18. April
Nur gut, dass ich einen Tag gewartet habe, ehe ich den Marathon noch einmal Revue passieren lasse. Heute fällt mein Urteil nämlich milder aus. Hätte ich aber gestern diesen Typen zu fassen gekriegt, der der Sage nach 40 Kilometer von Marathon nach Athen gerannt ist, um den Sieg gegen die Perser zu verkünden, ich hätte ihm die Gurgel umgedreht. Aber der Kerl hat ja seine verdiente Strafe bekommen und ist nach Überbringen der frohen Kunde tot zusammen gebrochen. Mir ging es ähnlich. Vom Tod war ich sicherlich noch weit weg, aber nicht vor einem Zusammenbruch. Ich war nach meiner Zielankunft kurz davor, zu Boden zu sinken, wäre da nicht diese Bank gewesen, auf der ich für die nächsten 15 Minuten verharrte und das Gefühl hatte, zu einer Salzsäure zu erstarren. Gut dass Thorsten da war und meinen Rücken und meine Oberschenkel durchknete. Da lag ich nun im DRK-Zelt und konnte mich so gar nicht über das Erreichte freuen. Wo war denn nur der Adrenalinstoß, in dem ich mich beim Anblick der Ziellinie suhlen wollte? Habe keinen bekommen. Klar war es schön, als mich meine Tochter und mein Patenkind auf den letzten Metern begleitet haben. Aber war es das wert? Ein klares Ja! Ich habe nämlich auf meiner Liste, die ich bis zu meinem letzten Tag abgearbeitet haben will, wieder einen Haken mehr setzen können. Und ich habe, wie es Oli so schön formuliert hat, etliche Leute kennen gelernt, die es wert sind, kennen gelernt zu werden. Und auch der Lauf selbst lief zum Größtenteil prächtig. Ich habe mich trotz kurzer Nacht so gut gefühlt wie lange nicht mehr. Bin bewusst langsam angegangen, so dass ich lange Zeit das Gefühl hatte, zulegen zu können. Ich hatte auch kein Problem damit, dass ich immer mehr meiner Teamkollegen aus den Augen verlor. Ich steuerte ja auf 4:15 Stunden. Das wäre herrlich gewesen. Ich weiß nicht, ob es ein Fehler war, aber es ist mir letztlich auch egal: Ich hatte mich so auf Weilmünster gefreut, wo Frau, Kinder und noch ein paar andere liebe Menschen auf mich warteten. Ich ließ mich dazu hinreißen, stehen zu bleiben, ein kleines Schwätzchen zu halten und mir ein paar Küsschen abzuholen. Ich war ja gut in der Zeit. Als ich nach geschätzten zwei Minuten wieder loslaufen wollte, merkte ich schnell: Jetzt wirds happig. Mit meiner Verfassung ging es rapide bergab. Der Mann mit dem Hammer hatte sich zwar nicht vorgestellt, aber es waren dafür viele kleine Männer mit kleinen Hämmerchen, die mich nach und nach fast lahm legten. Als mich dann noch Gaby und Tina fröhlich schwatzend und in schöner Leichtigkeit des Seins bei Ernsthausen einsammelten, wars um meine Moral geschehen. Erst bei Freienfels ging es wieder besser. Nicht weil Udo mir ein Bier vor die Nase gehalten hat, sondern weil mir Kollegin Doro die Parole für den Endspurt mit auf den Weg gab: "Quäl dich, du Sau!" Was blieb mir auch anders übrig? Die 4:15 Stunden, die ich lange vor Augen hatte, habe ich um 20 Minuten verpasst. Und ich würde lügen, wenn mich das nicht geärgert hätte. Aber es ging nicht mehr. Zweieinhalb Stunden nach meiner Zielankunft saß ich dann mit heftigem Muskelkater wieder in der Redaktion. Es lag ja noch ein bisserl Arbeit vor mir. Als dann die Tür aufging und die fast komplette Marathon-Riege mit einem Weizenbier im Büro stand, wusste ich: Du hast alles richtig gemacht, Bethke.17. April, 16.34 Uhr
Geschafft!!! Mehr dazu am Montag, muss jetzt erstmal arbeiten und Fußballberichte eintelefonieren ...
17. April, 7:25 Uhr
Es ist soweit. Der große Tag ist angebrochen. Die Nacht war so lala. Ich habe zwar schon um 21 Uhr im Bett gelegen, aber die reine Schlafzeit betrug dann nur knapp die Hälfte der Liegezeit. Von wegen Wick-Medinait fördert den Schlaf. Unsere "Haus-Hähne" hatten die stärkere Wirkung. Mindestens fünf Mal war meine Frau unterwegs, ehe dann der kleine "Hahn" in der Besucherritze lag, dort aber dann schlummerte, als wäre nie etwas gewesen. Ich fühle mich trotzdem ganz fit. Habe jetzt ein Toastbrot mit Honig, einen Protein-Riegel, ein Power-Gel, ein Glas Frubiase und ein zweites mit Cevitt immum Complex zu mir genommen. Schnell noch ein Blasenpflaster zur Profilaxe auf jeden Fuß und dann ab durch die Mitte.
16. April
Noch 15 Stunden! Von Nervosität keine Spur! Die Aufregung kann sich gegen die Angst nämlich nicht durchsetzen. Es ist dieser letzte Rest an Zweifel, dass ich es doch nicht packe, der mich fürchterlich umtreibt. Ich fühle mich schlapp, auch ein bisschen erkältet. Sind es Phantom-Wehwechen? Oder haben mich die zwei kleinen Rotznasen zu Hause etwa angesteckt? Die Medzin wirds schon richten bis morgen. Ich wünsche mir, es wäre schon morgen, denn ich habe große Bedenken, dass ich schlafen kann. Weil die beiden Kleinen Rotznasen haben, krähen sie des Nächstens wie der Hahn auf dem Mist am frühen Morgen. Sie scheinen sich abgesprochen zu haben, denn ruht der eine, um Kraft zu sammeln, legt der andere los. Ein Gutes hat das Ganze ja. Verschlafen werde ich sicher nicht.
12. April
Ich hoffe mal nicht, dass es ein schlechtes Zeichen ist, aber mein Ehering rutscht. Okay, es war sicherlich nicht unbedingt der beste Zeitpunkt, nur zwei Monate nach der Geburt des zweiten Kindes in ein solch zeitintensives Projekt einzusteigen, aber dafür bin ich ja aus dem Fußballtraining ausgestiegen. Das fand meine Frau auch ganz gut, weil ich nun immer dann zu Hause war, wenn es galt: Beim Bettgang der Kinder. Ich finds gut, wenn ich nächste Woche wieder zweimal ins Fußballtraining gehen kann. Dann wird auch mein Ehering wieder besser passen, denn nächste Woche feiere ich auch mein Comeback am "Schnuggelschrank". Es gibt derzeit Phasen, da würde ich mir am liebsten die von meinen Liebsten leer gefutterte Chipstüre über den Kopf ziehen, um zumindest den Duft zu inhalieren. Heißhunger, halte durch! Ich tue es doch auch.8. April
Da hatte ich ja mal eine gute Idee so kurz vor dem Startschuss in Arnoldshain. Ich habe mir nämlich Gedanken gemacht, wie lange die Wirkung meines Athmasprays anhält. Die Packungsbeiliage gab darüber keinen genauen Aufschluss. Auch das sonst so schlaue Internet hatte keine Antwort parat. Das wusste allerdings, dass es etlichen Spitzensportlern ähnlich geht wie mir. Sie bekommen bei körperlicher Belastung Atemnot. So wie die ehemalige Eisschnellläuferin Anni Friesinger. Das hielt sie allerdings nicht davon, große Ausdauerleistungen zu vollbringen. Der Medizin sei dank. Da ich im weltweiten Netz nicht weiter gekommen bin, bin ich in die Apotheke gegenüber. Aus dem Stegreif konnte mir das Personal da auch nicht helfen. Doch nach einem Anruf beim Hersteller bekam ich die nicht gerade unwichtige Info: Die Wirkung hält je nach Belastung maximal drei Stunden. Ich stehe nun vor der Wahl, mich ganz fürchterlich zu beeilen oder mein Spray mitzunehmen. Nur gut, dass unsere Laufhose am Hinterteil eine Tasche hat.
4. April
Da habe ich mir echt was aufgeladen. Heute morgen komme ich in die Redaktion und da stehen gleich zwei Kuchen, die die neue Praktikantin zum Einstand mitgebracht hat. Pfui, wie gemein. Ich widerstehe. Ich kann ganz schön konsequent sein, wenn ich will. Noch will ich. Aber nur noch zwölf Tage lang. Weniger konsquent war ich bei meiner Teilnahme an den Halbmarathon-Kreismeisterschaften in Brechen. Bernd hatte uns ja geraten, die 21,1 Kilometer im geplanten Marathon-Tempo zu laufen. Daran habe ich mich nur bedingt gehalten. Schuld war der Läufer mit der Startnummer 2:00, der nach sechs Kilometern an mir vorbeizog. Zumindest dachte ich im ersten Moment, dass es eine Startnummer ist. Aber es war der "Hase" für die, die unter zwei Stunden bleiben wollten. Das wollte ich dann auch. Auf dem letzten Kilometer ist mir der Hase allerdings davon gehoppelt. Die Zwei-Stunden-Marke habe ich verpasst; genau wie den Kreismeistertitel. Da fehlten gleich 40 Plätze und 55 Minuten. Welten. Immerhin hat es zum inoffiziellen "Drommershäuser Dorfmeister" im Halbmarathon gerecht. Muss mir nur noch die Urkunde basteln.
1. April
Herrje, ist das schwer! Eben stand ich kurz davor, meinen mir bis zum 17. April auferlegten Verzicht auf Kuchen und Co zu brechen. Da schlendere ich nichts ahnend an die Kaffeemachine in unserer Redaktion, um mir meinen Wachmacher abzuholen, da türmen sich dort die süßesten Leckereien. Muffin, Nussecke, Donauwelle. Wer kann da schon widerstehen? Ich! Noch.
