Olà, liebe Leser!
Alles Daumendrücken hat geholfen: Beste Deutsche und Platz sieben bei der Diskuswurf-Europameisterschaft der Frauen in Barcelona! Ich bin überglücklich und danke allen, die mir per SMS, Telefon, E-Mail, Facebook-Eintrag, Blog Mittelhessen.de oder auch persönlich gratuliert haben!
Den Mittwochvormittag vor dem Wettkampf am Abend habe ich noch einmal genutzt, mich mit guten Würfen einzustimmen. Im Gegensatz zur Quali war ich total gelassen. Ich habe mich nur auf das Finale gefreut. Null Aufregung und Anspannung. Selbst das Mittagessen rutschte von alleine runter ;-)! Noch ein kurzes Powerschläfchen und los ging es.
Um 16 Uhr fuhr ich zusammen mit meinem Trainer Martin Rumpf sowie mit der Deutschen Diskuswurf-Meisterin Nadine Müller und ihrem Trainer und mit noch anderen Mannschaftsmitgliedern (unter anderem mit der Kugelstoßerin Nadine Kleinert, die als Fan mitkam) mit dem Bus zum Stadion.
Nach kurzem Aufwärmen ging es gegen 17.30 Uhr in den Callroom auf dem Aufwärmplatz, wo wir zwölf Werferinnen "gesammelt" wurden, um den langen Marsch Richtung Olympiastadion anzutreten. Für einen Werfer war das schon eine kleine Trainingseinheit ;-)!
Durch ein Gewirr von Gängen ging es durch die Katakomben des Stadions in den Callroom 2. Dort wurden unsere Rücksäcke, Taschen und die Kleidung geprüft. Es ist genau vorgeschrieben, was man mit in den Innenraum nehmen darf. Handys und MP3-Player zum Beispiel sind verboten. Die Logos der Sponsoren auf Taschen und Trikots wurden auf die korrekte Größe geprüft, die nicht überschritten werden darf. Das ist immer noch einmal ein wenig hektisch, bis alle Taschen durchsucht sind und bis man sich wieder auf den eigentlichen Grund seiner Anwesenheit besinnen darf.
Dann ging es los, und wir wurden ins Stadion geführt. Wir hatten immer noch 28 Grad, aber der Wind machte die gefühlte Temperatur angenehmer. Allerdings störte er auch beim Werfen. Wie schon in der Quali blies der Wind aus allen Richtungen und meistens in stärkeren Böen, so dass es gar nicht so einfach war, die leichte Ein-Kilogramm-Diskusscheibe richtig in den Wind zu legen.
Meine Würfe beim Einwerfen fand ich alle besser als die bei der Quali am Dienstag, und so konnte ich frohen Mutes in den Wettkampf gehen. Nach einer kurzen Vorstellung des Teilnehmerfeldes durfte ich den Wettkampf eröffnen. Mein erster Wurf war sehr hoch - nicht gut bei so starkem Wind! Aber 56,80 Meter fand ich ganz in Ordnung. Natürlich wollte ich mich noch steigern. Mein zweiter Wurf war mit 55,81 Metern leider kürzer, ich lag aber immer noch auf Platz acht und somit noch auf einem Finalplatz. Jetzt fing ich richtig an, den Wettkampf zu genießen. Ich wollte einfach nur Spaß haben. Mit diesen Gedanken bin ich in meinen vielleicht letzten Versuch gegangen. Mit 58,56 Metern steigerte ich nicht nur die Weite, sondern es ging auch in der Rangliste um einen Platz nach vorn. Jetzt lag Nadine Müller auf dem achten Platz und ich war beste Deutsche!Vier Werferinnen hätten uns jetzt noch aus dem Finale der besten Acht schmeißen können. Die Schwedin Anna Söderberg warf direkt nach mir, konnte sich aber nicht steigern. Jetzt waren es noch drei Werferinnen. Es war wirklich spannend. Nadine konnte sich nicht steigern, die Polin auch nicht. Nach dem Wurf der Russin Saykina war ich durch und im FINALE!
Natürlich zitterte ich mit Nadine. Als letzte Werferin der Konkurrenz lag es an der Niederländerin Jansen, ob Nadine das Finale erreicht oder nicht. Mit vereinten negativen Gedanken beschwörten wir während des Wurfs den Diskus, ins Netz zu fliegen. Er tat es aber nicht! Nadine verabschiedete sich schon von mir und wünschte mir ein schönes Finale, doch dann blinkte auf der Anzeigentafel Platz 9 für Jansen. Wir hatten es beide ins Finale geschafft!
Wir wollten nun alles dafür tun, unsere bisherigen Weiten zu übertreffen. Ich steigerte mich zwar im vierten Versuch auf 58,83 Meter und im fünften Versuch auf 58,89 Meter. Leider blieb der "Ausreißer" nach oben aus, aber ich bin über Platz sieben bei meiner ersten EM keinesfalls traurig. Das ist doch super! So kann ich mich in den nächsten Jahren noch steigern ;-)!
Der Wettkampf hat mir genauso Spaß gemacht wie die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig. Das Publikum war großartig und hat uns super unterstützt, was ich mir gar nicht erträumt hätte. Schon bei der Vorstellungsrunde habe ich gehört, dass bei Nadine und mir mit am lautesten applaudiert wurde. Ganz herzlichen Dank an alle, die vor dem Fernseher, am dem Live-Ticker oder im Stadion mitgefiebert haben!
Den Donnerstagvormittag habe ich mit meiner Familie bei einer Sightseeing-Tour durch das wunderschöne Barcelona verbracht. Leider ist das Wetter umgeschlagen und es hat am frühen Donnerstagabend ein starkes Gewitter gegeben. Jetzt regnet es noch stark. Während der nächsten Tage werde ich mir noch die Stadt angucken, aber natürlich werde ich auch meine vielen Mannschaftskollegen anfeuern, damit wir endlich eine Medaille holen. Am Montag werden wir dann alle nach Hause fliegen.
Viele liebe Grüße aus Barcelona, Eure Bine.
Diskuswerferin Sabine Rumpf (LSG Goldener Grund) startet für Deutschland bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona. Im "Tageblatt" schreibt die Polizeikommissar-Anwärterin täglich über ihre Erlebnisse in Spanien.
















