Stürmer kommen und gehen

FUSSBALL In der Offensive tut sich bei Hessenligist SV Hadamar einiges

Steffen Moritz wechselt von Regionalligist SC Fortuna Köln zum SV "Rot-Weiß" Hadamar. (Foto: Imago)

Die Fürstenstädter beendeten die Saison als Tabellenvierter. Das gelang vorher weder dem VfR 19 Limburg noch dem RSV Würges. Beide Clubs mussten übrigens im dritten Jahr ihrer Zugehörigkeit im hessischen Fußball-Oberhaus in den Abstiegsapfel beißen. Eine Spielzeit zuvor hatten beide Vereine ebenfalls ansprechende Platzierungen erreicht.

Nun, in Hadamar will niemand an einen "Fluch des dritten Jahres" denken, wenngleich es außerhalb der Hessenliga große Lasten zu schultern gilt. Der Neuaufbau des Kunstrasens in Niederhadamar schlägt mit 200.000 Euro zu Buche. 85.000 Euro muss der SVH selbst tragen. Der Betrag wird in Form eines zinsfreien Darlehens der Stadt Hadamar erbracht. Die restlichen Gelder basieren auf Zuschüssen von Stadt, Land und Kreis. Der neue Kunstrasen hatte im Hadamarer Stadtparlament für stürmische Diskussionen gesorgt.

n Bei einigen Spielern geht der Verein ohne Erfolg finanziell bis an sein Limit

Ungeachtet dieser Belastungen, die nach Aussage des Pressesprechers Hans Reichwein außerhalb der Finanzierung der sportlichen Betriebskosten liegen, will sich der SV "Rot-Weiß" in der Hessenliga zu einer festen Größe entwickeln. Im Premierenjahr hatte das Team aus der viertgrößten Kommune des Kreises die Runde auf Position 14 abgeschlossen. Damals hatte der Verein noch unter "Spielvereinigung Hadamar" firmiert, ehe zum 1. Juli 2012 der Zusammenschluss mit dem Nachbarn SC Niederhadamar vollzogen wurde.

Im Januar 2012 hatte der von dem Südwest-Oberligist SG Betzdorf gekommene Walter Reitz den "Verbandsliga-Meistermacher" Heiko Weidenfeller auf dem Trainerstuhl abgelöst. Der in Thalheim wohnende frühere Abwehrspieler wird auch in der kommenden Spielzeit beim ranghöchsten heimischen Fußballclub das Trainerzepter schwingen.

Der 1980 im Team des RSV Würges im DFB-Pokal sich sportliche Meriten verdienende Polizeibeamte steht im Sommer vor einer großen Herausforderung. Einige Leistungsträger werden den Verein verlassen. Der mit 15 Treffern erfolgreichste Schütze Hüsni Tahiri fehlt als Vollstrecker und Spielgestalter. Der 30-jährige "Meister des ruhenden Balls" wandert zum SC Waldgirmes ab. Mit dem kopfballstarken Stoßstürmer Alexander Rosin (25), der infolge Verletzung in der Rückrunde wochenlang nicht zur Verfügung stand, verliert der SVH seinen eigentlichen Torjäger. Rosin traf 14 Mal. Der Angreifer kehrt zur SG Betzdorf zurück.

Adieu sagen zudem der 1,90 Meter lange Stürmer Sebastian Gurok und Christopher Schwarz. Der immerhin 21 Einsätze in der Regionalliga Süd im Dress des SV Wehen-Wiesbaden II aufweisende Angreifer Gurok schließt sich Hessenliga-Aufsteiger SV Wiesbaden an. Innenverteidiger Christopher Schwarz, zuvor für die Hessenligisten TSG Wörsdorf und RSV Würges am Ball, schlägt seine Zelte beim klassentieferen TuS Dietkirchen in der Verbandsliga Mitte auf.

Der Australier Daniel Mitwali (21) wird künftig das Trikot des gleichklassigen SV Wehen-Wiesbaden II tragen. Offen ist auch die sportliche Zukunft seines Landsmannes Dhari Al Saad (22). Bei allen Spielern laufen die Verträge zum 30. Juni dieses Jahres aus. Etwaige Ablösesummen sind also nicht zu erwarten.