29. März
Die Phase der Feinjustierung hat begonnen. Ausgerechnet an Mutters 60. Geburtstag habe ich beschlossen, bis zum 17. April keinen Tropfen Alkohol mehr zu trinken. Es hat geklappt. Ich musste allerdings feststellen, dass sieben alkoholfreie Weizenbiere auch etwas "doll im Kopp" machen. Wie viel Isotonie verträgt der Körper eigentlich? Auskommen müssen Körper und Geist bis auf weiteres auch ohne Chips, Schokolade und Kuchen. Letzteres ist verdammt schwer, weil Redaktions-Sekretärin Steffi eine König am Backofen ist und wir Kollegen oft in den Genuss ihrer Zuckerbäckerei kommen. Kohlenhydrate dominieren ab sofort den Speiseplan. Auf dem stehen schon seit dem Start in die Phase der Grobjustierung vor zwei Wochen morgens ein Glas Frubiase, danach eine Flasche Wasser und zum Kaffee im Büro ein Müsli statt Kekse. Das macht satt bis zum Abend. Dahinter steckt mein Ziel, noch etwas "abzukochen". Dieser Begriff aus der Boxersprache bedeutet nichts anderes, als kurzfristig Gewicht zu reduzieren. Dabei orientiere ich mich an meinen Gürtellöchern, denn die Waage habe ich letztmals gesehen, als meine Frau zum zweiten Mal schwanger war. Da wollte sie nichts mehr justieren.28. März
Keine guten Nachrichten! Martin Janiczek muss aufgeben. Seine Knieprobleme haben unseren Jüngsten endgültig ausgebremst. Und ich jammere wegen dem bisschen Ichias. Alles ist relativ. Auch Schmerzen.
27. März
Ganz ehrlich! Die Zeitumstellung war nicht daran schuld, dass ich heute den Lauftreff unabgemeldet geschwänzt habe. Ich habe nicht etwa verpennt, weil ich die Uhr nicht vorgestellt habe. Vielmehr lag es daran, dass sich die Rückkehr vom Länderspiel-Besuch in Kaiserslautern etwas in die Länge gezogen hat. Ich bin erst um 1.15 Uhr zu Hause gewesen. Und bis ich bettfertig war, war es plötzlich 3 Uhr. Die Sommerzeit war da. Und dann konnte ich nicht einschlafen, weil die beiden Stadionwürste noch mit mir sprachen. Als ich meinen Frieden gefunden hatte, krähte erst unser Sohn, wenig später schon der "elektronische Hahn" auf dem Nachttisch. Da der Rest der Familie wieder selig schlummerte, ließ ich mich von dem Argument überzeugen, dass das auch für mich besser ist, zumal ich mich auch noch gegen 11 Uhr auf die Piste kann, weil ich etwas später zum Dienst musste. Nachgedacht, umgedreht, eingeschlafen. Ich war schließlich sogar schon um 10.55 Uhr auf der Strecke. Gelaufen, geduscht, kumuliert, panaschiert und pünktlich ab in die Redaktion. Es geht eben nichts über ein gutes Zeitmanagement am Tag, als die Uhr umgestellt wurde.
26. März
Es gibt schon nette Menschen. Heute stand Marco Wagner bei uns zu Hause vor der Tür. Der Laufkollege vom SC Oberlahn hat mir zwei Paar seiner langen Kompressionsstrümpfe leihweise vorbeigebracht. Passen wie angegossen. Da kann ich ja meine 2,95-Euro-Socken wieder umtauschen!
25. März
2,95 Euro - so viel hat mein insgesamt dritter Einkauf in Sachen Marathon gekostet. Begonnen hatte meine kleine Shopping-Tour Anfang Oktober, als ich mir bei Aldi aus den Tiefen der Wühltische für den Winter Jacke, Handschuhe und Mütze gefischt habe. Kosten rund 30 Euro. Als der Intersport in Weilburg dicht gemacht hat, habe ich mir noch ein Paar auf 49,95 Euro runter gesetzte Asics geleistet. Und nach dem Strumpf-Desaster vom Treisberg bin ich heute Morgen nun zum Lidl. Dort gibt es derzeit Laufsocken im Angebot. Hört sich alles so an, als sei ich ein Billigheimer, gar ein Geizkragen. Ich behaupte das Gegenteil und bemühe dazu ein Zitat meiner seligen Oma, die da einst meinte: "Du kannst das Geld nicht leiden." Ich denke, dass ich ein großzügiger Mensch bin und dass ich gut teilen kann, obwohl ich ein Einzelkind bin. Mein Fehler ist, dass ich beim Sparen und beim Ausgeben oft falsche Prioritäten setze. Denn hätte ich nicht ständig meine ausgeleierten Fußballstutzen getragen und mir zeitig ein paar anständig Laufstrümpfe gekauft, hätte ich mir das Geld für das Fußbalsam und das Blasenpflaster sparen können.20. März
Who the f... is Treisberg? Was hatte ich für einen Bammel vor dieser Erhebung, die sich nach rund sieben Kilometern von Arnoldshain nach Weilburg auftürmt! Und dann das: Gestählt vom "Überhang" von Selters nach Drommershausen präsentierte sich der vermeintliche Berg allenfalls als Hügelsche, als Hüppel, mehr nicht. Das Gemeine am Treisberg. Er geht noch steiler runter als hoch, das sollte ich später spüren. Unsere Generalprobe auf den ersten 30 Kilometern der Originalstrecke bis nach Weilmünster brachte für mich eine ganze Menge Erkenntnisse. Minusgerade beim Start sollten den Blick nicht vernebeln, was in den nächsten Stunden folgen kann, wenn die Sonne scheint. Ich hatte mich als Kurzhosenträger sowieso schon recht dünn angezogen, aber die Jacke hätte ich mal im Auto lassen sollen. Mir ist ganz schön die Brühe gelaufen. So band ich mir das Teil nach 20 Kilometern um die Hüfte, was mich mindestens genauso nervte wie der Getränkegürtel, den ich mir von Martin geliehen hatte. Aber ohne Flüssigkeit geht es nicht. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich noch zu wenig getrunken habe. Gut, dass es am 17. April alle fünf Kilometer einen Verpflegungsstand gibt. Stehe ja sowieso gerne an der Theke. Klar ist mir jetzt auch, dass ich eine Uhr brauche. Mir war die Durchschnittsgeschwindigkeit der Spitze von 6:14 Minuten pro Kilometer zu schnell, um sie bis Weilburg durchzuhalten. Ob doch der Treisberg dran schuld war? Er war sicherlich dafür mitverantwortlich, dass ich mir bei den Bergabpassagen zwei "Heiermann" (*) große Blasen an beiden Füßen gelaufen habe. Es kann aber auch daran gelegen haben, dass ich mir noch immer keine Laufsocken zugelegt habe, sondern meine alten Fußball-Stutzen tragen. Herrje, haben die gescheuert. Gut, dass es in der Apotheke Blasenpflaster gibt; auch geeignet als Profilaxe. Ich werde die Compeed-Streifen jedenfalls unter den Füßen haben, wenn es in vier Woche los geht. Vorbereitung ist alles.
* Heiermann = umgangsprachlich für altes Fünf-DMark-Stück
15. März
Der eine hatte keine Lust, der andere noch viel weniger. Nur gut, dass Martin kurz nach 18 Uhr noch um die Ecke kam, wer weiß, ob Daniel und ich tatsächlich gelaufen wären. Martin hatte genügend Motivation für uns alle drei dabei. So ging es äußerst zügig nach Selters und, gespickt mit zwei Sprinteinheiten, ebenso flott wieder zurück. Wobei Sprint ist relativ, sehr relativ sogar. Zumindest bei mir. Wie ich während meines Studiums die Sollzeit von 13,0 Sekunden über 100 Meter geschafft habe, ist mir gut 15 Jahre später schleierhaft. Aber irgendwie auch egal. Ich will ja lange laufen, nicht schnell, auch wenn ich natürlich gerne lange schnell laufen würde. Aber da wären wir wieder bei der alten Geschichte mit dem Ackergaul und dem Rennpferd. Jedenfalls hat das Läufchen gut getan. Hinterher zumindest. Etwas verarscht kamen wir uns jedoch vor, als eine fragwürdige Gestalt auf einem Motorroller auf dem Rückweg kurz vor Ahausen an uns vorbei fuhr. Das konnte eigentlich nicht wahr sein, aber der Typ spielte auf seinem CD-Player den Drill-Instructor aus Full Metal Jacket. Unglaublich aber wahr! Er fuhr sogar ein paar Meter neber uns her. Vielleicht war es ja der Marathon-Gott, der Daniel und mir eine Prise Motivation einhauchen wollte.
11. März
Nachdem ich mich beim Stammtisch geoutet hatte, dass ich derzeit keinen Bock mehr auf die Lauferei habe und meine Asics am liebsten im hohen Bogen in die Lahn werfen würde, habe ich aus Reihen der Gruppe die ein oder andere aufmunternde Mail erhalten. Danke, Leute, hat mich sehr gefreut! Aber so ernst ist die Lage dann doch nicht. Was haben wir nicht schon alles in unserem Leben getan, ohne das wir Lust drauf hatten. Ich denke da besonders an meine Jugendzeit, als mich meine Großeltern dazu genötigt haben, im heimischen Gemüsegarten mitzuarbeiten. Oma und Opa sind nicht mehr - leider. Der Garten ist mit ihnen gegangen. Ihn vermisse ich hingegen nicht. Er wird auch nicht mehr zurückkehren. Meine Lust aufs Laufen aber auf jeden Fall.
9. März
Sachen gibt's! Während ich mir noch Gedanken über meine derzeit fehlende Lust zum Laufen mache, hatte Michael offenbar so viel Bock darauf, dass er - quasi klammheimlich - schon einen Marathon gelaufen ist. In Marburg benötigte der Freienfelser 5:27:29 Stunden. So was nennt man dann einen klassischen Frühstart, denn "unser" Marathon ist doch erst am 17. April.8. März
Ich habe Versäumtes nachgeholt!
7. März
Jetzt ist es passiert. Ich bin heute nicht gelaufen, obwohl ich montags immer laufe, wenn es vom Job her klappt und ich kein Zipperlein habe. Laufpause wegen Rosenmontag? Nein, daran lag es nicht. Ich hatte keine Lust auf Helau und Alaaf. Aber noch weniger Lust hatte ich auf Laufen. Ich suche auch nicht nach Ausreden. Ich habe zwar die halbe Nacht kein Auge zugedrückt, weil unser Kleiner sein ganz persönliches Faschingsfest gefeiert hat, aber daran lag es nicht. Ich bin derzeit an einem Punkt angelangt, wo es mich Überwindung kostet, die Laufschuhe anzuziehen. Komisch eigentlich. Die meiste Wegstrecke liegt hinter uns. Und im Vergleich zu unserer Reichenborner Tina, die ihren Start am 17. April wegen des Verdachts auf Bandscheibenvorfall nun absagen musste, geht es mir blendend! Sollte es tatsächlich daran liegen, dass ich meinen Schokoladenkonsum zurück gefahren habe und mir jetzt die Glückshormone zur Bekämpfung meines inneren Schweinehundes fehlen? Ich werde mich mal auf die Suche nach meinem "alten Kumpel" Ehrgeiz machen und mit ihm am Dienstag Versäumtes nachholen. Obwohl Fasching ist und obwohl ich dienstags noch nie gelaufen bin.
