Mit der Bierruhe ist es vorbei

FUSSBALL Veltins sauer auf TSV Steinbach, der sich Krombacher zugewandt hat

Am 28. August ist die Welt noch in Ordnung: (v.l.) die TSV-Vorstände Roland Kring und Hans-Gerhard Franz, Sabine Fremerey-Warnecke, in deren Autohaus die Pressekonferenz zum Schalke-Spiel stattfand, TSV-Trainer Peter Cestonaro, Langenaubachs Coach Tobias Danecker, Michael Wagner und TSV-Medienbeauftragter Sven Firmenich. (Foto: Fischer)

Und die Vertreter der Veltins-Brauerei, die den Auftritt der Königsblauen ermöglicht hatten, durften sich beglückwünschen: Es war ein rundherum gelungener Abend, der im VIP-Zelt bei dem einen oder anderen Pils des Getränkelieferanten aus dem sauerländischen Meschede gar nicht enden wollte.

Anfang November ist die Stimmung zwischen den einstigen Partnern jedoch auf dem Tiefpunkt. Nicht nur für Veltins überraschend gab der TSV Steinbach vergangene Woche in einer offiziellen Erklärung bekannt, einen Vierjahresvertrag mit Krombacher abgeschlossen zu haben. TSV-Vorsitzender Hans-Gerhard Franz dazu: "Eine der größten deutschen Brauereien und ein erfolgsorientierter und aufstrebender TSV Steinbach garantieren eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Fußballsports in unserer Region."

In einer Mail macht Michael Wagner seiner Enttäuschung mächtig Luft

Für Veltins war dies ein Schlag ins Gesicht, für Michael Wagner, seit 17 Jahren Vorsitzender des SSV Langenaubach und im Zivilberuf Gebietsverkaufsleiter Mittelhessen der Veltins- Brauerei, an Dreistigkeit kaum zu überbieten. In einer Mail an Geldgeber und TSV-Vorstandsmitglied Roland Kring hat er seinem Unmut, seiner Enttäuschung, seiner Verbitterung, ja seiner Wut dieser Tage Luft gemacht. Denn laut Wagner habe der souveräne Hessenliga-Tabellenführer das Schalke-Spiel nur ausrichten können, da dies mit der Vereinbarung verbunden gewesen sei, danach einen Bierliefervertrag über fünf Jahre mit seinem Unternehmen abzuschließen.

"Nun ist es ja eigentlich schon schlimm genug, dass Ihr Euch einen feuchten Kehricht um irgendwelche Vereinbarungen oder Verabredungen schert. Aber dass Ihr noch die Dreistigkeit besitzt, Euch zuerst das Geld überweisen lasst, wir reden hier von rund 25 000 Euro, die Ihr mit dem Schalke-Spiel verdient habt, und die auch nicht zurückzahlen wollt, das ist mir in dieser Form in meiner ganzen Karriere noch nicht untergekommen. Wenn Ihr noch einen Rest an Anstand gehabt hättet, dann hättet Ihr zumindest das Geld zurückgegeben oder es erst gar nicht angenommen. Denn Ihr wusstet ja schon länger, dass Ihr unsere Vereinbarung nicht halten wollt", so der 50-jährige Familienvater in seinem Schreiben an Roland Kring, das in Kopie unter anderem auch an Haigers Bürgermeister Mario Schramm, Ulrike Kreutz, Geschäftsführerin der Kreutz-Mahlwerke in Langenaubach, und verschiedene Medien gegangen ist.

Was der starke Mann des achtstärksten hessischen Fußballclubs so nicht auf sich sitzen lassen möchte: "Dass ein Veltins-Vertrag eine zwingende Voraussetzung für das Schalke-Spiel sei, ist so mit uns nicht kommuniziert worden. Dies zeigt letztlich auch die Tatsache, dass uns erst am 6. Oktober erstmals ein Vertragsvorschlag zur Prüfung übergeben wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte der TSV Steinbach überhaupt keine Konditionen und Bedingungen und hatte somit auch keine Grundlage, um irgendwelche Entscheidungen zu treffen", so Kring in einem Schreiben an Veltins, das dieser Zeitung ebenfalls vorliegt. Dass Kring entgegen seinen Worten schon lange davon wusste, dass ein mögliches Schalke-Spiel direkt an eine Zusammenarbeit mit Veltins gekoppelt war, zeigt ein Schriftverkehr aus dem Februar 2013, der der Redaktion ebenfalls vorliegt. Darin formuliert der Steinbacher Macher, dass "der Vertrag mit Veltins für den Haarwasen mit der Stiftung abgeschlossen" werden könne, "diese wiederum verpflichtet dann die jeweiligen Betreiber der Gastronomie auf Veltins-Produkte."

