"Die Leute fühlen sich wohl. Wenn das nicht so wäre, dann würden sie nicht hierher kommen", freut sich Biek über den Rückhalt im Dorf und schaut in Richtung des Nachbartischs. Dort sitzen drei ältere Frauen gemütlich beisammen, trinken Kaffee, essen ein Stück Kuchen und plaudern. "Das, was wir hier machen, hat etwas mit Lebensqualität zu tun", sagt Susanne Röser, Vorstandskollegin Bieks.
Einsatz des Vereins beschert allen im Ort mehr Lebensqualität
Warum? Ganz einfach: "Seit 15 bis 20 Jahren gibt es in Großaltenstädten keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Vor rund fünf Jahren machte die letzte Kneipe zu. Es gab nichts mehr, wo man sich treffen, wo man miteinander ins Gespräch kommen konnte."
Zum Einkauf, selbst für Kleinigkeiten, musste man sich ins Auto setzen und kilometerweit fahren. Insbesondere für die Älteren der 601 Großaltenstädtener ein Problem. "Manche haben gar keinen Führerschein - da wird es dann schon schwieriger oder sogar unmöglich, wenn mal schnell etwas besorgt werden muss", berichtet Astrid Schneider-Hartmann, Bieks Stellvertreterin. Das trage ja nicht unbedingt zum Wohlfühlen im Ort bei.
Das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen brachte schließlich neuen Schwung in das Gemeinschaftsleben des Hohenahrer Ortsteils. Die Idee des Dorfladens wurde geboren, 2007 umgesetzt und wird seitdem gehegt und gepflegt.
Ganz so einfach und kritiklos sei das Projekt im Dorf damals aber nicht unterstützt worden, erinnert sich Lothar Biek: "Es gab Stimmen, die sehr skeptisch waren und das Konzept falsch aufgefasst hatten. Auch gab es anfangs ein paar Reibungspunkte, aber das hat sich geklärt. Die Akzeptanz ist da."
Das Projekt Backhaus mit dem Dorfladen und dem -café (seit 2006) gibt den Menschen wieder die Gelegenheit einkaufen und sich treffen zu können, ohne gleich weit fahren zu müssen. Und das schätzen die Großaltenstädtener, egal ob jung oder alt. Die Lebensqualität ist wieder gestiegen.
"Wir sind wieder da, wo wir mal waren", sagt Schneider-Hartmann. Zurück zu den kleinen Läden in den Dörfern. Sicher: In dem schmucken Geschäft(chen) an der Erdaer Straße gibt es nicht alles - aber das, was man braucht, ist da. Und wenn nicht, wird es besorgt. Also kein großer Aufwand für den und die Kunden.
Gemeinsam mit vielen Helfern hält der Förderverein das Denkmal lebendig. 63 Mitglieder hat er und von diesen sind im und für das Café etwa 25 aktiv, schätzt Biek. Ehrenamtliche bedienen im Café und/oder backen Kuchen und Torten, spenden sie für den guten Zweck. Andere gute Geister erledigen den Einkauf für den Laden, kümmern sich um die Sauberkeit rund um und im Gebäude, organisieren Ausstellungen im Café.
Im Vorstand sind allein zwei Mitglieder für den Laden zuständig, kaufen selbst ein oder organisieren es. Fünf Frauen führen das Geschäft, drei inzwischen sogar mit Mini-Jobs.
Das Projekt stößt im nahen und auch im weiteren Umkreis auf große Anerkennung und Aufmerksamkeit. Die Unterstützung durch die Gemeinschaft lasse viele aufhorchen, insbesondere Delegationen, die ebenfalls in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurden und sich nun in anderen Orten informieren. "Auswärtige sind immer ganz geplättet, wenn sie sehen, was man in und mit der Gemeinschaft schaffen kann", ergänzt Kassiererin Christiane Hartmann. Doch damit "es" klappt, bedarf es zum einen des ständigen Engagements des Vorstandes, da muss "die Chemie" zwischen den Handelnden stimmen. Zum anderen braucht es möglichst viele Mitglieder, die hinter dem Projekt stehen, und eine Bevölkerung, die das Angebot dann auch annimmt.
Info und Kontakt: Lothar Biek, (06446) 1451.









