Der verflixte Tag im Frühling

HANDBALL Neuzugang Tomas Sklenak steht beim TV Hüttenberg vor dem Comeback

Möchte sich beim TV Hüttenberg wieder in den Vordergrund spielen: Tomas Sklenak fiebert nach langer Verletzungspause seinem Comeback auf dem Handball-Feld entgegen. (Foto: Weis)

Zu schlimme Erinnerungen hat der 33-Jährige an jenen Frühlingstag - und das gleich doppelt. Am 4. April 2014 zog sich der Neuzugang vom ThSV Eisenach einen Kreuzbandriss zu. Exakt 365 Tage später meinte es Fortuna erneut nicht gut mit dem zweifachen Familienvater: Der Routinier war gerade wiedergenesen und auf dem besten Weg zur alten Form, als ihm das Knie einen Strich durch die Rechnung machte und das Kreuzband an jenem Apriltag ein weiteres Mal riss. "Es war sogar fast die gleiche Uhrzeit. Da war viel Pech dabei", kann Sklenak sein Unglück heute noch nicht fassen.

Wenn er über die Verletzung spricht, versteinert sich kurz die Miene des 60-fachen tschechischen Nationalspielers, der ansonsten viel lacht und gute Laune verbreitet. Auch weil Sklenak heiß darauf ist, endlich für seinen neuen Verein aufzulaufen. In Hüttenberg war die Tinte unter dem Dreijahresvertrag nicht einmal eine Woche getrocknet, als die Hiobsbotschaft eintrudelte.

Der wuchtige Rückraumspieler ist aber kein Typ, der den Kopf in den Sand steckt und begann deshalb akribisch, für sein Comeback zu ackern. Nach vielen Einheiten mit Reha- und Athletik-Trainer Peter Nagel gab ein Knie-Belastungstest in Erfurt kurz vor Weihnachten grünes Licht. "Jetzt integriere ich mich langsam in die Mannschaft", erklärt Sklenak, der zwar eine Rückkehr im Heimspiel gegen den TV Kirchzell am kommenden Freitag nicht ausschließt, aber angesichts der souveränen Tabellenführung weiß: "So gut wie es läuft, bleibt mir noch Zeit. Wir haben vereinbart, dass es meine Entscheidung ist."

Nach zehn Spielzeiten in Eisenach möchte der 33-Jährige bei den Blau-Roten durchstarten

Dennoch juckt es den erstligaerfahrenen Profi in den Fingern, wenn er über sein bevorstehendes Debüt für die Blau-Roten spricht. Sklenak strahlt Ruhe und Erfahrung aus und sprudelt gleichzeitig vor Tatendrang. In Eisenach nannten ihn die Anhänger auch "Turbo", weil er unermüdlichen Einsatz bot und für den Gegner kaum zu halten war. "Ich möchte zeigen, dass ich die Qualität habe, es wieder zu schaffen", will sich der Neuzugang in die Herzen der TVH-Fans werfen.

Der Tscheche ist allerdings weit davon entfernt, die Aufmerksamkeit auf seine eigene Person zu lenken. Über allem steht für den 33-Jährigen der Teamgedanke, Loyalität und Uneigennützigkeit hat er sich auf die Fahne geschrieben. Das zeigt nicht zuletzt seine zehnjährige (!) Zeit beim ThSV Eisenach, mit dem er in Liga eins und zwei spielte. "Eigene Treffer sind für mich nicht wichtig. Meine Arbeit ist es, dafür zu sorgen, dass die Leute neben mir durch meine Bewegungen und Pässe Tore machen", beschreibt er seine Rolle. Pudelwohl fühlt sich Sklenak auf der Spielmacherposition - auch wenn er im Angriff ebenso als Halblinker und Halbrechter spielen kann. Die von TVH-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson wiederbelebte 3:2:1-Deckung beherrscht er wie im Schlaf. Kein Wunder: Schließlich war der Isländer auf der Bank der Hüttenberger bereits in Thüringen vier Jahre lang sein Coach.

Bei der schwierigen Entscheidung zum Wechsel spielte "Adli" daher keine unwesentliche Rolle. Gut befreundet ist Sklenak außerdem schon lange mit Ex-Nationalmannschaftskollege Alois Mraz, der derzeit als Trainer der Hüttenberger U 23 und "Co" von Eyjolfsson fungiert und gemeinsam mit seinem Kumpel die A-Jugend coacht. "Er hat gesagt: ,Komm, wir spielen noch einmal zusammen.’ Jetzt hat er zwar Probleme mit der Achillessehne, aber er ist ja immer beim Training dabei", erzählt Sklenak und erklärt, warum es ihn nach Mittelhessen verschlug: "Eigentlich dachte ich, ich bleibe bis zum Ende meiner Karriere in Eisenach. Aber Hüttenberg hat mir ein gutes Angebot gemacht, bei dem für mich auch die drei Jahre wichtig waren."

Eine Entscheidung, die der 1,86 Meter große Rechtshänder keineswegs bereut. Nicht nur wegen des sportlichen Erfolgs, sondern auch, weil er ein intaktes Umfeld braucht, um aufzublühen. Sklenak ist kein Weltenbummler, der von Vertrag zu Vertrag springt. Wenn der Ex-Internationale einmal das Trikot wechselt, muss alles passen. Trotz zahlreicher Angebote hatte er sich schließlich immer für das bewährte Umfeld in Eisenach entschieden. "In Hüttenberg sind alle wie eine große Familie. Es hat mich überrascht, was für eine gute Chemie hier herrscht", erklärt der Tscheche, für den ein sofortiger Umzug selbstverständlich war. In Dutenhofen lebt er nun gemeinsam mit Ehefrau Zaneta sowie seinen Töchtern Victorie und Charlotte - unweit von Freund Mraz und dessen Familie.

Der Tscheche lobt die Kollegen: "32:0 Punkte sind super. Dazu spielen die Jungs wirklich überragend"

Auf dem Parkett sieht es derweil so aus, als könne Sklenak bald wieder in der 2. Bundesliga Regie führen. "32:0 Punkte sind super. Dazu spielen die Jungs wirklich überragend. Das können wir ein bisschen feiern", schmunzelt der Routinier, der im Laufe der Zeit aber gelernt hat, nicht zu früh abzuheben und deshalb das Wort "Aufstieg" vermeidet. Dennoch sieht Sklenak mächtige Unterschiede zwischen seinen bisherigen Gegnern und Kalibern wie Halle, Bad Blankenburg oder Gelnhausen. "Das ist eine ganz andere Welt. Eine Mannschaft, die Zweitliga-Erfahrung hat, kann in der 3. Liga 40 Minuten Unentschieden spielen. Dann zeigt sich aber meistens die Qualität und Cleverness", weiß der 33-Jährige.

Als Sklenak sich verabschiedet und auf das Spielfeld im Hüttenberger Sportzentrum schaut, steht außer Zweifel: Der Neuzugang des TVH brennt auf sein Comeback und würde wohl am liebsten sofort dort weitermachen, wo er vor neun Monaten aufgehört hat. Zumindest, solange nicht der 4. April auf dem Kalender steht.


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