Das Haus des 64-Jährigen aus Oberweimar war am Tag zuvor zwangsversteigert worden. Der Mann hatte gedroht, für den Fall des Verkaufs das Haus "in die Luft zu jagen" und "alle zu erschießen", wurde im Ort berichtet.
Mittags gegen 14 Uhr bemerkte ein Anwohner in der Nähe des leerstehenden Gebäudes starken Gasgeruch. Er betrat den Hof und näherte sich dem Keller des Hauses, wo er auch ein lautes Zischen hörte. Daraufhin verließ er den Hof und alarmierte Polizei und Feuerwehr.
Die Feuerwehren der Großgemeinde waren in wenigen Minuten vor Ort, riegelten mit der Polizei den Ortskern ab und sperrten die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 255, an der das Gebäude liegt. Der Verkehr wurde großräumig umgeleitet und die umliegenden Gehöfte und Wohnhäuser evakuiert.
Bei Eintreffen der Feuerwehren aus der Gemeinde und Kreisbrandinspektor Lars Schäfer wurde auf dem Hof eine Gaskonzentration festgestellt, die nur knapp unter der Explosionsgrenze lag. Unklar war,ob der ehemalige Besitzer, der nach Ermittlungen der Polizei eine Waffenbesitzkarte hat, sich im Haus aufhält.
Zwei Mitarbeiter von E.on Mitte riegelten die Gaszufuhr zu dem gesamten Bereich ab und stellten auch den Strom im Ortskern von Oberweimar ab, um Zündquellen auszuschließen. Wegen der Explosionsgefahr brachte die Feuerwehr einen wassergetriebenen Lüfter zum Einsatz, unterstützt von der Werksfeuerwehr der Behring-Werke, die einen explosionsgeschützten Lüfter zur Verfügung stellte.
Großeinsatz endet gegen 18.45 Uhr, als für die Bürger keine Gefahr mehr besteht
Die Polizei forderte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) aus Frankfurt an. In voller Schutzausrüstung und mit Hunden bereiteten diese sich auf der Straße darauf vor, ins Haus zu gehen. Die Feuerwehr bahnte ihnen von mehreren Seiten einen Zugang zum Haus, unter anderem wurde ein Bach mit Baubohlen überbrückt. Hinter Feuerwehrfahrzeugen und Gebäuden Deckung nehmend, rückten die SEK-Kräfte zum Gebäude vor.
Hinter den Absperrungen warteten Anwohner, Feuerwehren und der Rettungsdienst sowie Ortsvorsteher Manfred Möller und Bürgermeister Peter Eidam (parteilos). Dieser wurde von den bald eintreffenden Pressevertretern und Kamerateams umlagert.
Während die SEK-Beamten das Gebäude durchsuchten, erreichte die Polizei die Meldung, der ehemalige Besitzer sei im süddeutschen Raum widerstandslos festgenommen worden. Absperrung und Evakuierung wurden erst aufgehoben, nachdem die SEK-Kräfte das gesamte Haus durchsucht und weitere Gefahrenquellen ausgeschlossen hatte.
Gegen 18.45 Uhr konnte der Großeinsatz beendet werden. Es bestehe keine Gefahr mehr für die Bürger von Oberweimar, teilte die Polizei mit. Der Gasversorger kümmere sich um die Reparatur der beschädigten Gasleitung.
Der neue Besitzer des Gebäudes ist ein medizinisches Schulungsunternehmen, das bereits das benachbarte Anwesen, das ehemalige evangelische Gemeindezentrum, besitzt. In dem jetzt ersteigerten Gebäude sollen weitere Schulungsräume untergebracht werden. Wie die Geschäftsleitung berichtete, befanden sich gestern Mittag etwa 25 Studenten sowie Lehrkräfte, psychologische Betreuer und Hauspersonal in dem Gebäude.
"Der Speisesaal ist nur durch eine Fachwerkwand von dem Haus getrennt, in dem der Gasaustritt verursacht wurde", sagte einer der Geschäftsführer im Gespräch mit dieser Zeitung.
Polizei, Feuerwehr und Bürgermeister Eidam äußerten sich sehr erleichtert, dass diese Gefahrenlage ohne Schaden für Menschen oder Sachen abgewendet werden konnte.
Video: J. Fritsch








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