27. Februar
Noch eine Woche bis Faschingssonntag. Es ist kurz nach 7 Uhr. Ich bin wach. Das war ich schon oft an einem Sonntagmorgen mitten in der fünften Jahreszeit. Mit einem Unterschied: Früher war ich noch wach, heute bin ich wieder wach. Zeiten ändern sich. Auch die Taktik ändert sich. Bei meinem dritten 30er, eigentlich einem 33er, der in der Faschingszeit natürlich ein dreimal 11er ist, laufe ich allein in der Gruppe. Klingt paradox, ist es aber nicht. Ich laufe ab Kilometer elf nicht mitten im Pulk, sondern etwas davor. Aber nicht ganz vorne, sondern hinter Mario. Er hat offensichtlich dieselbe Taktik wie ich. Ich laufe also doch alleine - irgendwie. Ich tue das, weil ich mir meine Luft sparen will. Ich bin nämlich eine Quasselstrippe. Bis an die Grenze zur Sauerstoffschuld. Ob's besser läuft, wenn ich die Klappe halte? Es läuft besser, aber es ist stinklangweilig. Auch weil mein MP3-Player schon nach vier Liedern den Geist aufgibt. Nina Hagens Freund hat den Farbfilm vergessen, ich das Aufladen des Akkus. Es reicht nicht mal dazu, mir die Alt-Punkerin nackt am Strand von Hiddensee vorzustellen. Dafür kommen mir die ersten Walkerinnen entgegen. Die Musik spielt nicht mehr. Und ich bin nicht mal in Freienfels. Ich behalte meine Taktik aber bei. Am 17. April werde ich auch mit mir und meinen Gedanken alleine sein. Sie kreisen an diesem Vormittag oft rund um Fasching. Und wie es früher so war, als ich um kurz nach 7 Uhr noch wach war. 23. Februar
Ich bin ein mittelmäßiger Typ - auch sportlich gesehen. Ich kann einiges, aber nichts so richtig gut. Wenn wir damals beim Gaukinderturnfest zu Fünft waren, war klar, dass ich die Staffel nicht mitlaufen durfte. Bei den Bundesjugendspielen in der Schule gab es immer nur eine Teilnahmeurkunde. Die bekam auch unser Klassenstreber, der im Laufen, Springen und Werfen noch weniger drauf hatte als ich. Soweit zum Stellenwert dieses Stück Papiers. Wenn ich mal sportlichen Erfolg hatte, dann war das mit der Mannschaft. Und ich war dann nur ein mittelmäßiger Bestandteil selbiger. Okay, ich habe mal in einem Elfmeterschießen in einem Entscheidungsspiel drei von vier Schüssen gehalten. Eine Woche später sind wir trotzdem abgestiegen. Weil ich in der Relegation sieben Stück kassiert habe. Sicherlich, ich habe auch mal den Rundlauf in der großen Pause gewonnen. Und mexikanischer Hotelmeister im Tischtennis war ich ebenfalls schon. Aber nur, weil der Gegner entweder ein Kind oder ein Ami oder beides war. Auch in unserer Laufgruppe bin ich nur mittelmäßig. Ich habe das Gefühl, dass die meisten fitter sind als ich. Vielleicht auch deshalb, weil sie mehr trainieren. Aber wenn ich mithalten will, muss ich immer mehr tun als die meisten anderen. Beim Fußball ist das noch einfach, weil es da viele faule Säcke gibt. Aber in unserer Gruppe herrscht, wie würde "Bundes-Jogi" Löw sagen, "högschte" Disziplin. Von meinem Hirngespinst, den Marathon unter vier Stunden laufen zu können, habe ich mich rund sieben Wochen vor dem Startschuss jedenfalls verabschiedet. Aber ist das ganze nicht auch ein großer Denkfehler? Gibt es überhaupt einen mittelmäßigen Marathonläufer? In unserer Gruppe sicher nicht! Denn die Leistung liegt einzig und allein darin, notfalls auch in gebückter Haltung, vor dem Besenwagen die Ziellinie zu erreichen. Und mit Mittelmaß schafft das keiner!
16. Februar
Jetzt mal ehrlich: Wer hätte das gedacht? Sicherlich nicht mal die viel zitierten kühnsten Optimisten. Ich schon gar nicht. Ich gehöre nämlich zur anderen Fraktion. Als Pessimist hast du nämlich den Vorteil, positiv überrascht zu werden. Und wenn es dann schlecht ausgeht, hattest du eh damit gerechnet. Absolut nicht damit zu rechnen war, dass sich bis zur internen Frist am 15. Februar 23 der noch verbliebenen 24 Männer und Frauen aus unserem Team für den Marathon am 17. April angemeldet haben. Wenn ich mich da an mein erstes Gespräch mit Katja und Bernd im vergangenen Sommer erinnere, war von zehn Leuten die Rede. Katja nannte das damals übrigens "optimistisch".
14. Februar
Bei Heike und Iris schienen die Endorphine Blasen zu werfen. Sie sahen nicht aus, als wären sie gerade 30 Kilometer gelaufen. Ein Dauergrinsen hatte sich auf ihre Gesichter gelegt. Und womit? Mit Recht! Denn nun hatten auch sie diesen Meilenstein in der Vorbereitung erreicht. Nach dem zweiten 30er kamen fünf, sagen wir sechs weitere Läufer zur Gruppe, die diese Distanz bereits hinter sich gebracht haben. Daniel, der schon am Tag zuvor in Norberts Schatten gelaufen war, hatte keine Probleme mit dem "Dreiviertel-Marathon". Auch für Mario schien es keine große Herausforderung gewesen zu sein. Bei Pia hatte man den Eindruck, sie hätte die Strecke hickeln können. Schwester Tina tat sich zwar etwas schwerer und kam auch nicht ganz auf die 30 Kilometer, doch von der Zeit her hätte sie beim Marathon die verbleibende Strecke vermutlich robben können, ohne dass sie der Besenwagen aufgefegt hätte. Außerdem bleiben ja noch zwei Monate. Zeit genug, auch für die restlichen Fünf, sich das rote Kreuzchen in Katjas Liste abzuholen.
9. Februar
Mein Bekannter hat sich beklagt. Es gäbe ja gar nix Neues zu lesen in meinem Alle-Paar-Tagebuch. Und mein Gejammere könne er auch nicht mehr hören. Damit soll nun auch Schluss sein - zumindest mit dem Gejammere, will ja ein Marathon-Läufer sein, kein Weichei. Aber gibt es denn was Neues? Eigentlich nicht. Und das ist auch ein gutes Zeichen. Denn wir haben in den vergangenen gut fünf Monaten schon vieles erlebt, sind bei Sonnenschein, Regen und Schnee gelaufen, haben erst 10, dann 20 und schließlich auch 30 Kilometer hinter uns gebracht, haben Krankheiten und Verletzungen überstanden, sind gestürzt und wieder aufgestanden. Kurzum: Allzu viel Neues werden wir nicht mehr erleben, denn wir sind auf der Zielgeraden der Vorbereitung. Mit Heinz-Joachim, Tina B. aus K., Matthias, Martin, Michael, René, Oliver, Kai, Jürgen, Iris, Mario, Stefan und mir haben sich bereits 13 Läufer auf unserer Gruppe verbindlich (vor)angemeldet und ihre Startgebühr überwiesen. Es deutet sich an, was vorher kaum einer geglaubt hat. Von den 28 Männern und Frauen, die sich im September zu den ersten Trainingseinheiten getroffen haben, werden, nachdem nur Katja, Christina, Diana und Ingrid auf der Strecke geblieben sind, nach vorsichtigen Schätzungen 20 Team-Tageblatt-Läufer am 17. April die 42,195 Kilometer von Arnoldshain nach Weilburg unter die Sohlen nehmen. Das ist ja dann doch etwas Neues. Zumindest für meinen Bekannten.
3. Februar
Hätte ich nicht an diesem Marathon-Projekt teilgenommen, ich hätte einiges verpasst. Ich hätte nie erfahren, dass ich einen Beckenschiefstand habe, nie gewusst, dass ich ein Iliosakralgelenk besitze und wie nervend so ein Ichiasnerv sein kann. Ich hätte vielleicht auch nie gesehen, wie lange morgens um 7.30 Uhr die Schlange vor der Praxis von Dr. Wüstenberg ist. Auch hätte ich womöglich nie mehr meinen Ex-Kollegen getroffen. Seinen Vergleich, dass er jetzt wisse, wie es 1945 vor einer deutschen Bäckerei ausgesehen haben muss, hätte er dann sicherlich einem anderen erzählt. Und ich hätte nie mitbekommen, wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn ihnen gesagt wird, dass der Doktor heute wahrscheinlich keine Zeit für sie hat. Umso dankbarer bin ich, dass er Zeit für mich hatte. Nun bin ich Einlagenträger. Dass Einlagen ganz schön teuer sind, das hätte ich aber nicht wissen müssen.
31. Januar
Es geht doch nix über eine gute Vorbereitung. Eine Woche Laufpause, zwei Termine beim Physiotherapeuten, eine Ibuprofen und den Wecker auf 7 Uhr gestellt. Ich bin gerüstet; wäre ich nicht ein Morgenmuffel. Wecker klingelt, wird ausgestellt - eingeschlafen. Um 7.25 Uhr beginnt dann die große Hektik. Katzenwäsche, um die Toilette tigern, Tee kochen, Ibuprofen suchen, Powerriegel futtern, Nachbar abholen - und ab. 7:59 Uhr. Pünktlich. Die Beteiligung ist sensationell, die Stimmung ebenfalls. Und das bei vier Grad minus und einem 30 Kilometer langen Weg vor der Nase. Ich weiß nicht, ob wir schon ein mal so viel Spaß hatten auf der Strecke. Schön, wenn's auch vom Humor her passt. So verging die Zeit wie im Fluge. Auf dem Rückweg von Weilmünster hat mich dann wohl der Hafer gestochen. Oder war der Super-Duper-Power-Energie-Sirup, den ich mir reingezogen habe, daran schuld? Ich habe mich unsinniger Weise an Matthias und meinen Nachbarn, der den Weiltal-Marathon schon einmal in knapp 3:40 Stunden gefinisht hat, gehängt. Bis Freienfels ging das Ganze auch gut, trotz des üblicken Zwickens in der Hüfte. Dann aber machte erst der linke, dann der rechte Oberschenkel zu. Selbst schuld. Jetzt ging es erstmal im Hopserlauf weiter. Erst an der Lahn lief es wieder rund. Warum eigentlich? Waren es die Endorphine, war es das Adrenalin, das mein Körper in Vorfreude auf das nahe Ziel auschüttete? Es war jedenfalls schöööön. Von diesem körperlichen Zustand konnte in den Stunden danach keine Rede mehr sein. Ein Königreich für einen Rollator! Die Treppen bin ich jedenfalls für den Rest des Tages quer-rückwärts runter gegangen. Aber wie sagt Bernd immer: "Ein Marathon ist auch kein Spaziergang." Egal wie gut die Vorbereitung ist.24. Januar
Es geht nicht mehr, weil es nicht mehr rund läuft. Diese Woche können die Laufschuhe mal so richtig ausdünsten. Ich pausiere bis Sonntag. Es ist eher eine Zwangspause. Das kommt davon, weil ich nicht auf die "Ollis" gehört habe. Schon mein Physiotherapeut Oli Hamm hatte mir eine kleine Auszeit empfohlen. Und Oli Fiedler rief mir dann am Sonntag hinterher, als ich nach unserem 20-Kilometer-Lauf das Auto an der Hainkaserne stehen ließ, um noch die fünf Kilometer nach Drommershausen unter die Füße zu nehmen: "Übertreib's lieber nicht." Ich hab's aber übertrieben. Leider. Jetzt zwickt es im linken Oberschenkel hinten, vorne, oben und unten. Ein vernünftiges Laufen ist da erstmal nicht möglich. Da ich aber versuche, stets positiv zu denken, freue ich mich über den Gesamtzustand meiner unteren rechten Extremität. Kein Anzeichen von Krampf, kein Muskelkater, kein Zwicken. Und das, obwohl ich mir während der 25 Kilometer ein eher unbekanntes Zitat von Trainer-Legende Sepp Herberger zu Herzen genommen habe: "Trinken ist Gift." Ich kann es aber nicht bestätigen, denn ich habe mich danach so trocken gefühlt wie ein Löschblatt.
