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29.08.2010, 11:45 Uhr
Von Richard Kempe

Biedenkopf-Engelbach

Engelbach lebt die Dorfgemeinschaft


Biedenkopfer Stadtteil hat nichts von seinem Zusammenhalt und Gemeinsinn verloren


Biedenkopf-Engelbach. Viele Dörfer haben sich in den vergangenen Jahrzehnten von ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Siedlungen zur reinen Wohngemeinde gewandelt. Oft hat die dörfliche Identität deshalb gelitten oder ist verloren gegangen. Das Beispiel der 380-Seelengemeinde Engelbach zeigt, dass diese Entwicklung aber nicht zwingend ist.






Auch die Kleinsten sind schon dabei und zeigen ihre Tracht: Beim Sommerfest 2006 führten die Kinder des Dorfes einen Tanz auf. (Fotos: Kempe)zoomAuch die Kleinsten sind schon dabei und zeigen ihr... | mittelhessen.de
Der Ort, seit 1972 auf freiwilliger Basis Stadtteil von Biedenkopf, war bis lange nach dem Weltkrieg landwirtschaftlich geprägt, hatte allenfalls einige Handwerksbetriebe. Da gab es die üblichen im ländlichen Raum: Schmied, Schuster und Schreiner. Pendler, die aus Engelbach in einen anderen Ort zum Arbeiten fuhren, gab es praktisch nicht. Über die Jahre ist der Ort dann zur lupenreinen Wohngemeinde mutiert, mit gerade mal einem landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb und einer Handvoll Hobby-Bauern.

Was in früheren Zeiten eine Dorfgemeinschaft ausmachte (Jeder hilft jedem, jeder weiß alles von jedem), hat sich im Laufe des Wandels in Engelbach kaum verändert. Auch nicht das Vereinsleben und das ausgeprägte Zusammengehörigkeitsgefühl. Wie in früheren Zeiten ging es zu, als 1987 das 750-jährige Bestehen des Dorfes gefeiert wurde. Fast alle Einwohner packten mit an und bereiteten das Fest vor.






Gäste aus dem thüringischen Engelsbach haben typische Instrumente mitgebracht. Seit 1990 gibt es die Kontakte dorthin.zoomGäste aus dem thüringischen Engelsbach haben typis... | mittelhessen.de
Die Entwicklung des Ortes seit 1972, dem Jahr der Eingliederung in die ehemalige Kreisstadt, ist eng verbunden mit dem langjährigen früheren Bürgermeister und späteren Ortsvorsteher Carl Dönges. Dieser bündelte positive Kräfte, um das Beste für das Dorf herauszuarbeiten. Von den guten Erfahrungen der Jahrhundertfeier zehrte das Dorf lange Zeit.

Damals wurde auch der Heimatverein ins Leben gerufen, der sich als Dachorganisation aller örtlichen Vereine zur Koordination gemeinsamer Interessen verstand. Neben den traditionellen dörflichen Vereinen, wie Freiwillige Feuerwehr und Männergesangverein, waren es von jeher die Landfrauen, die auf allen Ebenen aktiv waren. Sie brachten sich bei Veranstaltungen ein, pflegten den Ort und überlieferten Traditionen. Jedes Jahr kamen viele Veranstaltungen zusammen, mit denen der kleine Ort von sich reden machte.

Heimatverein hat im alten Backhaus ein Dorfmuseum eingerichtet

Beispielsweise 1994 und 1999, als Engelbach Ausrichtungsort für die weltweit organisierten Familientreffen derer mit dem Namen "Engelbach" (oder ähnlich) war. Zu beiden Treffen fanden Teilnehmer aus aller Welt, von Australien über die USA und Kanada und vielen Ländern Europas, den Weg ins Hinterland. Nicht von ungefähr kam es auch, dass der zweite "Tag der Region im Lahn-Dill-Bergland" in Engelbach ausgerichtet wurde. In enger Zusammenarbeit mit Doris Kepper, der Kulturbeauftragten der Stadt Biedenkopf, wurde ein großes Fest auf die Beine gestellt. Mehr als 3000 Besucher waren aus diesem Anlass zu Gast. Gleich zweimal in der Folgezeit wagte sich Engelbach, in nur wenig abgespecktem Rahmen, unter dem Motto "Lust aufs Land" zusammen mit der Stadt weitere Großveranstaltungen anzupacken.Dazu kommen die weithin beliebten Bauernmärkte der Engelbacher Landfrauen, die alle zwei Jahre stattfinden und nach wie vor viele Besucher anziehen. Die Engelbacher sehen diese Veranstaltungen als aktive Pflege ländlichen Kulturgutes und bäuerlicher Traditionen. Auch, dass der Heimatverein mit Hilfe der Stadt Biedenkopf im alten Backhaus ein schmuckes Dorfmuseum eingerichtet hat, ist ein Erfolg der Dorfgemeinschaft. Das Backhaus ist regelmäßig Treffpunkt für verschiedene Aktivitäten.

Nicht unterkriegen lassen sich die Leute im Dorf "überm Berg", wenn es darum geht, ihre Interessen durchzusetzen. Beispiele: der erfolgreiche Kampf um den Fortbestand der kleinen Grundschule am Ort, die Bemühungen um das Recht, durch den Wald über die "Wetterhöhe" nach Biedenkopf fahren zu dürfen, und der einstimmige Protest der Engelbacher 1991, als der Ort tagelang ohne Trinkwasser war.

Von Erfolg gekrönt war auch eine Initiative aus dem Dorf im Jahr 2006, unter Vermittlung von Bürgermeister Karl-Hermann Bolldorf Engelbach und Dexbach mit einem schnellen DSL-Zugang zu versorgen.

Immer wieder sind es auch die Frauen, die mit ihrer Initiative für Furore sorgen. Seien es die Verschwisterungskontakte der Landfrauen in Richtung Hennstedt (Dithmarschen) und nach Engelsbach in Thüringen oder die stimmgewaltigen Frauen des Projektchores "Aarnestklang". Sie machen neuerdings den Mangel an Aktiven im Männergesangverein wett. Während der Dorferneuerung sorgen schließlich gut zwei Dutzend meist junge Frauen für Unterhaltung, die sich um ein Angebot für die Jugendlichen bis 16 Jahren kümmern und sich darüber hinaus an vielen anderen Dingen einbringen, beispielsweise auch im Heimatmuseum.

Viele Dinge im Leben der intakten Dorfgemeinschaft Engelbach konnten an dieser Stelle nicht erwähnt werden, wie das Bemühen der Burschenschaft um die Pflege alter Traditionen und die wertvolle Arbeit anderer Vereine. Fazit: Es bleibt die Hoffnung auch für die Zukunft, dass das funktionierende Miteinander im Dorf ungebrochen weitergeht. Sie wird genährt durch mehr als eine Handvoll Neubürger, die sich nahtlos in das Leben im Ort integriert haben, als wären sie schon immer hier.

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 30.08.2010 um 12:07:25 Uhr
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