Und selbst ein Läufer, der das Ziel nicht erreicht hat, muss sich nicht als Verlierer sehen, denn er hat es versucht. So einer ist René Schuy vom "Team Tageblatt", das sich seit dem 1. September im Projekt "Auf dem Weg zum Marathon" auf diesen Tag vorbereitet hat. "Ich glaube nicht, dass ich starten kann, das Knie spielt nicht mehr mit", meinte der Laubuseschbacher zehn Tage vor dem Startschuss. Er probierte es trotzdem und biss auf die Zähne. Nach der Hälfte der Strecke war ihm klar: "Es geht nicht mehr."
Ärgerlich war auch das kurzfristige Aus für Martin Bläsl. Den Hirschhäuser bremste eine Mandelentzündung nur eine Woche vor dem großen Tag aus. Zuvor hatten sich schon Martin Janiczek (Knieprobleme), Tina Burkhardt (Bandscheibenvorfall) und Diana Süss (Bänderriss) verletzungsbedingt aus der Gruppe verabschieden müssen. Janiczek, Burkhardt und Bläsl drückten den Kollegen dann auf der Strecke und im Zielbereich an der Hainkaserne die Daumen. Sie erlebten, wie nach rund 3:50 Stunden einer nach dem anderen aus dem Team im Ziel eintrudelte. 19 waren es am Ende.
"Werde nie wieder Marathon laufen, weil dieses Erlebnis nicht zu toppen ist"
Schnellster aus der Gruppe, die aus Männern und Frauen bestand, die zuvor noch nie über 42,195 Kilometer gelaufen waren, war nicht unerwartet Matthias Schulz. Der Freienfelser finishte in für einen Neuling starken 3:49:33,1 Stunden. Ebenfalls unter der Marke von vier Stunden blieben Mario Schäfer (Merenberg) in 3:54:50,1 Stunden und der durch eine Grippe gehandicapte Michael Treutel (Weilburg) in 3:55:59,4 Stunden. Schnellste Frau aus dem "Team Tageblatt" war die aus Reichenborn stammende Pia Striedter, die sich mit Schwester Tina und Vater Hans Burkhardt für dieses Projekt angemeldet hatte. Die mittlerweile in Seck lebende Westerwälderin überquerte den Zielstrich in 4:02:53,8 Stunden und war danach überglücklich: "Die Atmosphäre entlang der Strecke hat mich fasziniert. Die Leute waren begeistert mit dabei, fremde Läufer haben sich anerkennend geäußert, Bekannte und Verwandte haben uns angefeuert und diesen Lauf abgerundet."
Gegenüber dem Projekt "Auf dem Weg zum Marathon" war Pia Striedter "als passionierte Einzelläuferin zunächst skeptisch eingestellt, wurde jedoch bald eines Besseren belehrt. Ich habe so viele tolle neue Leute kennengelernt und immer wieder neue Motivation aus der Gemeinschaft gezogen, so dass mich dieses Projekt deutlich bereichert hat. Und als krönender Abschluss natürlich der Marathon. Seit dem Beginn meiner Läuferlaufbahn mit 18 Jahren habe ich davon geträumt, einmal einen Marathon zu laufen. Das Team hat diesen Tag zu einem absolut unvergesslich und unglaublich schönem Erlebnis gemacht." Die Konsequenz für die 36-Jährige: "Ich werde nie wieder einen Marathon laufen, weil dieses Erlebnis einfach nicht zu toppen ist und alles was danach käme, sicherlich eine Enttäuschung wäre."Mit Regina Riepel, Simone Einig, Tina Bindenberger, Gaby Janiczek, Iris Henche und Heike Fritsch absolvierten sechs weitere Frauen zwischen 38 und 50 Jahren den Marathon in Zeiten zwischen 4:05 und 4:44 Stunden. Sie einte die Glückseligkeit über das Erreichte. Für Simone Einig aus Löhnberg lief "einfach alles super. Meine Familie und Freunde haben mich die ganze Strecke über begleitet. Und es war total motivierend, wenn sie mich immer wieder anfeuerten und unterwegs auch verpflegten. Außerdem empfand ich es als sehr beruhigend, ständig von unseren Betreuern Harald Wagner und Werner Wenzel umkreist zu werden. Die beiden haben ihre Arbeit echt gut gemacht. Nach Weilmünster hatte ich ein bisschen Angst vor dem ,Mann mit dem Hammer. Der war an diesem Tag aber wohl zuhause geblieben. Der Zieleinlauf an der Hainallee in dieser bombastischen Zeit war und ist für mich der Wahnsinn!"
