Etwas weniger Besucher als vor zwei Jahren kamen, um sich an den Ständen zu informieren und den Vorträgen zuzuhören. Damals waren es 2100 Gäste, die das veranstaltende "Lufthansa City Center Wetzlar" begrüßte. Um die 1800 waren es diesmal.
Zufrieden zeigte man sich dennoch. "Die Resonanz ist gut, auch wenn es weniger Besucher sind. Der Grund könnte das Unglück der Costa Concordia sein, aber man weiß es nicht", sagte Petra Wiese vom "Lufthansa City Center Wetzlar".
Die Nachfrage nach Kreuzfahrten sei ungebrochen, wobei derzeit vermehrt nach kleineren Schiffen gefragt werde. "Die meisten Urlauber denken, dass es ein Fehler des Kapitäns war, und nicht durch mangelnde Sicherheit passiert ist. Die Standards dafür sind ohnehin überall sehr hoch", erläuterte Riese. Die Besucher und Kunden sähen das recht locker. In ihrem Reisebüro habe es nach dem Unglück noch keine Stornierungen irgendeiner Schiffsreise gegeben.
Beliebte Ziele seien nach wie vor der Mittelmeerraum, Dubai und die Karibik, aber es werde sich auch nach der Antarktis und der Arktis, vor allem Spitzbergen, erkundigt. Schiffsreisen in die Südsee, von Südamerika über Tahiti und Neu-Kaledonien bis nach Asien seien eher exotisch.
Überall an den Ständen der Reedereien gab es dazu viele Informationen. Broschüren und Kataloge, aber auch die persönliche Beratung durch Mitarbeiter nutzen viele, um erste Eindrücke für eine geplante Kreuzfahrt zu sammeln.
Abgesagt hatte die "Costa Kreuzfahrten". An dem Stand lagen Kataloge, besetzt war er aber nicht. Stattdessen lag ein Schreiben aus, auf dem zu lesen war, dass momentan die ganze Aufmerksamkeit den allen gelte, die vom Unfall der "Costa Concordia" betroffen sind. Derzeit beteilige man sich an keiner Messe oder Ausstellung.
Die Vorträge, die von Costa vorgesehen waren, fielen aus. Andere Reedereien sprangen ein. Das Angebot, sich in einem der kleineren Säle der Stadthalle via Bild und Erläuterungen zu informieren, wurde gerne angenommen.
Stand der "Costa Kreuzfahrten" bleibt leer, Vorträge fallen aus
Auch auf der Bühne im großen Saal erfreuten sich die Darbietungen großer Beliebtheit. Der Shanty Chor "Achtern Diek" der Marinekameradschaft Wetzlar sang, der Zauberer Massimo verblüffte mit seinen Tricks, die Tanzgruppe der Wetzlarer Karnevalsgesellschaft (WKG) gefiel mit orientalischen Tänzen und das "Haus der Mode" präsentierte legere wie auch festliche Abendkleidung für eine Schiffsreise vor.Die deutsche Nationalmannschaft im Shuffleboard stellte ihre Sportart vor. Ein paar Meter weiter warben Klaus Drolsbach und Günther Keßler für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Die Seenotrettung wird ausschließlich durch Spenden und die Beiträge der Mitglieder finanziert.
Nach dem Unglück der "Costa Concordia": Buchen Sie noch Schiffsreisen?
Beeinflusst das Unglück des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" Interessierte bei der Wahl ihrer Schiffsreise? Auf der mittelhessischen Kreuzfahrtmesse in Wetzlar fragten wir Besucher, ob sie nun vermehrt auf Sicherheit achten.
Adolf Hofmann, 76, aus Leun: "Ich habe schon einige Kreuzfahrten gemacht, beispielsweise zum Nordkap, im Mittelmeer und in Amerika. Auch in diesem Jahr möchte ich wieder eine Schiffsreise unternehmen. Das Unglück hält mich nicht davon ab. Es ist ja nicht auf dem offenen Meer passiert. Wenn sich alle an die vorgegebene Routen halten, kann so etwas gar nicht geschehen. Ich suche mir aber schon Kreuzfahrtschiffe aus, bei denen ich das Gefühl habe, die Sicherheit ist in Ordnung."
Ulrike Busch, 68, aus Waldsolms: "Wir sind heute hier, weil wir uns für eine Schiffsreise von Genua nach Lissabon interessieren. Wir waren schon in Oslo, Göteborg und Helsinki, jetzt soll es mal in eine andere Gegend gehen. Das Unglück hat darauf keinen Einfluss – wir haben schon vorher darauf geachtet, dass Sicherheit und Komfort stimmen. Es sollte außerdem ein kleineres Schiff sein. Die großen machen mir Angst, sie sind so unpersönlich."
Hans-Volker Gröninger, 71, aus Wölfersheim: "Wir sind begeisterte Kreuzfahrer und informieren uns hier, was es Neues gibt. Wir waren schon in der Karibik, in Dubai, in Asien und auf dem Mittelmeer und auf dem Atlantik. Wir waren dabei immer mit Schiffen mit rund 2000 Passagieren unterwegs. Das Unglück – es kann überall etwas passieren. Wir haben immer nach der Sicherheit an Board geschaut."
Frank Brauer, 46, aus Wetzlar: "Ich habe schon Kreuzfahrten gemacht, und demnächst geht es an die mexikanische Riviera. Wegen des Unglücks habe ich keine Angst, weil es nicht durch technisches Versagen oder durch ein Unwetter passiert ist, sondern durch menschliches Versagen. Es hat mich erschüttert, dass fast 100 Jahre nach der Titanic so etwas passiert."











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