"Ich beschäftige mich nicht mit Bilanzen"

HANDBALL Hüttenbergs Trainer Axel Spandau über Fehlstart, Personalprobleme und wachsenden Druck

Verlangt höchste Konzentration von seiner Mannschaft: Axel Spandau, Trainer des in dieser Saison bislang punktlosen Handball-Zweitligisten TV Hüttenberg. (Foto: Weis)

Aber der 51-jährige Sportwissenschaftler, der im März den glücklosen Heiko Karrer auf der Kommandobrücke des TVH abgelöst hatte und seitdem in 15 Partien unter seiner Ägide gerade einmal drei Siege (bei zwölf Niederlagen) feiern durfte, wirft die Flinte - trotz aller Personalprobleme und Pleitenserien - noch lange nicht ins Korn. "Ich beschäftige mich nicht mit Bilanzen, sondern mit dem nächsten Spiel", sagt Spandau vor dem Auftritt der Hüttenberger am Freitagabend (19.30 Uhr) bei Bayer Dormagen im Gespräch mit dieser Zeitung.

?Axel Spandau, vier Spiele, vier Niederlagen. Das haben Sie sich als Trainer des TV Hüttenberg sicher anders vorgestellt, oder?

Axel Spandau: Dass wir nach diesem Auftaktprogramm 0:8 Punkte haben, ist für mich zwar keine Überraschung. Aber es ist natürlich überhaupt nicht zufriedenstellend. Ich dachte vor der Runde, mit vier Zählern sind wir gut dabei, zwei wären auch okay gewesen. Dass wir jetzt mit leeren Händen dastehen, hat viele Gründe. Der Ausfall von Petar Bubalo hat sein Übriges dazu getan.

?Dann bleiben wir gleich mal bei dieser Geschichte. Wie kann es sein, dass einer Ihrer wichtigsten Spieler zwei Mal für den TVH auflaufen darf und dann bis zu einem gewissen Termin nicht mehr?

Spandau: Die Information von Bubalos Spielervermittler sind nicht korrekt zu uns rübergekommen. Deshalb gab es Probleme mit seiner Arbeitserlaubnis in Deutschland, die bis 15. September auf die HSG Varel lief. Sein Führerschein ist hier übrigens auch nicht gültig, in Varel durfte er aber drei Jahre damit Auto fahren (lacht). Scherz beiseite: Petar hat uns gegen Emsdetten und Bad Schwartau vor allem im Angriff gefehlt. Er ist nicht der Heilsbringer, aber wir haben ihn geholt, um Andi Scholz im rechten Rückraum zu entlasten. Am Freitag in Dormagen ist Bubalo an Bord.

?Damit ist eine Baustelle geschlossen, aber es gibt noch viele mehr. Was ist beispielsweise mit Maximilian Kraushaar?

Spandau: Wir haben nach dem durchaus schwer zu kompensierenden Abgang von Marc Pechstein eben Max geholt und gedacht, dass er im August wieder ins Training einsteigt. Dann kam die Sache mit seiner Meniskusfixierung, das Ganze dauert in der Regel vier bis acht Monate. Wir hätten den Vertrag mit ihm auch wieder auflösen können. Aber Kraushaar ist jung und wir versprechen uns noch einiges von ihm. Wir rechnen mit ihm in der Rückrunde, vielleicht klappt es aber schon im November.

?Das Warten bringt den TV Hüttenberg aktuell nicht wirklich weiter. Was hilft aus Ihrer Sicht?

Spandau: Wir können zusammen Drachenboot fahren, mit Alpakas spazieren gehen. Aber das beste Teamerlebnis, das es gibt, ist, wenn man gewinnt. Das weiß die Mannschaft, das weiß ich als Trainer. Natürlich wächst der Druck mit jeder Niederlage. Aber für uns geht die Saison jetzt richtig los. Dormagen, dann Baunatal, Saarlouis und Rostock, das sind Gegner unserer Kragenweite. Da muss jetzt was kommen.

?Aber nochmal: Wie erklären Sie sich die vier Niederlagen in Folge?

Spandau: Die Spieler erwarten von sich selbst und der Mannschaft viel mehr als notwendig wäre. Da gehen dann die einfachsten Dinge in entscheidenden Phasen schief. Es ist vieles Kopfsache. Nach dem Bad-Schwartau-Spiel haben wir die Dinge, die schlecht waren, bedingungslos an- und besprochen. Wir sind alles vernünftige und kluge Menschen. Wenn sich jeder auf das konzentriert, was er kann und sich und die anderen nicht blockiert, dann sind wir einen Riesenschritt vorwärts gekommen. Lippenbekenntnisse zählen nicht, die Jungs müssen was tun und nicht nur reden. Dann gewinnen wir auch wieder. Wir sind aus meiner Sicht auf alle Fälle besser als Vorletzter.

?15 Spiele unter Ihrer Regie des TV Hüttenberg, davon zwölf Niederlagen und nur drei Siege. Fürchten Sie um Ihren Trainerjob?

Spandau: Mir ist bewusst, was ich da mache. Ich kenne aber auch die Mechanismen des Geschäfts. In der Halle gibt es natürlich schon Stimmen, die laut werden, wenn es um meine Person geht. Ich weiß wiederum, dass es - und das ist jetzt beileibe nicht negativ gemeint - in Hüttenberg Altlasten aus Zeiten von Jan Gorr gibt. Die sind bei weitem noch nicht draußen. Es gibt auch Rufe, in der nächsten Saison mit Spielern aus dem eigenen Stall in Liga drei einen Neuanfang zu machen. Ich glaube, man sollte eine Klasse nicht so leicht herschenken. Die zweite Liga ist eine brutale Geschichte. Aber wenn ich mich den ganzen Tag damit beschäftige, was war, dann müsste ich mich einbuddeln. Ich beschäftige mich nicht mit Bilanzen, sondern mit dem nächsten Spiel. Und das ist Dormagen.


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