21. Januar
Nachdem wir nun eine "interne Anmeldefrist" bis zum 15. Februar gesetzt haben, trudeln mit der Einzahlung der Startgebühr die ersten Zusagen ein. Schön ist, dass der ein oder andere sogar die Rubrik "Verwendungszweck" in der Überweisung nutzt, um sich und dem Empfänger Mut zu machen. So übermitteln René und Oliver, als hätten sie sich abgesprochen, mit den 25 Euro unser Motto "Wir schaffen das!" Und wenn wir das schaffen, was wir natürlich tun werden, dann schaffen wir das in einheitlichen Laufhosen. Denn wir haben nach der Zeitungsgruppe Lahn-Dill mit den Regenjacken und der Brauerei Helbig mit den Laufshirts nun mit der Kreissparkasse Weilburg einen weiteren Sponsor. Das heimische Kreditunternehmen, das den Weiltalweg-Landschaftsmarathon schon seit Beginn an unterstützt, beteiligt sich großzügig bei der Anschaffung der Beinkleider. Diese haben sich neben René und Oliver durch ihre Anmeldung auch schon Heinz-Joachim, Matthias, Martin, Tina und Chef-Betreuerein Katja gesichert.
14. Januar
Der Physiotherapeut meines Vertrauens hat Entwarnung gegeben: "Das kriegen wir schon in den Griff." Das Zwicken in der Hüftgegend hat sich nur als Blockade entpuppt, die dem Ichiasnerv zusetzt. Ob es eine Folge der Überlastung oder des leichten Beckenschiefstandes ist, ist unklar, mir letztlich aber auch völlig egal. Es geht weiter! Nicht weiter, zumindest über die Marathonstrecke, geht es für Diana. Sie hat als erste aus unserer Läufergruppe erklärt, allenfalls den Halbmarathon in Angriff nehmen zu wollen. Sie hatte sich noch im Herbst im Allendorfer Stock einen Bänderriss zugezogen und war dadurch im Training weit - aus ihrer Sicht zu weit - zurück geworfen worden. "Schade, ich glaube, dass ich es auch geschafft hätte! Aber es sollte halt nicht sein", meinte Diana, als sie mir ihren Entschluss mitgeteilt hat. Ich glaube auch, dass sie es geschafft hätte, denn sie hat ein Kämpferherz. So wie unsere Reichenborner Tina. So ganz nebenbei hat sie erzählt, dass sie schon 982 Kilometer auf dem Tacho hat. Damit hat sie sogar "Kilometerfresser" Matthias knapp überboten, mich sogar um Längen.
9. Januar
Man lernt nie aus! Deutlich unangehmer als auf Schnee zu laufen, ist es zwei Stunden lang durch den Regen zu traben. Da bleibt keine Stelle des Körpers trocken. Regenjacken haben zwar den Vorteil, dass sie kein Wasser rein lassen, aber sie lassen auch keinen Tropfen raus. Die Körperverdunstungen haben keinen Platz, sich frei zu entfalten. So hätte ich mit meinem T-Shirt anschließend durchaus unser Haus putzen können, wenn meine Frau mich gelassen und ich gewollt hätte. Ich aber wollte nur noch unter die Dusche. Meinen Läuferkollegen ging es sicher ähnlich, denn noch nie zuvor war die Gruppe so weit auseinander gezogen wie an diesem verregneten Sonntagvormittag.7. Januar
Heute ist der Tag gekommen, an dem ich das tun werde, was meine Kumpels getan haben, als sie beim Bund waren, was auch mein Kollege getan hat, ehe er sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Ich werde mir ein ein Meter langes Maßband besorgen und jeden Tag einen Zentimeter abschneiden. Es sind noch exakt 100 Tage bis zum Startschuss in Arnoldshain. Und der Schnee ist auch auf dem Rückzug. Herrliche Aussichten!
5. Januar
Das Jahr begann mit einem klassischen Fehlstart. Zumindest auf der Laufstrecke. Was habe ich mich angestellt auf dem 20-Kilometer-Weg über Ahausen, Selters, Löhnberg nach Biskirchen und zurück. Nach der Hälfte fiel mir jeder Schritt so schwer, als wäre ich zuvor noch nie mehr als zehn Kilometer am Stück gelaufen. Ich kam kaum hinterher. Ich habe mich derart schwer getan, dass es Matthias sogar aufgefallen ist. Wo war bloß der Trainingseffekt geblieben? So hatte ich mich vor drei Monaten nicht über 20 Kilometer quälen müssen. Das kann doch nicht nur daran gelegen haben, dass es mich seit einigen Wochen in der Hüftgegend zwickt. Am nächsten Tag lief es Gottseidank wieder besser. Die Strecke war aber auch fast um die Hälfte kürzer. Nach einem Tag Pause habe ich deshalb auf 15 Kilometer erhöht. Es ging so. Es hat wieder gezwickt. Mein nächster Weg führt deshalb jetzt erstmal zum Physiotherapeuten. Ich hoffe, er biegt mich wieder gerade und sagt mir dann: Stell dich nicht so an!
31. Dezember
Zum Jahresende gerät so einiges ins Stocken. Die Erklärungen dafür sind simpel. Neue Einträge in mein Marathon-Tagebuch fielen meinem Redaktionsurlaub bei gleichzeitigem Absturz des heimischen Laptops zum Opfer. Doch das ist nur eine Randgschichte. Bedauerlicher ist da schon, dass die Teilnahme an den gemeinsamen Laufeinheiten zum Jahresende zu wünschen übrig ließ. Doch auch dafür gibt es gute Gründe: Einer liegt vor der Tür und ist weiß. Ein anderer ist der Weihnachtsstress, der uns nur selten zur Ruhe kommen ließ, weil er uns von Braten zu Braten und von Kuchen zu Kuchen trieb. Ich selbst habe auch hier und da geschwänzt und manches Sträußchen mit dem inneren Schweinehund gefochten, ehe ich dann doch alleine auf eine Runde gegangen bin. Der Kampf war besonders heftig, weil mir von Drommershausen aus angesichts der nahezu unpassierbaren Waldwege nur eine Strecke blieb, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie mal laufend bewältigen würde. Sie führt über Ahausen und Selters. Die Steigung vom kleinen Lahndörfchen aus hinauf an die alte Eiche, die den höchsten Punkt zwischen Selters und Drommershausen markiert und mit dem Pkw quasi nur im zweiten Gang erreichbar ist, hat es in sich und wurde durch die geschlossene Schneedecke zu einer besonderen Herausforderung. Da erschwerend hinzu kommt, dass ich keine Bergziege bin, habe ich mich bei der Besteigung gefühlt wie weiland Jan Ullrich bei seinem Hungerast am Alp d' Huez. Aber wie sagte schon Fußball-Trainer Felix Magath: Qualität kommt von quälen. Also bin ich die Strecke am nächsten Tag wieder gelaufen. Und drei Tage später erneut. Der Anstieg hat seinen Schrecken schnell verloren. Treisberg, du kannst kommen! Zum Jahresende gibt es auch noch zwei gute Nachrichten. Seit dem 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Und an Heiligabend haben wir "Bergfest" gefeiert. Seitdem ist die Zeit bis zum 17. April kürzer als die Strecke, die seit dem Trainingsstart am 1. September hinter uns liegt. Um genau zu sein. Es sind noch 107 Tage. Gehen wir sie nach einem guten Rutsch in ein vor allem gesundes Jahr 2011 an!
21. Dezember
Der Wille ist da, aber der Weg fehlt. Die ergiebigen Schneefälle der vergangenen Tage haben dafür gesorgt, dass es in diesen Tagen schwer fällt, eine Strecke zu finden, auf der es sich laufen lässt. Bei meiner Premiere bei einer sonntäglichen Laufeinheit war es ganz übel. Auf dem Leinpfad ging ebenso wenig wie Richtung Weiltal. Auch die Straßen waren kaum passierbar. Doch irgendwie geht es immer vorwärts. Und wenn es mitten auf dem Ahäuser Weg ist. Wir konnten uns das erlauben, weil uns zwischen Tunnel und Oberlahn-Brücke nur ein Auto begegnete. Lebhafter war es da schon in Ahausen und Selters. Nicht was den Verkehr betraf. Dafür waren aber etliche Dorfbewohner bemüht, ihre Gerechtigkeit von den Schneemassen zu befreien. Gerade in Selters trafen uns von diesen fleißigen Bürgern doch einige ungläubige bis verstörte Blicke. So ungefähr müssen sich die Amerikaner gefühlt haben, als sie 1945 in das berühmte Dorf an der Lahn einmarschiert sind. So nach dem Motto: Wie? Ist der Krieg schon aus? Aber wahrscheinlich waren die Amis gar nicht in Selters. Weil es damals noch keinen richtigen Weg ins Dorf gab.
