, wo ich mich richtig wohlfühle. Das kann die lauschige Sitzecke sein, ebenso aber auch der kleine Gemüsegarten", nennt sie Möglichkeiten.

Bei der Gestaltung können Erinnerungen an gelungene Urlaube hilfreich sein, die Weinlaube als Reminiszenz an glückliche Momente am Mittelmeer, der Strandkorb auf einem Stückchen Sand, der Nord- oder Ostseegefühle im Alltag lebendig hält, der Kiesplatz unter Platanen, der ein Stückchen französisches Lebensgefühl in den eigenen Garten holt. "Jeder muss seine persönliche Gartenoase gestalten", sagt Kuhli. Patentrezepte gebe es da nicht.

Fazit: Wer einen Garten anlegen will, sollte sich erst mit sich selbst beschäftigen.

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Dokument erstellt am 03.09.2010 um 14:42:08 Uhr
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