Dass sich der Club aus dem 900 Einwohner zählenden Haigerer Stadtteil letztlich dazu entschieden hat, den am 31. Dezember auslaufenden Vertrag mit Bitburger durch einen Krombacher-Kontrakt zu ersetzen, ist für Kring eine rein "kaufmännische Entscheidung. Der uns am 6. Oktober von Ihrem Hause vorgeschlagene Vertrag wäre in dieser Form, auch unter Berücksichtigung von möglichen Einnahmen aus einem Schalke-Spiel, nicht zu Stande gekommen", heißt es in der Mail an die Brauerei

Über konkrete Summen wollen beide Seiten nicht reden. Nach Informationen dieser Zeitung zahlt der neue Steinbacher Bierlieferant Krombacher dem Club in den kommenden vier Jahren insgesamt 125 000 Euro. Der Deal mit Veltins hätte als Zusatz lediglich die Einnahmen aus dem Schalke-Match beinhaltet. Eingefädelt hat das Geschäft mit den Brauherren aus Kreuztal der neue TSV-Geschäftsführer Matthias Georg, laut Kring "mehrere Wochen nach dem Schalke-Spiel".

In dem Schreiben an Roland Kring betont Michael Wagner, dem Steinbacher Mäzen viele Jahre "blind vertraut", ihn gegen "Anfeindungen und böse Kommentare verteidigt" und für ihn "meine Hand ins Feuer" gelegt zu haben. "Und dann rufst Du mich an und wirfst mir auch noch vor, dass ich mir den Vertrag nicht habe früher unterschreiben lassen. Getreu dem Motto: ,Du hättest Dir doch denken müssen, was für eine charakterlose Bagage der Vorstand des TSV ist, da bist Du dann doch selber schuld.’ Das hätte ich vielleicht ja auch getan, aber aufgrund eurer Spielorte-Odysee von Steinbach über Rodenbach nach Fellerdilln und letztendlich nach Haiger wusste ich ja bis zuletzt nicht mal, was ich eigentlich in den Vertrag aufnehmen muss. Allerdings spielt der Zeitpunkt der Vertragsunterschrift normalerweise auch überhaupt keine Rolle. Außerdem würde das dem Fass den Boden ausschlagen, wenn ich mich jetzt auch noch rechtfertigen müsste."

Wagner spricht von einer "kapitalen menschlichen Fehleinschätzung Deiner Person", fragt nach "Schamgefühl" und glaubt, dass "Ihr inzwischen jegliche Bodenhaftung verloren habt".

Roland Kring indes ist der Auffassung, dass Michael Wagner Interessen des SSV Langenaubach mit denen der Veltins-Brauerei vermischt. "Mit einer solchen Mail in die Öffentlichkeit zu gehen, ist mehr als bedenklich. Alleine die im Betreff genannte Formulierung ,Vertragsbruch’ ist eine vorsätzliche Irreführung für die im Verteiler aufgeführten unbeteiligten Personen", so der TSV-Macher in der Mail an die Brauerei Veltins.

Er betont, Wagner habe mit dem Schalke-Spiel bei ihm etwas gutmachen wollen, da er den SSV Langenaubach in den Jahren 2010, 2011 und 2012 mehrfach mit Geldbeträgen zur Zahlung von länger überfälligen Spielergehältern unterstützt habe. In der Partie gegen die Königsblauen habe der TSV Steinbach lediglich mitgewirkt, weil Wagner vor dem Hintergrund eines möglichen Interessenkonflikts als SSV-Boss und Veltins-Beschäftigter einen zweiten Partner mit im Boot haben wollte.

Für die Veltins-Brauerei liegt der Fall inzwischen bei den Akten. Der Aussage des TSV-Vorsitzenden Hans-Gerhard Franz vom Dienstag, er glaube, "Veltins gibt sich geschlagen", haben die Braumeister aus Meschede nichts hinzuzufügen. "Wir haben den Fehler gemacht, uns den Vertrag nicht rechtzeitig unterschreiben zu lassen", so Michael Wagner. "Veltins akzeptiert die Entscheidung des TSV Steinbach und macht keine rechtlichen Schritte geltend."

Was bleibt? In jedem Fall ein sehr bitterer Nachgeschmack rund um das Lieblingsgetränk der Fußball-Fans ...


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Kommentare (1)
Moral hin oder her - das wirklich bedenkliche an der Sache ist, das sich ein Verein, der auf einem sehr guten Weg ist und noch viel erreichen kann - der wirklich Qualität im Kader hat, das sagt jeder Fussballkenner - mehr
sich einen Biersponsor ans Bein bindet, der von Qualität keine Ahnung hat und nur dank eines immensen Werbebudgets einen hohen Absatz erreicht.....das weiß jeder Bierkenner.......schade eigentlich. Zu einer Premium Marke wie der TSV es werden wird, hätte auch eine wirkliche Premium Marke beim Biersponsor gut gepasst. Chance vertan...........
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