17. Dezember
Noch vier Monate! Heute in 120 Tagen fällt der heiß ersehnte Startschuss im Weiltal. Nur gut, dass Zeit bleibt, denn es gibt noch einiges zu tun. Das hat mir der Merenberger Adventslauf gezeigt. Nicht dass ich mit meiner Zeit von 1:17 Stunden über 15 Kilometer unzufrieden gewesen wäre. Aber ich bin nicht gerne Letzter. Aber ich war Letzter. Zumindest in meiner Altersklasse. Und dass meine Häscher mich noch eingeholt, überholt und schließlich distanziert haben, hat mich auch geärgert. Es ist schon ein ungutes Gefühl, von den Teamkollegen verfolgt zu werden und immer ein neongelbes Trikot im Augenwinkel zu haben. Bitter wirde es, wenn das Neongelb immer näher und näher kommt. Und als dann nacheinander Mario, Oli und Regina an mir vorbei gezogen sind, war das für mich und meine Beine wie ein Schlag vom berühmten "Mann mit dem Hammer". Von wegen "lös doch mal die Handbremse", wie es Norbert nach der zweiten Runde gefordert hatte. Ich hatte nun das Gefühl, den Rückwärtsgang eigelegt zu haben. Ich muss also was tun. Deshalb verspreche ich mir an dieser Stelle hoch und heilig, erstmals auch am Sonntagmorgen mit der Gruppe zu laufen. Ich hoffe nur, das ich nicht vergesse, meinen Wecker zu stellen.
10. Dezember
15 Wochen Lauftraining mit 45 Einheiten und fast 600 Kilometern hinterlassen ihre Spuren. Ich habe abgenommen. Wir haben zwar keine Waage im Haus, aber die Hose lügt nicht und rutscht. Und Menschen, die mich länger nicht gesehen haben, sind entsetzt und fragen: Wie siehst du denn aus? Es ist nicht als Kompliment gemeint. Denn die Pfunde purzeln an den falschen Stellen. Angefangen im Gesicht. Auf dem Dorf sagt man zu solchen Leuten: "Der sieht aus wie die teuer Zeit." Erwischt hat es auch das einstige Vorzeigekörperteil - so zumindest die Meinung der ein oder anderen weiblichen Begutachterin. Ich selbst habe ihn ja noch nicht gesehen. Jetzt aber heißt das Motto: "Hose mangels Arsch zu verkaufen." Okay, der Bauch ist auch etwas flacher geworden, aber das Hüftgold bleibt an Ort und Stelle. Also doch nach Polen zum Fettabsaugen, wie es ein guter Freund schon seit Jahren vorschlägt? Dafür fehlt das Geld; investiert in Laufklamotten und neue Jeans. Ich hefte mir am besten einfach einen "Button" ans Revers mit der Aufschrift: Ich bin nicht krank, ich trainiere nur für einen Marathon.
5. Dezember
Ich behaupte: Eine zehn Kilometer lange Strecke muss nicht zwingend zehn Kilometer lang sein. Zumindest dann, wenn man diese im Schnee abläuft. Bergauf habe ich das Gefühl, bei jedem Schritt um einige Zentimeter zurück zu rutschen. Das Laufen wird zum Tanzen. Zwei vor, einer zurück. Bergab kommt dann noch der Wiegeschritt und die halbe Drehung dazu. Wenigstens bin ich unfallfrei wieder zu Hause angekommen. Im Gegensatz zu Martin. Er hat zu lange überlegt, ob er nach links oder doch geradeaus laufen soll. Dabei hat es ihn zerlegt. Hüfte geprellt. Zwangspause. Wer ist eigentlich haftbar, wenn es einen nicht im Wald, sondern auf dem Gehsteig auf die Nase schlägt? Denn mancher Bürger nimmt es mit der Räumpflicht vor seinem Grundstück nicht allzu genau. Wir gehören auch dazu. Um 14 Uhr ist der Schnee vor unserer Hofeinfahrt noch nicht geschoben. Meine Frau muss es wohl vergessen haben.1. Dezember
Wer hat denn da bloß die Heizung ausgestellt? Ich muss es so deutlich sagen: Es war saukalt! -8 Grad Außentemperatur hat das Thermometer in meinem Auto angezeigt. Von der gefühlten Kälte will ich nicht reden. Ich kann es auch gar nicht, denn gefühlt habe ich wenig. Es war ja zu kalt. Ich wollte auch nichts fühlen. Deshalb habe ich das, was ich unbedingt musste, aber nicht wollte, weil es ja zu kalt war, mit nach Hause genommen. Aber sonst wurde nicht gekniffen. Wir haben uns , wenn auch in bescheidener Gruppengröße, durch den verschneiten Merenberger Forst gepirscht. Dabei wird einem auch bewusst, was all die Menschen leisten, die Tag ein, Tag aus im Freien arbeiten. Nur gut, dass in meinem Büro keiner die Heizung ausgestellt hat.
30. November
Wir haben "unser" erstes Baby! Lauffreund Daniel Schwarzer ist um 2:48 Uhr zum zweiten Mal Vater geworden. Levi ist 3050 Gramm schwer, 49 Zentimeter groß und erfreut sich wie auch Mutter Yvonne bester Gesundheit.
29. November
Kalendarisch sind wir noch im Herbst, aber meterologisch schon in den Winter eingetaucht. Und siehe da: Es tut gar nicht weh, im Schnee zu laufen. Ein Bekannter meinte kurz vor meiner Abfahrt zum Lauftreff noch zu mir: "Hut ab, dass du das durchziehst. Mir wären heute einige Gründe eingefallen, um abzusagen." Mir sicherlich auch, aber jetzt wird nicht mehr gekniffen. Der entscheidende Moment ist der, die Tasche zu packen. Ist dieser Schritt überwunden, läuft es von selbst. Das Laufen im Schnee hat sogar Vorteile, denn die Landschaft wird in den Abendstunden aufgehellt. Nun sehen wir auch wieder, wohin wir laufen.
27. November
Respekt, Leute! Was da einige Lauffreunde auf zehn Kilometer in den Villmarer Asphalt gebrannt haben, verdient Anerkennung. 13 Männer und Frauen haben das "Team Tageblatt" beim Dorflauf im Marktflecken vertreten und glänzende Zeiten hingelegt. Michael Treutel kratzt bereits an der 45-Minuten-Marke. Den langen Haxen sei Dank. Gar Kreismeisterin darf sich Regina nennen. Gemeinsam mit Katja und Caro hat die Reichenborner Frohnatur den Titel in der Staffelwertung der Altersklassen W40/45 gewonnen. Bei mir hat sich die veränderte Frühstückstaktik mit der Reduzierung auf ein Marmeladen-Brötchen bezahlt gemacht. Mein Ziel, unter 50 Minuten zu bleiben, habe ich deutlich geschafft. Allerdings ist die Steigerung gegenüber Pohlheim vielmehr mit der brettflachen Strecke zu erklären. Der Rundkurs hatte sogar ein Gefälle, aber irgendwie gar keine Steigung. Ein topografisches Wunder etwa? Schön war auch, dass ich die inoffizielle "Drommershäuser Ortsmeisterschaft" gegen Tina knapp für mich entschieden habe. Hätte sie meine Schuhgröße, wäre der "rote Blitz" aber sicherlich vor mir im Ziel angekommen.
22. November
Fünf Wochen lang war sie krank, jetzt läuft sie wieder, Gottseidank! Gut einen Monat nach ihrem Bänderriss im Merenberger Forst ist Diana wieder auf der Piste. Die zehn Kilometer am Stück hat sie noch drauf. Das macht Mut, denn noch bleiben fast fünf Monate bis zum Startschuss in Arnoldshain. Das reicht locker. Den bevorstehenden Dorflauf in Villmar lässt sie noch aus. Dort wird das "Team Tageblatt" aber stark vertreten sein. Bei den gleichzeitig ausgetragenen Kreismeisterschaften peilt die Gruppe, die offiziell für die Farben des SC Oberlahn starten wird, sogar einen Podestplatz an - zumindest in der Staffel. In dieser Altersklassen übergreifenden Wertung werden bei Männer und Frauen die jeweils drei Schnellsten zusammengefasst. Unsere Rechnung: Die ersten beiden Plätzen machen der LC Mengerskirchen und die LG Brechen unter sich aus. Die anderen Kreisvereine kriegen keine drei Leute zusammen. Und schon ist Bronze sicher. Auf diesem Weg wartet allerdings eine bittere Erfahrung auf uns. Da es sich um einen fünf Mal zu durchlaufende Rundkurs handelt, droht eine Überrundung. Es werden vermutlich sogar zwei. Matthias will sich dagegen wehren. Wir sollten ihm helfen und einfach nebeneinander laufen. So breit kann keine Straße sein, dass da noch einer vorbei kommt. 17. November
Zeiten ändern sich. Da spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden live im ZDF und der Bethke sitzt mit seinen Läuferkollegen bei einem alkoholfreien Weizenbier zum Stammtisch im Weilburger Hof und macht sich Gedanken, was er am 17. April drunter trägt. Es ist schon komisch. Ich hätte nie gedacht, dass es mir mal wichtiger sein wird, über die Lauferei zu quatschen als auf der heimischen Couch der schönsten Nebensache der Welt zu frönen. Aber der Marathon-Virus hat mich längst infiziert. Und das Schöne ist: Der Tag der Tage rückt immer näher. Bei unserem zweiten Treffen fernab von Merenberger Forst, Leinpfad und Weiltalweg waren es exakt noch fünf Monate. Hinter uns liegen bereits elf Trainingswochen mit in meinem Fall geschätzten 400 Kilometern. Zugegeben: Die Motivationskurve geht im November etwas nach unten, denn trübes Herbstwetter bei früh hereinbrechender Dunkelheit kann schon aufs Gemüt drücken. Doch dann greift die Gruppendynamik. Die Plaudereien mit den Läuferkollegen haben schon was. Sie sind mal ernst und nachdenklich, meist aber fröhlich und humorig. Es wird gelacht, gequatscht und getratscht. Auch beim Stammtisch. Und das ist doch viel schöner als ein trostloses 0:0.
13. November
Die Taktik bei meiner Wettkampfpremiere ging voll auf. Aber nur auf den ersten Metern. Ich überholte einen nach dem anderen, was recht einfach war, da ich mich ziemlich weit hinten aufgestellt hatte. Doch was war plötzlich los? Ich bekam kaum Luft, mein Magen rumorte. Schnell war klar: Ich hatte die völlig falsche Frühstückstaktik gewählt. Rund viereinhalb Stunden vor einem Lauf über zehn Kilometer so zu futtern wie an einem stinknormalen Samstag, war keine gute Entscheidung. Der Kaffee meldete sich ebenso wie das Nutella-Croissant. Da kam der erste Anstieg völlig unpassend. Die ersten zogen an mir vorbei. Als es in Watzenborn-Steinberg wieder begann, zu regnen, driftete ich gedanklich in die Fäkalsprache ab. Was tat ich mir hier bloß an? Mir ging es echt bescheiden. Ich frage mich: Gibt es wirklich nur einen inneren Schweinehund? Ich hatte das Gefühl, ich lief inmitten eines ganzen Rudels. Aber aufhören? Nein! Da müsste mich schon der Schlag treffen, zumal die gelben Laufshirts von Matthias und Katja noch in Seichtweite waren. Das waren sie nach Kilometer sieben nicht mehr. Und als mir bei Kilometer acht die ersten Strategen entgegen kamen, die schon beim Auslaufen waren, sank meine Motivation auf den Nullpunkt. Aber was war eigentlich mit meinem Ziel, unter 50 Minuten zu laufen? Keine Ahnung! Ich trage keine Uhr. Und mein Vorhaben, mich an Matthias zu orientieren, dem ich diese Zeit locker zutraute, ging in die Hose. Immerhin hatte ich mit dieser Einschätzung Recht. Matthias blieb nur knapp über 49 Minuten, ich hingegen deutlich über 51 Minuten. Herrje, war ich enttäuscht. Doch die nächste Gelegenheit, alles besser zu machen, kommt schon am 27. November beim Villmarer Dorflauf. Und dann überlege ich mir das mit den Spiegeleiern zum Frühstück auch noch einmal.
