Um 4.30 Uhr ist für Rouven Laukel die Nacht vorbei. Dann hat er eine Zugfahrt vor sich, um seine Dienststelle in Frankfurt zu erreichen. Denn das Bahnhofsviertel der Mainmetropole ist das Revier des Polizeioberkommissars.
Seine Frau Helga kann etwas länger schlafen. Geweckt wird sie meist von lautem Lachen: Töchterchen Amelie (3) hat morgens schon gute Laune - da muss Mama natürlich mitziehen. Die ist derzeit freigestellt, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Aber Helga freut sich schon, dass sie in einem Jahr wieder in die Luft gehen darf: Sie arbeitet als Flugbegleiterin bei der Lufthansa.
Schichtdienst auf der Polizeistation, Flüge in ferne Länder - die beiden lieben ihre Arbeit, aber sie geben zu, dass ihre Jobs sehr zeitintensiv sind. Das wurde zum Problem, als ihre Beziehung ernster wurde und das junge Paar eine gemeinsame Wohnung bezog.
"Man muss alles sehr genau planen - das gilt auch für das Privatleben", beschreibt Rouven den Alltag zwischen Dienst-, Flug- und Urlaubsplänen. Gemeinsame Momente seien umso wertvoller, je selten sie sind, stellt der 36-Jährige fest. Seine Frau stimmt ihm zu: "Wir haben uns noch mehr darauf gefreut, unsere freie Zeit miteinander zu verbringen", sagt die 30-Jährige.
Sie lobt die Arbeitsbedingungen bei der Lufthansa, was derartige Situationen angeht. Denn noch vor der Hochzeit vor sechs Jahren hatte die Flugbegleiterin die Möglichkeit, ihren Mann mitzunehmen, wenn Flüge ins Ausland anstanden.
Schicht- und Flugpläne bestimmen den Alltag des jungen Paars
"Das war schon toll - zusammen andere Länder zu erleben, wenn Helgas Dienst das zugelassen hat", erinnert sich Rouven. Die gemeinsamen Stunden hingen also von den beruflichen Plänen der beiden ab.
Wochenenddienste, Sondereinsätze, Überstunden: Nicht immer konnte der Polizist seine Schicht mit den Flügen seiner Frau in Einklang bringen.
"Also haben wir angefangen, unser ganzes Leben relativ minutiös zu strukturieren", führt er aus. Das bedeute unter anderem, dass auch Aktivitäten nach Feierabend mit möglicher Dauer und exaktem Beginn einkalkuliert werden.
Gemeinsames Glück mit Eigenheim und Tochter selbst erarbeitet
"Das hört sich jetzt nicht nach Spaß an", meint Helga und lacht, "aber natürlich ist Freizeit ganz einfach Freizeit." Es sei jedoch wichtig für die kleine Familie, den gewählten Lebensstil beizubehalten.
Denn obwohl sich die junge Frau derzeit in erster Linie um Amelie kümmert, ist das Leben der Laukels nicht einfacher geworden. "Ich bin sehr froh, dass meine Eltern gern für ihr Enkelkind da sind", lobt Helga. "Das ist wirklich eine enorme Erleichterung für uns."
Zumal die 30-Jährige in der flugfreien Zeit ihrem erlernten Beruf als Ergotherapeutin nachgeht und sich um behinderte Menschen kümmert. Das mache ich Spaß - und dies sei auch der Grund für ihr Engagement, erklärt die junge Mutter.
Ein weiterer großer Punkt in der Lebensplanung von Familie Laukel war der Bau ihres Eigenheims. Sieben Monate dauerten die Bauarbeiten in Niederweimar, wobei das Ehepaar - unterstützt von Familie und Freunden - selbst Hand anlegte. "Es ist wirklich unser eigenes Zuhause", sagt Helga stolz. Das mache den Stress der Bauphase fast vergessen. Die gemeinsame Zeit, ob mit Tochter oder ohne, ist für die beiden Berufstätigen etwas sehr Wertvolles. Die Planung, die ihnen längst in Fleisch und Blut übergegangen ist, steigert die Vorfreude auf die Stunden zu zweit oder zu dritt, die fast zelebriert werden. "Wir machen es uns nett und geben uns Mühe, dass diese Zeit für uns schöne Erinnerungen hinterlässt", fasst Rouven zusammen.
Beide sind sicher: Ihre Beziehung sei durch die vermeintliche Belastung eher gefestigt worden. "Man weiß seine freie Zeit erst richtig zu würdigen, wenn man sich klarmacht, wie selten sie ist", sagt Helga.
Rouven pflichtet bei: "Zudem gehören wir nicht zu den Ehepaaren, die ständig zusammen sind und wirklich jede Minute des Lebens miteinander verbringen müssen." Freiräume seien wichtig, sagt der 36-Jährige. Wer das erkannt habe, verstehe auch, worum es in einer guten Beziehung geht.
Die Laukels haben in den vergangenen Jahren die sprichwörtlichen guten und schlechten Zeiten miteinander erlebt.
Ihr aktuelles Familienglück nehmen sie in dem Bewusstsein wahr, dass sie es sich selbst und vor allem zusammen erarbeitet haben: "Das war nicht einfach."








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