Ein neuer Balic? Unmöglich!

HANDBALL HSG-Mittelmann Filip Mirkulovski darf von Olympia träumen

Dynamisch: Filip Mirkulovski (M.) gegen Lars Lehnhoff (l.) und Morten Olsen von seinem Ex-Club TSV Hannover-Burgdorf. (Foto: Weis)

Als die Grün-Weißen auf der Suche nach einem Nachfolger des kroatischen Weltstars vor einem Jahr an ihn herangetreten waren, erfüllte das den Mazedonier mit Stolz. "Aber ihn zu ersetzen - das ist unmöglich. Das kann keiner", erklärte Filip Mirkulovski schon vor seinem Wechsel von Bundesligakonkurrent TSV Hannover-Burgdorf an die Lahn. "Aber ich tue mein Bestes, um meiner Mannschaft zu helfen", betont der 128-fache Nationalspieler.

Und das ist in der ersten Halbserie ganz gut gelungen. Auch wenn beim Regisseur noch Luft nach oben ist, wie er selbst einräumt. Schließlich hat er seinen Platz in der Anfangsformation zwischenzeitlich an Florian Laudt verloren.

Außerdem würde er gern mehr in der Abwehr stehen. "Das habe ich früher immer gemacht, und ich kann das ganz gut", erklärt Filip Mirkulovski selbstbewusst. "Aber das entscheidet natürlich der Trainer." Und der Erfolg gibt Kai Wandschneider recht.

"Niemand hätte erwartet, dass wir in der Tabelle so gut dastehen", wundert sich auch der ehemalige "Recke" über den Höhenflug der Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen. "Aber wir haben drei Europameister, mit Joao Ferraz einen starken Halbrechten und mit Maxi Holst einen Torjäger aus den Top-Fünf der Bundesliga", gibt er gleich eine Antwort auf die Frage nach den Gründen. "Außerdem sind wir nervenstark und haben viel Selbstvertrauen", sagt der Mazedonier auf Englisch, um auf Deutsch zu ergänzen: "Und ein bisschen Glück."

Dank Deutschland ist für Mazedonien das Ticket nach Rio de Janeiro zum Greifen nah

Aber Glück muss man sich auch verdienen. Auch der Rückraumspieler. Denn im Wetzlarer Trikot ist er bislang selten an die Leistungen herangekommen, die er auch zuletzt bei der Europameisterschaft im Nationalteam zeigt. Die Festwochen in Polen waren das sechste große Turnier des Wetzlarers. Und zwar eins mit Happy End. Auch wenn am Ende nur Platz elf heraussprang. Weil Deutschland Europameister geworden ist, dürfen Mazedonien und Filip Mirkulovski von Olympia träumen. Als Nachrücker nimmt die ehemalige jugoslawische Teilrepublik am Qualifikationsturnier für Rio de Janeiro im April in Danzig teil. Gegen Gastgeber Polen, Tunesien und Chile stehen die Chancen nicht schlecht, mindestens als Gruppenzweiter das Ticket zum Zuckerhut zu lösen.

Für Filip Mirkolovski wären die Olympischen Spiele die Krönung der Karriere. Die sollte eigentlich ganz anders verlaufen. "Wenn ich zehn Zentimeter größer geworden wäre, würde ich heute noch Basketballer spielen", verrät der knapp 1,90 Meter große Modellathlet den Grund für den Wechsel zum Handball. Mit 16 begann er als Halbprofi bei Makedonia in seiner Geburtsstadt Skopje. Mit 19 wechselte er zum großen Ortsrivalen RK Metalurg. Sechsmal wurde er mit dem Hauptstadtclub Meister, fünfmal Pokalsieger. Erst nach dem finanziellen Zusammenbruch des regelmäßigen Champions-League-Teilnehmers zog es den Rückraumspieler in der Bundesliga. Die hat er schon in der Heimat am Fernseher verfolgt, die war immer sein großes Ziel. "Das Niveau ist hoch und die Klasse ist ausgeglichen. Du kannst gegen den Letzten verlieren und gegen den Ersten gewinnen."

Nach einem halben Jahr bei der TSV Hannover-Burgdorf folgte Filip Mirkulovski dem Ruf aus Wetzlar: "Weil das schon immer ein gutes Pflaster für Spieler aus dem Balkan war." Der 32-Jährige genießt es, dass er sich mit Kristian Bliznac, Vladan Lipovina oder Torwarttrainer Jasmin Camdzic in seiner Sprache unterhalten kann. Mit dem bosnischen Schlussmann Benjamin Buric kommt zur neuen Saison ein weiterer Kollege aus der alten Heimat hinzu.

Auch den "Kulturschock" auf dem Land hat der Mann, der bis dahin sein ganzes Leben in Großstädten gewohnt hat, gut überstanden. Mit Ehefrau Blagica und dem dreijährigen Töchterchen Jovana, das Ende März eine kleine Schwester bekommen soll, fühlt er sich in Lahnau-Dorlar wohl. Nicht nur wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zu etlichen Mannschaftskameraden und deren Familien. "Das ist ein ruhiges Plätzchen und gut für einen Profi", erklärt der HSG-Mittelmann: "Es gibt weniger Möglichkeiten zur Ablenkung."

Es fehlen lediglich die Freunde aus der Heimat. Und die Eltern. Vater Marko war selbst Handballer. Torwart. Als Amateur. "Er verfolgt jedes HSG-Bundesligaspiel zu Hause am Fernseher und ist mein schärfster Kritiker", verrät Filip Mirkulovski. Ihm und den Verantwortlichen der HSG will er beweisen, dass er würdig ist, auf der Position des großen Ivano Balic zu spielen.

Im Sommer 2017 läuft der Vertrag aus. Der Mann aus Skopje würde gern noch länger bleiben, ehe es mit seiner Familie zurück in die Heimat geht. Er fühlt sich wohl. "Es war die richtige Entscheidung, nach Wetzlar zu wechseln", sagt das in der Provinz gelandete Kind der Großstadt. Und ein Lächeln huscht über sein Gesicht.


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