Dahmke: "Jetzt wollen wir alles"

HANDBALL Steffen Fäth führt Deutschland ins EM-Halbfinale / 25:23 gegen Dänemark

Jubelt über den Einzug ins Halbfinale mit dem DHB-Team: Linksaußen Rune Dahmke. (Foto: Wolf/dpa)

Mit 25:23 (12:13) gewann die verletzungsgeplagte Auswahl von Bundestrainer Dagur Sigurdsson gegen Dänemark und steht somit am Freitag im Halbfinale gegen Norwegen (18.30 Uhr, ZDF).

"Das war eine gigantische Vorstellung", jubelte DHB-Vizepräsident Bob Hanning und sprach von "purer Leidenschaft". Nur einer blieb fast stoisch ruhig: der Coach selbst, der zwar eine "Sensation" gesehen hatte und "überglücklich" war, ansonsten aber die Bälle flach hielt. Dabei war der Isländer ein entscheidender Faktor. Er gab seiner Truppe gegen die favorisierten Skandinavier ein taktisches Meisterkonzept an die Hand gab, das perfekt aufging. "Wir haben der Welt gezeigt, wie gut wir sind", sprudelte es aus Torwart Andreas Wolff heraus, der in der Schlussphase nicht mehr zu überwinden war. "Ich musste mich aber in diese Partie reinkämpfen", gestand der Schlussmann der HSG Wetzlar. Und das galt für die gesamte Mannschaft. Denn nach vier Minuten führte Dänemark mit 3:1.

Der Wetzlarer Kapitän trifft sechsmal, und in der Schlussphase vernagelt Clubkollege Wolff seinen Kasten

Erst war es Mensah Larsen, dann Mikkel Hansen und gegen Ende der ersten Hälfte Michael Damgaard, die trafen. Der Favorit konnte sich lange auf seine starken Individualisten verlassen, während der deutsche Angriff seine Spielintelligenz dagegensetzte.

Fabian Wiede füllte die Rolle des verletzten Kapitäns Steffen Weinhold gut aus, der nachnominierte Kai Häfner benötigte kaum Anlaufzeit, um in Schwung zu kommen. Aus dem starken Kollektiv ragte jedoch einer heraus: Steffen Fäth. Der Wetzlarer Kapitän zeigte seine beste Leistung im Nationaltrikot, erzielte fünf Tore im ersten Durchgang und bereitete mehrere gefährliche Aktionen gekonnt vor. Doch es ist typisch für Fäth und für diese Team, dass der Stratege sich selbst nicht so wichtig nimmt. Der 25-Jährige hob vielmehr die "Cleverness von allen" und die "super Abwehr" hervor. Immer wieder wechselte die Deckung von einer 6:0- hin zu einer 4:2-Formation. "Wir haben unseren Gegner taktisch stets vor neue Aufgaben gestellt", freute sich Rune Dahmke.

So entwickelte sich eine höchst interessante und spannende Partie. Auf den Rängen der Jahrhunderthalle herrschte erstmals richtige Festtagsstimmung. Auf dem Feld gerieten die Protagonisten dagegen in schöner Regelmäßigkeit aneinander. Nach 22 Minuten sah es so aus, als ob sich die deutsche Mannschaft sogar etwas absetzen könnte. Doch nach dem 10:8 kassierte sie vier Gegentreffer in Folge. Die Achterbahnfahrt setzte sich nach Wiederbeginn fort: Fäth traf zum 16:14 (35.), sieben Minuten später lagen Sigurdssons Schützlinge wieder mit 16:18 zurück. Als Dänemarks Superstar Mikkel Hansen zum 23:21 (53.) traf, schien es so, als könnten sich die Skandinavier mit letzter Kraft retten. "Wir waren aber zu müde", ärgerte sich Trainer Gudmundur Gudmundsson angesichts von zwei Spielen binnen 20 Stunden. Die Deutschen setzten seinem Team aber auch zu. Die überragende Deckung mit Wolff dahinter war nicht mehr zu überwinden. Tobias Reichmann behielt beim Siebenmeter die Nerven und brachte Deutschland mit 24:23 in Front (58.). Als Andres Eggert nur den Pfosten traf und Wiede 63 Sekunden vor dem Abpfiff das 25:23 ins Netz wuchtete, war die Sensation perfekt. "Jetzt wollen wir alles", sagte Rune Dahmke. Der Wahnsinn geht am Freitag weiter.


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