11. November
Es wird ungemütlich. Der November zeigt sich von seiner widerlichen Seite und untermauert damit seinen zwölften Platz in meiner Hitparade der beliebtesten Monate. Ich bin mir sicher: Wer jetzt bis zum ersten brennenden Kerzlein auf dem Adventskranz durch- und seinen Trainingsplan einhält, der steht, wenn er denn von Verletzung und Krankheit verschont bleibt, am 17. April an der Startlinie. Also her mit den Sprüchen, mit denen wir uns motivieren und unsere Ausreden als solche entlarven. Platz drei geht an: Nur die Harte komme in de' Garte!
Auf Rang zwei: Ich bin doch nicht aus Zucker!
Und angefochten auf Position eins Großmutters Weißheit: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!
Was Oma jedoch vergessen hat: Ich kann nicht mit Gummistiefel laufen. An nassen Füßen führt also weder im Merenberger Forst noch entlang Waldhäuser Felder kein Weg vorbei. Echt unangenehm. Also bloß nicht daran denken. Ablenkung tut not. Nur gut, dass uns der Gesprächsstoff nicht ausgeht. Und wenn alles bequatscht ist, dann schalte ich mein Kopfkino an. In der Hauptrolle seit einer Woche ein großes Stück heiße Fleischwurst. Mein Hirn kombiniert zwei akute Bedürfnisse miteinander: Essen und warmes Wasser. Der Körper bekommt schließlich, was er fordert, und freut sich schon aufs nächste Mal.6. November
Die Aufgabenstellung: Laufen, Duschen und Umziehen in 75 Minuten - und ab zum Termin. Das Problem: Allein für die Strecke habe ich bislang meist genau fünf Viertelstunden gebraucht. Die Möglichkeiten: Abkürzen - kommt nicht in Frage; Termin verschieben - keine Chance. Ich erinnerte mich stattdessen an eine Empfehlung eines Fußballkameraden nach ein um Längen verlorenes Laufduell: "Wenn du langsam bist, musste dich halt beeilen." Ich beeilte mich. Die Konsequenz: Schon am ersten Hügel habe ich gefaucht wie weiland der Großvater nach dem Konsum einer halben Schachtel Eckstein. Doch Katja hat beim Frankfurt-Marathon gezeigt, dass es die einfachste Wahl wäre, aufzugeben, sein Ziel aus den Augen zu verlieren. Krämpfe konnten sie auf 42,195 Kilometer nicht aufhalten. Warum also sollte mich kurzzeitige Schnappatmung auf nicht mal einem Drittel dieser Strecke aufhalten? "Quäl' dich, du ....!", sagte ich mir. Als die Kirchturmuhr in Sichtweite war - ich laufe auch in der zehnten Trainingswoche noch ohne Uhr, nur nach Gefühl - war klar, dass sich die Mühe gelohnt hatte. Statt der befürchteten Katzenwäsche blieb sogar noch Zeit zum Duschen. Doch ich merkte schnell: Ich war schlagskaputt. Deutlich früher als normal fielen mir die Augen zu. Es kann aber auch an Michelle Hunziker gelegen haben.
1. November
Ich gebe es zu: Alleine im Stockdunkeln zu laufen, ist nichts für mich. Diese Erkenntnis kam mir bei unserem ersten Training nach der Zeitumstellung. Ob es daran lag, dass ich in meiner Kindheit zu viele Gespenster-Geschichten gelesen habe oder mich der leichte Dunst, der über der Lahn lag, an den Grusel-Film "Nebel des Grauens" erinnert hat? Mich hätte jedenfalls ein ungutes Gefühl beschlichen, wenn ich alleine auf etwas Glühendes und Blinkendes zugelaufen wäre, während es in den Büschen raschelte und in der Nähe ein Hund bellte. Was da glühte und blinkte, entpuppte sich als Spaziergänger mit Zigarette. Und der Köter gauzte dann doch auf der anderen Lahnseite. Immerhin hört man im Dunkeln offensichtlich besser. Es war echt finster, nur auf dem Anstieg hinauf nach Selters leuchteten uns ein paar Laternen den Weg. Das Dorf selbst hat einen besonderen Charme, der vor allem im alten Ortskern in den diesigen Abendstunden unweigerlich an eine Kulisse aus einem Edgar-Wallace-Film erinnert. Hier konnten wir es uns sogar erlauben, mitten auf der Straße zu laufen. Man muss schon großes Pech haben, zu späterer Stunde in Selters überfahren zu werden. Es begegnte uns weder Mensch noch Tier. Erst auf dem Rückweg bei Ahausen wurde es wieder lebhafter. Am Ufer saß ein Angler. Diese Beobachtung sorgte dafür, dass ich mir sinnentleerte Fragen stellte. Sieht ein Fisch den Köder auch bei Nacht? Und wann ist es nachts eigentlich am dunkelsten? Und wie hätten Hänsel und Gretel den Weg gefunden, wenn kein Mond da gewesen wäre, der ihre Kieselsteine angestrahlt hätte?Laufen in der Dunkelheit hat schon was!
25. Oktober
Es ist geschafft. Die Marathonstrecke ist bewältigt - wenn auch nur per Rad. Ein Teil der Läufergruppe hat die letzte Fahrt des Weiltalwegbusses genutzt, um Mensch und Maschine von Weilburg aus in den Hochtaunuskreis kutschieren zu lassen. Von Arnoldshain strampelte der Tross, Wind und Wetter trotzend, wieder zurück. Wie es lief, beschreibt Stefan Würz, der die Tour organisiert hatte, in launigen Worten:
"Nach der Ankunft in Schmitten haben wir uns, angeführt von Katja, zunächst bergan zum eigentlichen Start des Marathons an der Hattsteinhalle in Arnoldshain in Bewegung gesetzt. Tja, und von da an ging es ja eigentlich nur noch bergab in Richtung Weilburg. Hätten nicht die Wegebauer einige schöne und gemeine Steigungen eingebaut - aber man will ja schließlich auch ein wenig Abwechslung haben. Die erste richtige Steigung kurz hinter Hunoldstal war dann auch gleich eine ganz ordentliche. Hier geht der Lauf über die Straße einen knappen Kilometer bergan. Oben angekommen, hatte sich die Radgruppe schon deutlich auseinandergezogen. Und so beschlossen wir, in zwei Gruppen - sportlich oder gemütlich - weiterzufahren. Wie dem auch sei, diese Steigung sollte nicht die letzte - wenn auch die größte - gewesen sein. Bis Weilmünster-Audenschmiede hat die Strecke immer mal wieder, zum Teil auch längere Steigungsstücke zu bieten. Der Streckenverlauf ist damit aber sehr abwechslungsreich, verläuft mal durch Waldstücke über Schotter und Split, mal durch Orte über Teer oder auch schon mal ein Stück auf einem schmalen Wanderpfad. Mehrmals sind Straßen zu überqueren, die aber beim Lauf gesperrt sein werden, so dass hier keine Gefahr besteht. Ach ja, das Wetter! Es war beim Start zwar nicht gerade warm, es dürften in Schmitten wohl so um 4 bis 6 Grad gewesen sein, aber dafür hat sich die Sonne im Laufe des Tages doch häufiger gezeigt, als wir dies erwartet hatten. Kalte Finger und Füße waren spätestens nach dem zweiten Anstieg vergessen und wir sind - bis auf ein kurzes Regenintermezzo in Weilmünster - trocken in Weilburg angekommen. Die erste Gruppe war gegen 13.30 Uhr wieder am Ausgangspunkt der Fahrt angekommen und stellte erstaunt fest: Puh, das war jetzt eine Tour von gut 3 1/2 Stunden (kleinere Pausen eingerechnet) mit dem Rad, die besten Marathonläufer machen das locker zu Fuß in einer Stunde weniger!!! Es war schon anstrengend, hat aber Spaß gemacht und sicher jedem einige Erkenntnisse für den Lauf gebracht. Insbesondere das Wissen, dass der Lauf zwar landschaftlich sehr schön ist, aber von der Streckenführung mit Sicherheit nicht zu den einfacheren zählt. Nun ja, da wird wohl jeder nochmal grübeln, auf welches Abenteuer er sich da eingelassen hat ... Im Rahmen des Trainings wird sich noch die Möglichkeit bieten, einige Passagen schon mal zu laufen und dann zu erfahren, wie sich der ein oder andere Anstieg zu Fuß anfühlt. Katja meinte jedenfalls: Beim Laufen ist das nicht so anstrengend, da merkst du den Berg kaum." Wir glauben ihr!
21. Oktober
Verdammt noch mal! Jetzt ist es passiert. Dianas Begegnung mit dem Ast im Merenberger Forst beim Training am Mittwoch verlief doch folgenschwerer als gedacht. Sie hat sich ein Außenband gerissen. Ihre Befürchtung: "Jetzt falle ich um Wochen zurück." Doch sie hat auch versprochen, nicht aufzustecken. Ihr Vorteil: Sie ist zäh und hat Ehrgeiz! Sie kommt zurück. Ganz bestimmt.
Deutlich angenehmer war da die Begegnung, die ich am Donnerstag bei meinem Privatläufchen im Drommershäuser Wald hatte. Ich traf meinen Nachbarn. Eigentlich nichts besonderes in einem 500 Seelen Dorf. Doch Mario Heil zählt neben Martin Wolaschka zu den zwei Mitbürgern, die bereits einen Marathon absolviert haben. Um genauer zu sein. Er hat schon drei Mal gefinisht. Natürlich im Weiltal. Er ist dieser Typ Läufer, den der Virus infiziert hat, als die Fußballer-Laufbahn langsam ausklang. Eben ein Bewegungstier. Und er ist quasi ein Autodidakt. Also einer, der seinen eigenen Weg gesucht und gefunden hat, um 42,195 Kilometer schadlos zu überstehen. Er läuft in keiner Gruppe. Nicht etwa, weil er kein geselliger Kerl ist, sondern weil er durch seinen Beruf keine festen Trainingszeiten einhalten kann. Und er läuft schnell. Schon bei seiner Premiere benötigte er nur 3:42 Stunden. Sicherlich kein Maßstab für das Gros aus unserer Gruppe, auch wenn sicher einige die Vier-Stunden-Marke anpeilen. Ich zähle nicht dazu. Denn aus einem Ackergaul kann man kein Rennpferd machen. Hinter diesem uns allen bekannten Sprichwort steckt viel Wahrheit. Auf jeden Fall aus sportmedizinischer Sicht, denn es gibt schnelle und langsame Muskelfasern. Und die sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich verteilt. Auch Training hat eben seine Grenzen. Deshalb bleibt es für mich dabei, wenn es am 17. April 2011 dann tatsächlich soweit sein sollte: Loslaufen und irgendwann ankommen. Mit Diana und den anderen 24.
