"Ich habe denen beim Proben zugehört und das hat mir gefallen", erklärt die Fünftklässlerin. Seitdem verstärkt sie mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Paul den Männerchor in ihrer direkten Nachbarschaft - und senkt den Altersdurchschnitt erheblich. "Die sind so zwischen 40 und 80 Jahre alt", schätzt sie ihre Mitsänger. "Aber die nehmen Paul und mich ernst. Und drücken uns auch schon mal."
Wenn sie von Freunden gefragt wird, warum sie ausgerechnet in einem Männergesangverein mitmacht, antwortet sie immer: "Weil es Spaß macht." Und mit gleichaltrigen Mädchen zusammen singt sie ja außerdem - im Chor ihrer Schule.
Annemaries Stimmvolumen umfasst viel mehr als nur die ungewöhnlich tiefen Bass-Töne. "Sie schafft auch die hohen Töne von Operetten", sagt ihre Mutter Silke. Woher Annemarie ihr Talent hat, ist ihr ein Rätsel. "Ich habe keine Ahnung, wo das herkommt", sagt sie. "Von meinem Mann und mir ganz sicher nicht." Zwar hat Silke Fehre früher im Spielmannszug musiziert, aber Singen? Da schütteln Paul und Annemarie nur lachend die Köpfe.
Die Teilnahme an Casting-Shows kommt für Annemarie nicht in Frage
Annemarie hat schon früh gern und viel gesungen. "Auf Autofahrten hatten wir immer Kinderliederkassetten laufen", erzählt Silke Fehre. "Da hat sie immer schon mitgesungen." Instrumente spielt die Zehnjährige auch: seit der dritten Klasse Blockflöte, und nun versucht sie sich auch an der Querflöte.
Vier Konzerte hat das junge Gesangstalent bereits gemeinsam mit den Männern gegeben. "Das ist ein tolles Gefühl", erinnert sie sich. "Die meisten Zuschauer schauen nur auf mich." Aber obwohl sie den Applaus liebt, will sie ihr Können nicht irgendwann bei Castingshows demonstrieren. "Auch wenn ich mir solche Sendungen im Fernsehen anschaue, würde ich bei so etwas niemals mitmachen", erklärt sie entschieden.
Über ihre Liedauswahl wäre eine Jury auch überrascht gewesen. Denn das Lied, das sie am liebsten singt, ist der Gassenhauer "Marina" aus dem Jahr 1959. In völligem Kontrast dazu steht die Musik, die sie auf ihrem CD-Spieler hört. Da legt sie gern schon mal deutschen Techno-Rap von den "Atzen" oder RnB von Chris Brown auf - ein außergewöhnliches Mädchen in jeder Hinsicht. Daher verwundert es auch nicht, dass Annemarie zweimal pro Woche im Verein Fußball spielt und ein großer Fan des FC Bayern München ist. Und die wenigen Barbie-Puppen, die sie besitzt, verstauben auf dem Dachboden.
Wenn sie erwachsen ist, möchte sie Fußballerin und Tierärztin werden. Sängerin - das Ziel hat sie trotz ihres Talents erst einmal nicht. Vorerst genügt es ihr, einmal pro Woche mit den Männern des MGV im Dorfgemeinschaftshaus zu proben und mit ihnen Konzerte "mit alten Liedern" zu geben.







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