Gelernt, erwachsen zu werden

FUSSBALL John Patrick Strauß will sich bei Ralf Rangnick für Einsätze empfehlen

In Aktion: John Patrick Strauß. (Foto: RB Leipzig/motivio)

John Patrick Strauß vor dem Leipziger Vereinsgelände. ()

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Dennoch hebt der 19-Jährige, der bei den Sachsen im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommt, warnend den Zeigefinger: "Wir sind noch längst nicht durch. Die Liga hat 34 Spieltage. Da kann noch viel passieren."

Viel passiert ist auch bei Strauß: 2012 wechselte er von der TSG Wieseck ins Internat der "Roten Bullen". Bereits in seinem zweiten Jahr in der A-Jugend zog ihn der damalige Trainer Alexander Zorniger in den Profikader hoch. Vor allem in der Vorbereitung machte der Rechtsfuß damals auf sich aufmerksam: Gegen den spanischen Club FC Getafe erzielte er seinen ersten Treffer bei den Männern, gegen Paris Saint Germain wurde er bei einem weiteren Test in der 46. Minute eingewechselt und wirbelte die Franzosen durcheinander. Knapp anderthalb Jahre ist das nun her. Strauß kam anschließend in der U 19, die es bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft schaffte, und seit dieser Saison in der Regionalliga-Mannschaft zum Einsatz. Dass er in der 2. Liga noch keine Minute gespielt hat und auch in dieser Runde erst einmal den Sprung in den Kader schaffte, liegt auch an einer hartnäckigen Verletzung. Ende September zog er sich bei einer Übungseinheit einen Muskelfaseriss zu, der ihm lange zu schaffen machte. Erst Mitte Dezember stieg der 19-Jährige wieder ins Training ein. "Im Moment bin ich von der Nominierung in den Kader weit weg", gesteht der Mann mit der Rückennummer 2 ehrlich, ehe er kämpferisch anfügt: "In der Wintervorbereitung fangen alle wieder bei Null an. Da werde ich versuchen, wieder anzugreifen."

Bisher sah "Patti", wie ihn seine Freunde nennen, eine gute Saison seines Clubs. Die Euphorie in der Stadt sei riesengroß, im Schnitt kommen etwa 30 000 Zuschauer in die Arena. "Es würde der gesamten Region guttun, wenn wir aufsteigen", sagt der Defensivspezialist.

Dass RB kein Traditionsverein ist und erst 2009 auf Initiative der Red Bull GmbH gegründet wurde, stört ihn nicht: "Die große Mehrheit in Leipzig akzeptiert RB. Anfeindungen aus vereinzelten Ecken mag es geben, aber davon habe ich bisher nicht viel mitbekommen. Das ist auch innerhalb der Mannschaft kein Thema. Da ist jeder cool genug, um da drüberzustehen." Von seinem Übungsleiter Ralf Rangnick hat Strauß eine hohe Meinung: "Er redet sehr viel mit uns und will uns alle besser machen. Er ist ein ruhiger Coach, kann jedoch auch laut werden. Aber genau das zeichnet einen guten Trainer aus."

Der Cleeberger fühlt sich in der elftgrößten Stadt Deutschlands pudelwohl. Zusammen mit Lukas Klostermann ("Ich komme gut mit ihm aus"), der es bei RB zum Stammspieler gebracht hat, teilt er sich eine Wohnung. Vorher hat er im Internat des Vereins gelebt. "Da habe ich gelernt, erwachsen zu werden", erzählt Strauß, der nach einem Jahr Pause seit September seine Ausbildung zum Bürokaufmann fortsetzt. "Das war mir wichtig. Ich wollte ein zweites Standbein neben dem Fußball haben. Der Verein hat mir da sehr geholfen", berichtet das Talent, das sich selbst als "laufstark" und "Kämpfertyp" bezeichnet und sich überall noch verbessern will. "Daher ist es wichtig, dass ich spiele. Ob es dann die erste oder die zweite Mannschaft ist, darüber mache ich mir im Moment noch keinen Kopf." Dennoch hat Strauß ein klares Ziel: die Bundesliga. "Das wäre für den Verein und für mich natürlich schön. Ich bin noch nicht an meine Grenzen gekommen. Denn ich bin jung und kann mich weiterentwickeln."

Einer, der ihm Deutschlands höchste Klasse zutraut, ist Luca Waldschmidt. Der Dillenburger, der mittlerweile zum festen Kader von Eintracht Frankfurt gehört, spielte einst zusammen mit Strauß in der Jugend im Sturm bei der TSG Wieseck. "Wir schreiben uns regelmäßig. Er ist nahe dran. Es wäre schön, wenn wir in der Bundesliga mal aufeinandertreffen würden", sagt Waldschmidt, der vor allem die Schnelligkeit seines ehemaligen Teamgefährten lobt.

Den Kontakt nach Mittelhessen hat Strauß nie abreißen lassen. Im Oktober sah er sich eine Partie seines Heimatvereins FC Cleeberg gegen die SG Waldsolms (0:2) in der Gruppenliga an. Obwohl die Truppe aus dem Kleebachtal nur Vorletzter ist, ist sich der Kicker sicher: "Die steigen nicht ab."

Auch Weihnachten verbrachte der 19-Jährige in der Heimat. Zudem soll noch vor Rückrundenstart ein Treffen mit Waldschmidt erfolgen: "Das haben wir fest ausgemacht", sagt der Frankfurter Stürmer. Eine gute Gelegenheit für Waldschmidt, seinem Kumpel Strauß schon mal zu erzählen, was ihn in der Bundesliga erwartet.


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