18. Oktober
Das war doch mal ein Ausrufezeichen! Beim Gießener Volks- und Straßenlauf in den Wieseck-Auen haben alle Starter aus dem "Team Tageblatt" beim Halbmarathon die Zwei-Stunden-Marke geknackt. Und das teilweise mehr als deutlich: Mit dem Vorteil seiner "guten Übersetzung" fegte Michael Treutel in 1:43:57 Stunden über die Strecke und hängte dabei auch seine Marathon erfahrene, bessere Hälfte Caro (1:48:51) ab. Zwischen den Treutels lief der stark auftrumpfende "Trainings-Weltmeister" Matthias Schulz in 1:46:01 Stunden ins Ziel. René Schuy (1:51:43) und Kai Riedl (1:53:52) blieben ebenfalls locker unter zwei Stunden. Hans Burkhard machte es da schon etwas spannender (1:59:38). Das Betreuer-Team des SC Oberlahn ließ aufhorchen: Norbert Heilmeyer war Schnellster der heimischen Gruppe und benötigte nur 1:40:20 Stunden. Katja Schmidt folgte mit neuer persönlicher Bestzeit in 1:41:10 Stunden. Und Dieter Janiczek hatte keine Last mit der Zwei-Stunden-Marke, die er in 1:55:04 Stunden klar unterbot. Über zehn Kilometer kämpfte sich trotz einiger "Zipperlein" Heinz-Joachim Rahde in 1:21:44 Stunden ins Ziel. Diese Leistung der Trainingskameraden sollte allen Mut machen und zusätzlich Motivation für die nächsten Einheiten geben. Und wer dann vor Michael Treutel ins "Ziel" kommt, kriegt einen ausgegeben.15. Oktober
Wir Deutsche mögen ihn einfach - den Stammtisch. Und so war dann auch die Premiere unserer Läufergruppe im "Weilburger Hof" gut besucht. 20 Leute hatten sich nach der Runde im Merenberger Forst gewaschen und gefönt getroffen, um die ersten sechs Trainingswochen mit rund 200 Kilometern Revue passieren zu lassen, um mit einem alkolholfreien Weizenbier auf das bisher Geleistete anzustoßen und um die Speisekarte in der Weilburger Traditionsgaststätte zu testen. Und um nach vorne zu blicken. Der 17. April hat sich nämlich fest in das Gehirn der angehenden Marathonis eingeprägt. So zielten auffallend viele Frage auf den Tag der Tage in 2011 hin. Wie komme ich am besten nach Arnoldshain? Wo stelle ich mich beim Start auf? Was esse ich vorher, was zwischendurch, was danach? Wieviel trinke ich? Was trinke ich? Wann kommt der Mann mit dem Hammer und was macht er mit seinem Hammer eigentlich? Diese Fragen haben eines gemeinsam: Sie zeugen von Optimismus und dem festen Glauben daran, dass uns nichts mehr stoppen kann. Wohlwissend, dass sich die Trainingsleistung langsam steigern muss. Die Marathonistanz, auf die Woche verteilt, sollte es im November und Dezember schon sein. Im Janauar geht es dann einmal über mindestens zwei Stunden. Aber zuvor steht der nächste Stammtisch an. Dann wird es sicher wieder einen Grund geben, um anzustoßen.
11. Oktober
So ein Lauftraining hat schon komische Nebenwirkungen. Bei mir ist es der Heißhunger auf Schokolade. Ein solches Gefühl kannte ich bislang nur dann, wenn es am Wochenende mal etwas später wurde. Dann habe ich in Ermangelung von Alternativen schon mal in ein Leberwurstbrot gebissen, obwohl ich Leberwurstbrote hasse. Nun also Schokolade, die geschmacklich deutlich sympathischere Alternative. Doch der Blick in den "Schnaggel-Schank" war ausgerechnet nach meiner bislang längsten Laufeinheit, die ich am Montag meiner Verspätung zu verdanken hatte, ein entsetzlicher: Die Vorräte waren fast aufgebraucht. Nur noch ein Riegel Kinderschokolade lag in der Schachtel. Das konnte ich der Tochter nun doch nicht antun, zumal die Kleine mit dem Begriff Mundraub nicht allzu viel anfangen kann. Was blieb, war der Griff in die immerhin noch fast volle Tüte mit dem russischen Brot. Nachdem ich zwei Buchstaben verschlungen hatte, war mir klar, warum die Tüte noch so voll war. Dieses Gebäck ist wohl so etwas wie das Leberwurstbrot unter den Plätzchen.
10. Oktober
Es ist amtlich. Der dritte Abgang steht fest. Er hat sich früh abgezeichnet, denn nach der ersten Trainingseinheit war von Christina nichts mehr zu sehen oder zu hören. Schade eigentlich, denn sie hatte sich zum Auftakt gut geschlagen.
7. Oktober
Nach dem Ende der fünften Trainingswoche und rund 160 Kilometern steht fest: Ich bin weder Bergziege noch Frühauf-Läufer. Und das macht mir Sorgen. Von Arnoldshain nach Weilburg geht es insgesamt gesehen zwar bergab, doch zwischendrin hügelt es doch immer wieder. Was mich aber noch mehr umtreibt ist, dass ich morgens nicht in die Pötte komme. Es läuft sich einfach nicht so leicht wie am Abend. Ich merke das immer wieder, wenn ich das Mittwochtraining am Morgen danach nachhole. Dabei fällt der Startschuss aber doch morgens um 9 Uhr, wenn bei mir die Läuferwelt noch so gar nicht in Ordnung ist. Und dann noch dieses Treffen im Supermarkt. Er hat schon neun Marathons hinter sich, erzählte er. Und er hatte einen Tipp, wenn's am Abend zeitlich eng werden sollte. Einfach vor der Arbeit laufen, mal um 5 Uhr aufstehen. Auch Bernd Tinsel hat mir schon von dieser Art Frühsport berichtet. Ist das das Holz, aus dem ein Marathoni geschnitzt ist?
6. Oktober
Es ist passiert. Die Gruppe verzeichnet den ersten Abgang. Katja aus Freienfels schafft es zeitlich einfach nicht, hat sie geschrieben. Nachvollziehbar, denn es bleibt dabei: Die Woche hat sieben Tage und ein Tag 24 Stunden. Und manchmal haben wir dann noch das Gefühl, dass einer an der Uhr gedreht hat. Ein weiterer Teilnehmer, der sich zwar angemeldet hatte, sich aber nie blicken ließ, wurde ausgeschlossen. Nr. 3 wird wohl bald folgen. Aber schon jetzt bin ich mir ganz sicher: Den Rest, immerhin noch 26 Männer und Frauen, wird so schnell nichts umhauen. Jawoll, Leute, wir schaffen das! 4. Oktober
Die Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit hat begonnen. Und zwar am hintersten Wühltisch in Reihe zwei; passender Weise gleich neben der Tiefkühlkost. So früh war ich wohl noch nie bei Aldi. Aber das Jagdfieber hatte mich gepackt. Ich war plötzlich ein Schnäppchenjäger. Eine ungewohnte Rolle für mich, in der ich mich aber trotz der frühen Stunde wohl fühlte. Seit ich im Prospekt von den Angeboten gelesen hatte, war ich auf den Verkaufsstart fixiert. Andere aber auch. Unglücklicherweise tragen diese meine Größe und haben noch mehr Gold im Mund als ich, denn ihre Morgenstund' lag vor meiner. Das Objekt meiner Begierde war auf den ersten Blick nicht zu finden. Also tat ich das, was ein Wühltisch von mir erwartet. Ich wühlte. Mit Erfolg. Da lag sie, meine gefütterte Laufjacke in Größe 52. Erfolgreiche Schnäppchenjäger sind glückliche Menschen. Und süchtig sind sie auch. Auf die Jacke packte ich nämlich noch Handschuhe, Mütze, Funktionsshirt und zur Feier des Tages einen Schokokuchen. Das muss wohl das "Prinzip Aldi" sein.
29. September
Die Gesellschaft ist geschlossen. Mit dem letzten Training im September gibt es nun keine Möglichkeit mehr, sich dem "Team Tageblatt" anzuschließen. Der Merenberger Forst kann aufatmen. Mehr werden's nicht mehr. Eher weniger. Erste Anzeichen gibt es dafür, offizielle Abmeldungen indes noch nicht. Derweil werden erste Stimmen laut, in der Gesellschaft selbige durch gesellschaftliche Aktivitäten zu fördern. Stichwort Stammtisch. Und weil es so schön war, lassen wir Wikipedia nochmal zu Wort kommen: "Ein Stammtisch ist sowohl eine Gruppe von mehreren Personen, die sich regelmäßig in einem Lokal trifft, als auch der (meist größere und oft runde) Tisch, um den sich diese Gruppe versammelt. Stammtische sind nicht organisierte Treffen und daher nur ein freiwilliger, aber doch verbindlicher Zusammenschluss von Teilnehmern." Noch Fragen? Achso! Wann & wo:? Am Mittwoch, 13. Oktober, 20 Uhr, im Weilburger Hof. Auch wenn es dort kleine, eckige Tische geben soll.
26. September
Das Internet-Lexikon "Wikipedia" schreibt: "Das Gewissen wird im Allgemeinen als eine besondere Instanz im menschlichen Bewusstsein angesehen, die sagt, wie man urteilen soll. Es drängt, aus ethischen bzw. moralischen und intuitiven Gründen, bestimmte Handlungen auszuführen oder zu unterlassen." Da sag ich nur: Schön, ein Gewissen zu haben. Vor allem ein schlechtes Gewissen - zumindest manchmal. Wäre das nicht ab und an da, sähe es vermutlich schon düster aus im Hinblick auf das große Ziel, das am 17. April an der Weilburger Hainkaserne liegt. Drei Mal in Folge gibt's nämlich kein Trainingskreuzchen für mich. Ehrlich, ich konnte wirklich nicht, vielmehr wurde ich nicht gekonnt. Aber das Ergebnis ist dasselbe: Training verpasst. Doch dafür haben wir ja unser Gewissen. Die schlechte Ausgabe davon hat dafür gesorgt, dass das Gewissen eine Wandlung zum Guten erfuhr. Aber erst nach rund 75 Minuten in den heimischen Wäldern. Statt am Mittwoch am Donnerstag, statt am Sonntag bereits am Samstag und statt am Montagabend am mittelfrühen Morgen. Schön, dass du da bist, du schlechtes Gewissen.