Gaby Janiczek genoss vor allem das Laufen als ein Mitglied eines Teams: "Überall zusätzliche und herzliche Betreuung und begeisterte Begrüßung durch Freunde und Familien, ein riesiger Vorteil der großen Gruppe. Wir kamen uns vor wie richtige VIPs. Streckenhelfer riefen: ,Da ist ja wieder jemand vom Team Tageblatt!" Die Odersbacherin lief den größten Teil der Strecke mit Tina Bindenberger, erst gemäßigt, dann zügiger: "Ab Weilmünster haben wir alle zeitlichen Vorgaben sausen lassen. Befreit von Bedenken und dem Blick auf die Uhr, haben wir fortan nur noch Läufer überholt, das Tempo war super, der Spaßfaktor steigerte sich von Kilometer zu zu Kilometer. Tina marschierte zielstrebig voran und hat mich mitgerissen."
Gaby Janiczeks Begleiterin "fands einfach nur super! Die ganze Atmosphäre, ob im Team, an der Strecke, in Weilburg - überall. Auf der Zielgeraden sind wir dann sogar zusammen im Schlusssprint eingelaufen", hat Tina Bindenberger die Ankunft in Weilburg genießen können. Dies galt auch für Iris Henche: "Ich hatte das Glück, einen super guten Tag erwischt zu haben. Ich konnte den Lauf wirklich die ganze Strecke genießen. Ein perfekter Tag vom Wetter und der Stimmung her. Mir hat es riesigen Spaß gemacht, mit dieser tollen Gruppe unser gemeinsames Ziel zu erreichen. Für mich ein unvergessliches Erlebnis."
Die Männer sind bei ihrer Bewertung nicht so euphorisch wie die Frauen
Zufrieden, mit sich selbst und der Welt im Reinen, aber weniger euphorisch äußerten sich die Männer nach der Zielankunft. "Den Lauf selbst fand ich eigentlich gar nicht so schlimm, die Vorbereitung darauf ist das, was die viele Energie gekostet hat, mag aber auch damit zusammenhängen, dass die Tage immer so kurz waren", meinte Oliver Fiedler, der 4:09:39,7 Stunden benötigte. Sieben Minuten näher an der Vier-Stunden-Marke lief Stefan Würz ins Ziel: "Da ich so dicht an dieser Grenze war, hatte ich auf den letzten Kilometern auf das ,Runners high gehofft, das mir vielleicht noch einen Schub geben könnte. Aber da war nichts, kein bisschen, keine Reserve. Im Ziel war es dann aber schon geil. Fix und fertig, aber gleichzeitig super. Es war nicht so die totale Euphorie, wie andere das teilweise geschildert hatten, aber es war gut." Der Löhnberger hat aus der verpassten Vier-Stunden-Marke neuen Antrieb bekommen: "Der nächste Marathon kommt bestimmt. Jetzt muss ich die vier Stunden knacken!"
An eine Wiederholung denkt auch Daniel Schwarzer: "Für mich war es ein Wechselbad der Gefühle. Die ersten 20 Kilometer war alles gut. Ab Kilometer 23, 24 habe ich wieder Probleme mit der Wade bekommen. Das ging aber noch. Bei Kilometer 32 hatte ich den ersten Wadenkrampf, musste kurz gehen. Das zog sich dann bis zum Ziel hin. Letztendlich habe ich für die letzten zehn Kilometer rund 1:30 Stunden benötigt. Im Ziel war dann die Erleichterung aber groß. Leider habe ich mein einziges Ziel nicht erreicht, ich wollte durchlaufen und nicht gehen. Lieber wäre ich 4:30 Stunden gelaufen, ohne zu gehen." Der Edelsberger war neun Minuten schneller.
Von Beginn an hat für Heinz-Joachim Rahde die Zeit überhaupt keine Rolle gespielt. "Ich will einfach nur einen Marathon laufen", hatte der Oldie im "Team Tageblatt" immer verlauten lassen. Das hat der Runkeler geschafft. Nach 5:56 Stunden durfte auch er sich als ein Gewinner fühlen.






















