Diesen Hobbs gibt’s gleich doppelt

BASKETBALL Der Comboguard der Gießen 46ers - toller Passgeber, guter Typ, stolzer Papa und Zwillingsbruder

Der eine spielt in der Basketball-Bundesliga, der andere auf der Show-Bühne eines Kreuzfahrtschiffs: Braydon Hobbs im Trikot der Gießen 46ers und sein Zwillingsbruder Cameron (Foto oben). (Fotos: Weis/Instagram)

Der eine spielt in der Basketball-Bundesliga, der andere auf der Show-Bühne eines Kreuzfahrtschiffs: Braydon Hobbs im Trikot der Gießen 46ers und sein Zwillingsbruder Cameron (Foto oben). (Fotos: Weis/Instagram)

Glückliche Familie: Braydon Hobbs mit Ehefrau Sadie und dem drei Monate alten Töchterchen Havan. (V. Schäfer)

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Nein, der da auf der Bühne ist nicht Braydon Hobbs, der Comboguard des Basketball-Bundesligisten von der Lahn, sondern dessen Zwillingsbruder Cameron. "Bei uns in der Familie dreht sich das Leben eigentlich komplett um Sport. Nur ,Cam’ hat sich einer anderen Sache verschrieben", sagt der 27-jährige Korbjäger aus New Albany im US-Bundesstaat Indiana. "Für meinen großen Bruder Dereck und mich gab es von Kindesbeinen an nur Basketball. Cameron kann Dinge, die ich nicht beherrsche. Er ist Tänzer, Schauspieler und Sänger", lächelt Braydon Hobbs und ist stolz auf die berufliche Vita seines "Doppelgängers".

Das beruht auf Gegenseitigkeit, denn er selbst blickt schon jetzt auf eine erfolgreiche Karriere als Profisportler zurück. Geboren in Louisville/Kentucky und aufgewachsen - wenige Kilometer entfernt auf der anderen Seite des Ohio River - in New Albany entdeckte Braydon früh seine Leidenschaft für Basketball. "Mein Vater Rick und meine Mutter Michelle haben das immer gefördert. Ich habe stundenlang mit Dereck und dessen Freunden auf den Freiplätzen gespielt. Mein großer Bruder war ein guter Schütze, und ich habe ihn mit Pässen gefüttert", hat Hobbs eine plausible Erklärung für das, was ihn auf dem Feld so besonders macht. "Er hat ein unglaubliches tolles Auge für seine Mitspieler", schwärmt 46ers-Trainer Denis Wucherer von seiner Nummer 9. Die Statistiken der laufenden Saison sagen das gleiche. 101 Assists in 21 Partien (4,8 korbbringende Anspiele im Schnitt) bedeuten Rang elf unter allen Erstliga-Akteuren.

Von der High School ging es für Braydon Hobbs zum Studium an die Bellarmine University in Louisville, wo er zu einem Erfolgsgaranten des dortigen Basketball-Collegeteams avancierte. 2012 mit dem Abschluss in Strafrecht ausgestattet, verbrachte der 1,96 Meter große Spielmacher den Sommer auf Anraten seines früheren Coaches Damian Anderson in dessen Heimatland Australien und gewann mit den Mackay Meteors den Titel in der dortigen Queensland Basketball League (QBL).

Die Reise für ihn und seine Ehefrau Sadie führte dann über den spanischen Zweitligisten Càceres CB und Alba Fehérvár in Ungarn im Jahr 2014 nach Deutschland. "Diesen Schritt habe ich nicht bereut. Nürnberg ist die schönste Stadt in Europa, in der ich bislang gelebt habe", schwärmt Hobbs vom Frankenland und seinem Jahr beim Zweitligisten. Am vergangenen Wochenende besuchte er gemeinsam mit Sadie und der nun drei Monate alten Tochter Havan dort erstmals wieder alte Freunde und schaute sich das Heimspiel des Nürnberger BC gegen Chemnitz an.

"Oh, ja, den müssen wir unbedingt aus dem Spiel nehmen", denkt Denis Wucherer seinerseits an die letztjährige Playoff-Halbfinalserie in der ProA zwischen seinen Gießenern und dem NBC. "Mein damaliger Co-Trainer Liam Flynn kannte Braydon aus Australien, und wir haben schnell gemerkt, was wir an ihm haben könnten", beschreibt der 46ers-Coach die ersten Kontakte zu diesem für ihn "in sich ruhenden, angenehmen, smarten Typen".

Denis Wucherer sagt: "Braydon hat einen guten Wurf und ein großartiges Spielverständnis"

Mit dem Umweg über "Down under", wo Hobbs erneut für Mackay antrat, den Titel in der QBL zum zweiten Mal errang, nur ein paar Minuten vom Strand entfernt wohnte und sich über den Sommer fit hielt, heuerte der ProA-Spieler der Saison 2014/2015 schließlich vor der laufenden Runde beim Bundesliga-Rückkehrer von der Lahn an. "Seitdem bietet er bei uns Tag für Tag Qualität an. Er hat einen guten Wurf und ein großartiges Spielverständnis. Braydon hilft, das Team auf ein höheres Level zu heben", lobt Wucherer den Comboguard.

Am Samstag (20.30 Uhr) gegen Bonn soll das wieder so sein. Hobbs wird erneut die "sensationelle Atmosphäre und die lauten Fans" in der Sporthalle Ost genießen und das Vertrauen mit tollen Pässen und erfolgreichen Würfen zurückgeben wollen. Ob er über die aktuelle Runde hinaus in Gießen bleibt, weiß er selbst noch nicht. Denis Wucherer hofft es natürlich und steht in ständigem Kontakt zu Hobbs’ Berater Bennet Ahnfeldt. Der Coach weiß aber auch: "Er empfiehlt sich mit seinen Leistungen Woche für Woche für andere Vereine. Alleine in der Bundesliga gibt es sicher zehn bis zwölf Clubs, die ihm ein besseres Angebot machen und wir ihn dann nicht mehr halten könnten. Aber warten wir’s mal ab."

Momentan fühlen sich die stolzen Eltern Braydon und Sadie sowie Töchterchen Havan an der Lahn pudelwohl. "Unser Baby gibt es noch mehr Spaß und Freude am Leben. Und meine Frau geht momentan sogar mehr joggen als ich. Was mir hier vielleicht fehlt, sind meine Hobbys Jagen und Fischen. Das hole ich dann irgendwann nach, wenn ich wieder in den USA lebe", sagt der Country-Musik-Fan, der gerne Barbecue-Hühnchen mit Süßkartoffeln isst und nach seiner Sportlerlaufbahn auf keinen Fall als Polizist ("Das ist in den Staaten viel zu gefährlich"), sondern lieber beim FBI arbeiten würde.

Bis dahin geht’s weiter regelmäßig an die Salatbar bei "Tom und Sally’s" und auf Korbjagd in der Bundesliga. "Auf der Basketball-Bühne tue ich nicht nur das, was mir super viel Spaß macht. Sondern da kann ich ich sein und versuchen, meine Rolle im Team so gut es geht zu spielen", sagt Braydon Hobbs. Damit dürfte er seinem Zwillingsbruder Cameron wohl aus der Seele sprechen.


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