450 Meter hoch, idyllisch auf einer Anhöhe gelegen, befindet sich Roth. Ein Stück abseits der Bundesstraße 253, etwa auf halbem Weg von Dillenburg nach Biedenkopf. Drei Geschäfte gab es hier früher einmal, geblieben ist nur noch eines, eine Metzgerei.
Abgeschiedenheit? Von wegen. Roth ist voller Leben. Rund zehn Vereine prägen die Dorfgemeinschaft, dazu kommen nochmal mindestens genauso viele Gruppen oder lockere Freizeitgemeinschaften, wie Ortsvorsteher Dieter Blöcher (Foto) sagt. Und während in anderen Orten Vereine vor allem "ihr eigenes Ding" machen, ziehen sie in Roth an einem Strang. Maibaumfest, Dorffest, Sängerfest - egal, um was es geht, alle helfen allen. "Man kann doch keinen im Regen stehen lassen", sagt Ortsbeiratsmitglied Christina Ahlert und erklärt damit eine Art ungeschriebenes Gesetz "auf dem Roth."
Wenn zum Beispiel der Gesangverein Grund zum Feiern hat, dann helfen ganz selbstverständlich auch die Mitglieder Feuerwehr, des Naturschutz- und Heimatvereins, der Laienspielgruppe oder des Jugendclubs bei Thekendienst, Auf- und Abbau.
Dass irgendein Verein mal nicht genügend helfende Hände gehabt hätte, daran kann sich Ortsvorsteher Dieter Blöcher nicht erinnern. Für die freiwilligen Dienste melden sich in der Regel genügend Leute, und sollte mal jemand ausfallen, gibt es Springer und Ersatzleute.
Generationen feiern zusammen und packen auch gemeinsam für ihr Dorf an
Dass sich die einzelnen Vereine dabei mit ihren Veranstaltungen nicht überschneiden und Konkurrenz machen, dafür sorgt jedes Jahr aufs Neue eine genaue Absprache zwischen allen Rother Vereinen und Verbänden. Reihum ist jedes Jahr ein anderer Verein Gastgeber für die Terminabsprache. Alle Vereine schicken Vertreter, der Kindergarten und die Waldinteressenten sind ebenfalls mit im Boot. Termin für Termin wird durchgegangen und "festgeklopft", "und wir versuchen dann, uns nicht in die Quere zu kommen", erzählt Christina Ahlert. "Wenn zum Beispiel ein Verein Jubiläum feiert, gibt es nicht nochmal ein Dorffest", nennt sie als Beispiel.
Alle Rother Vereine gemeinsam haben sich Bierzeltgarnituren und Thekenanlage gekauft. Die Jungs und Mädels vom Jugendclub hätten die Tische und Bänke abgeschliffen und frisch gestrichen, erzählt Dieter Blöcher. Er freut sich vor allem darüber, dass sich die Jugendlichen im Dorf so gut einbringen. Rumlungern an der Bushaltestelle? Gibts nicht. "Mit den Jugendlichen haben wir hier überhaupt kein Problem", sagt Blöcher, "im Gegenteil: Der Jugendclub ist überall mit dabei."
Überhaupt: Egal ob Anpacken oder Feiern, beides lasse im Dorf keine Generation aus, sagt Blöcher. Der jüngste Teilnehmer war elf, der älteste über 70 Jahre alt, als sich eine Gruppe von Rothern vor einigen Wochen kurzerhand selbst zusammenfand, um in Eigenregie die maroden Feldwege rund ums Dorf auf Vordermann zu bringen. Mit Handzetteln hatte der Ortsbeirat Helfer für die Aktion gesucht, über ein Dutzend fanden sich. Rolf Schneider hatte den Rothern drei Tonnen Fräsgut aus dem Straßenbau vermittelt und die drei Lkw-Ladungen ins Dorf befördert. An einem Samstagmorgen ging es los: "Einer hatte eine Rüttelplatte, einer kam mit Auto und Hänger", erzählt Dieter Blöcher. "Die Leute waren nicht zu bremsen." Die Aktion klappte bestens. Die Löcher in den Wegen sind gefüllt, den Helfern hat es Spaß gemacht, und hinterher saßen alle bei einer Stärkung noch zusammen.
Nebenbei sind Arbeitseinsätze und Feiern gelebte Integrationshilfe für Neubürger. Es sei nicht so, dass die Einheimischen immer unter sich blieben, erzählt Dieter Blöcher. Viele Zugezogene hätten von sich aus den Kontakt zur Dorfgemeinschaft gesucht und gefunden und seien jetzt ganz selbstverständlich mit dabei. Wer will, macht mit.
Das gute Miteinander sei eine Eigenart von Roth, sagt Christina Ahlert. Warum es hier so gut funktioniert? "Weil Roth nicht so groß ist", sagt sie. In größeren Orten mit großen Neubaugebieten sei das nach ihrer Erfahrung oft nicht möglich, weil es keine einheitliche Dorfgemeinschaft mehr gebe.
Für Ortsvorsteher Dieter Blöcher ist das Engagement der Menschen im Dorf auch Motivation für eigene ehrenamtliche Arbeit: "Es macht vor allem Spaß, wenn man merkt, dass man nicht allein anpackt."