"Wir sind bei einigen Spielern an unser finanzielles Limit gegangen. Mehr ging einfach nicht. Unser Bestreben ist es auch, das mannschaftliche Gefüge nicht auseinander triften zu lassen. Das haben wir umgesetzt", sagt Pressesprecher Reichwein. Hauptsponsor Jochem Brötz findet eine andere Wortwahl. "Wir haben den Spielern unsere finanziellen Vorstellungen unterbreitet. Sie hatten 24 Stunden Bedenkzeit, unser Angebot anzunehmen. Finanzielle Nachbesserungen haben wir nicht getätigt", sagt der Unternehmer.

Die Abgänge sollen durch Neuzugänge kompensiert werden. Da ist primär Steffen Moritz zu nennen. Der 29-jährige Stürmer wird im Internetportal "Transfermarkt" mit einem Marktwert von 100 000 Euro geführt. Der Obertiefenbacher kehrt nach einem zweijährigen Gastspiel beim West-Regionalligisten Fortuna Köln in die heimischen Gefilde zurück. Im Spieljahr 2009/10 hatte sich der angehende Lehrer im Trikot des RSV Würges mit 25 Treffern die Torjägerkrone gemeinsam mit Leif Langholz (SC Waldgirmes) gesichert.

Fest zugesagt haben ferner die im alten Oberlahnkreis groß gewordenen Martin Wilk (21 Jahre), Robin Fürbeth (21) und Robin Schaffarz (22). Das Youngsters-Terzett kommt freilich mit einer wenig überzeugenden Empfehlung. Das Trio vermochte im Trikot des Ligarivalen FSV Braunfels den Absturz in die Verbandsliga Mitte nicht zu verhindern.

Eine Hängepartie verspricht indessen der Wechsel von Michael Schmitz zu werden. Der Torjäger des TuS Dietkirchen, der in der abgelaufenen Spielzeit mit 24 Treffern für Furore in der Verbandsliga sorgte, hat nach Aussage von Hans Reichwein beim SVH einen Amateurvertrag unterschrieben. Der TuS hatte dem Angreifer mit der Vermittlung eines Arbeitsplatzes bei einem vor den Toren Dietkirchens ansässigen Pharmaunternehmen zur Seite gestanden. Wo Schmitz wohl am Ende sportlich landen wird? Fakt ist: Beide Clubs werden Gespräche miteinander führen müssen. Gut möglich, dass sich Hadamar einen Verzicht auf den Spieler mit einer Abstandszahlung "versüßen" lässt.

"Wir haben trotz unserer personellen Ausfälle eine überragende Runde gespielt. Rang vier ist eine tolle Platzierung. Es gilt zu bedenken, dass wir nach dem Ausfall unserer Stürmer Marco Vorschneider und Alexander Rosin wochenlang ohne unseren ersten Sturm auskommen mussten. Außerdem stand mit Moritz Steul eine personelle Alternative verletzungsbedingt ebenfalls nicht zur Verfügung", sagt Hans Reichwein. In finanzieller Hinsicht hätten sich die "Roten" schon gerne ein paar Fans mehr erhofft. "Unser Durchschnittsbesuch liegt bei nahezu 300 Zuschauern und damit etwas unter dem Besuch der ersten Spielzeit", konstatiert Reichwein. Damit nehmen die Fürstenstädter in der Zuschauerrangliste in der Hessenliga, die zusehends an Attraktivität verliert, einen Spitzenplatz ein.

n Weniger Fans an der Faulbacher Straße, aber in der Rangliste immer noch vorne dabei

Dass weniger Fans an den Weg zum Sportplatz an der Faulbacher Straße fanden, hat mehrere Gründe. Zum einen fehlte der Reiz des Neuen, zum zweiten animierte das ungemütliche nasskühle Wetter im Frühjahr nicht zum Besuch des Freiluft-Fußballs und drittens war da der Spielplan von Bundesligist Eintracht Frankfurt. "Ein zeitgleiches Heimspiel der Eintracht kostet uns fast 50 Zuschauer", bemerkt Reichwein.

Nun, in Hadamar herrscht derzeit Fußballpause. Trainer Walter Reitz und die Spieler befinden sich im Urlaub. Hinter den Kulissen freilich wird kräftig gearbeitet. Schließlich wollen die Fürstenstädter dem "Fluch des dritten Jahres" entgehen.


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