20. September
Sagt mal: Habt ihr's auch schon gespürt? Da tut sich doch was! Ich hab's gemerkt, als ich nach dreiwöchiger Pause mal wieder meiner Hausstrecke einen Besuch abgestattet habe. An der Topografie hatte sich nichts geändert. Von unten nach oben geht es noch immer bergauf. Also musste es an mir gelegen haben, dass es mir leichter fiel, den Höhenunterschied zu bewältigen. Hatte ich einfach nur einen guten Tag? Den hatte ich sicher nicht. Die Vorbereitung am Abend zuvor ließ zu wünschen übrig, die Nachtruhe war keine und mit Beine hoch legen am Morgen danach war es auch nicht weit her. Und dennoch: Der Uhrzeiger legte, während ich die Runde drehte, weniger Umdrehungen zurück als noch vor dem Start in unser gemeinsames Training. Zugegeben: Ein wenig geschummelt habe ich schon, denn ich habe ganz bewusst einen Zahn zugelegt, um schneller zu sein als zuvor. Aber ich bin mir auch sicher: Der Trainingseffekt hat mir dabei geholfen! Doch Obacht, liebe Lauffreunde. Der Schuss Ehrgeiz, den auch Matthias und Daniel bei ihrem Lauftreff im Weiltal an den Tag gelegt haben, um gut elf Kilometer deutlich unter einer Stunde zu flitzen, kann auch nach hinten losgehen. Verletzungsgefahr droht! Die ersten Zipperlein haben auch schon Einzug gehalten in unsere Gruppe. Ob's am falschen Ehrgeiz lag, sei dahin gestellt. Unser Motto aber sollte derzeit noch lauten: Eile mit Weile!
15. September
Der Journalist sollte sich über die Macht des Wortes im Klaren sein. Doch er solte bloß nicht glauben, und das tut er auch keinesfalls, dass die Sonne am Morgen nur aufgeht, weil er das am Tag zuvor geschrieben hat. Deshalb steht auch die versteckte Kritik an der schwachen Trainingsbeteiligung bei der vergangenen Einheit in keinerlei Zusammenhang mit dem neuen Teilnehmerekord zwei Tage später. Oder doch? Jedenfalls waren fast alle angehenden Marathonis in den Merenberger Forst gekommen. Man konnte ja den Wald vor lauter Läufern nicht sehen. Erstmals ging es dann auf die Elfer-Runde. Und die hatte es durchaus in sich. Auch wenn es recht locker, weil bergab, losging. Doch damit war klar: Wenn ich an einem Punkt loslaufe, an dem ich nachher wieder ankommen möchte, und es zunächst bergab geht, muss es zwangsläufig irgendwann auch wieder bergauf gehen. Und das tat es. Hierbei zeigte sich, dass die Gruppe über etliche "Bergziegen" verfügt, denen das hügelige Profil am Allendorfer Stock wenig bis gar nichts ausmacht. Am Sonntag wird es dann wieder flacher. Und im wahrsten Sinne des Wortes entspannender, denn Thorsten Löw vom Reha-Sport in Biskirchen besucht den Lauftreff an der Hainallee, um mit den Langstrecklern ein Dehnungsprogramm zu absolvieren. "Das ist bestimmt sehr interessant und hilfreich, um Verletzungen und Zipperlein vorzubeugen", ist sich Katja sicher.
13. September 2010
Was war denn da bloß los? Am Wetter kann es nicht gelegen haben. Von einer Grippewelle im Oberlahnbereich ist auch nichts bekannt. Lag es einfach nur am Wochentag? Wie sangen gleich noch einmal die "Boomtown Rats"? "I dont like mondays"! Okay, Entschuldigung angenommen! Auch bei meiner persönlichen Hitparade der Wochentage kommt der Montag erst an siebter Stelle. Und dennoch: Nur fünf Läufer zum Wochenstart. Das war doch ein bisserl dürftig. Ganz im Gegensatz zum Tag zuvor. Fast 20 Kreuze hatte da Katja in ihre Trainingsstatistik schreiben dürfen. Kein Wunder, der Sonntag kommt ja auch deutlich sympathischer daher. Eines dieser Kreuze stand übrigens hinter einem neuen Namen, dem von Iris. Sie ist schon die Nr. 29 in unserer Gruppe. Und noch sind es bis zum Aufnahmestopp zum Monatsende gut zwei Wochen. Die 30 werden wir doch wohl knacken. Vorausgesetzt der Rest bleibt bei der Stange. Katja jedenfalls hat ein gutes Gefühl. Das hat auch Tina, obwohl sie derzeit eine dicke Backe spazieren trägt und eine Zwangspause einlegen muss. Sie wird zurückkommen, verspricht sie aus dem Krankenstand, denn "angebissen habe ich auf jeden Fall".
8. September 2010
Mal ehrlich! Wer hatte am Mittwoch ein Kämpfchen mit dem "inneren Schweinehund"? Diana hatte eins. Sie hat es verloren. Allerdings nur morgens um 8 Uhr, als die Welt so gar nicht in Ordnung war. Geregnet hat es. Und wie! So stark, dass wir nicht mal unseren Hund vor die Tür geschickt hätten, wenn wir denn einen hätten. Diana hat keinen. Auch sie blieb drin und verschob ihren "Ersatzlauf" für das Mittwochtraining am Allendorfer Stock, das sie aus zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen konnte, auf die Nachmittagsstunden. Der Regen ließ nach, Schweinehunds Hartnäckigkeit auch. Aber Butter bei die Fische. Wer von uns hatte sich nicht schon seine persönliche Ausrede für ein abendliches Schwänzen zurecht gelegt, für den Fall, dass der Regen nicht nachgelassen hätte? Er ließ aber nach. Ab mit der Ausrede in die Ausredenschublade. Aber müssen wir überhaupt eine Ausrede suchen, wenn das Wetter so besch....,
okay, so bescheiden ist wie am Mittwoch? Müssen wir! Denn schlechtes Wetter gibt es nicht, hat schon die Oma immer gewusst. Es gibt nur schlechte Kleidung
6. September 2010
Es läuft! Oder besser gesagt: Sie und er laufen. Nach dem dritten Treffen haben alle Teilnehmer nämlich mindestens einmal trainiert; Mal abgesehen von unserem Urlauber aus Bad Camberg, der aber fest versprochen hat, noch zur Gruppe zu stoßen. Es ist eine Gruppe, die noch einmal gewachsen ist. Und damit ist das kleine Westerwalddörfchen Reichenborn in der "Hitparade" der Ortschaften, die die meisten Läufer bei der Tageblatt-Aktion stellen, vorbei an Freienfels auf Platz eins geflitzt. Auch wenn Pia mittlerweile nach Seck gezogen ist, so zählt sie dennoch weiter zum Reichenborner Burkhardt-Clan. Nur ein paar Häuser entfernt von den Burkhardts wohnt im Merenberger Ortsteil Heike, die bei ihrem Trainingsdebüt gezeigt hat, das mit ihr am 17. April zu rechnen sein wird. Vielleicht gewinnt Reichenborn ja die inoffizielle Dörfer-Wertung beim Weiltal-Marathon. Aber noch können andere Ortschaften nachlegen. In Absprache mit Katja haben wir beschlossen, dass sich weitere Lauffreunde noch bis 30. September anschließen können. Auch sie werden dann vom Rabatt des Oberbieler Sporthauses Kaps profitieren, das unsere Aktion unterstützt und 20 Prozent beim Kauf von Laufschuhen, Laufkleidung und Laufzubehör gewährt. Ab Donnerstag, 9. September, kann eingekauft werden. Bleibt vor dem nächsten Training am Mittwoch um 18 Uhr nur noch eine offene Frage zu klären, die Heinz-Joachim umtreibt. Wie grüßen sich Läufer eigentlich? "Gut Fuß" vielleicht?
1. September 2010
Na, wenn das mal kein guter Anfang war! 20 unserer 26 Teilnehmer hatten Zeit, oder haben sich selbige freigeschaufelt, um gleich beim ersten Training mit von der Partie zu sein. Aus Niederselters, Runkel und Langenbach kamen sie; aus Obertiefenbach, Löhnberg und den verschiedenen Weilburger Stadtteilen hatten sie den Merenberger Forst angesteuert. Oder genauer gesagt, den Allendorfer Stock, den traditionellen Treffpunkt der Läufergruppe des SC Oberlahn. Und pünktlich waren sie. Denn Katja hatte ja gesagt: "Bei uns gibt es kein akademisches Viertel." Dass es dann doch beinahe eines wurde, ehe es los ging, lag nur daran, dass es noch einige Infos mit auf den Weg gab. Und eine Empfehlung: "Lauft nicht zu schnell!" Das taten sie dann auch nicht. Oder doch? Die Gruppe blieb jedenfalls zusammen. Naja fast. Musste aber auch nicht sein, denn keiner musste dem anderen etwas beweisen. Nur sich selbst vielleicht. Und das haben alle locker geschafft. Die Läuferschar, aus der einmal das "Team Tageblatt" werden soll, erwies sich als homogene Einheit mit einem gemeinsamen Leistungsstand. Dieser lag beim Auftakt bei 8,5 Kilometer in einer guten Stunde. Das genügt zum Anfang. Es muss ja Luft nach oben bleiben. Und Luft zum Quasseln. Manch Waldbewohner wird irritiert gewesen sein. Er wird aber sicher die gute Stimmung mitbekommen haben, die bergauf, bergab herrschte. Lag es an der Aufbruchstimmung, am guten Wetter, am netten Nebenläufer? Gründe gab es genug. Mehr als genug, um beim nächsten Trainingstermin am Sonntag um 9 Uhr an der Weilburger Hainallee wieder mit von der Partie zu sein.






Kommentare (23)















In meinem letzten Kommentar schrieb ich:
......Ich hege die stille Hoffnung, das es nach deinem Marathon und nach deinem Comeback am "Schnuggelschrank" ein neues Ziel gibt, an dem ich als Leser teilhaben kann.....
Ich sehe, es gibt kein neues Ziel, aber: Das alte (4:15) ist noch im Feuer !
Also, auch für diesen abschließenden ehrlichen, witzigen und im Resüme doch positiven Bericht ein Dankeschön und vor allem mein Respekt und meine herzlichsten Glückwünsche Andre !!!
Ich denke dein Tagebuch war vielen die dabei waren und/oder es vorhaben eine echte Motivationsstütze !
sportliche Grüße
Paul Guckelsberger