Nach der Pause läuft’s

HANDBALL Deutschland siegt nach Steigerung 27:26 gegen Schweden

Tor für Deutschland: Steffen Fäth (r.) überwindet den Block der Schweden um Jesper Nielsen (l.) und Tobias Karlsson, Fäths Mannschaftskollege, Kreisläufer Hendrik Pekeler (2.v.r.), beobachtet die Szene. (Foto: Witters)

Nicht etwa, weil die Schützlinge von Bundestrainer Dagur Sigurdsson ein Tor erzielt hätten. Nein, sie hatten lediglich in der Abwehr den Ball erobert.

Genau diese Aggressivität in der Defensive fehlte den Deutschen in ihrem zweiten Gruppenspiel bei der Europameisterschaft in Breslau gegen Schweden über weite Strecken des ersten Durchgangs. Da sah es schon so aus, als würde die Reise nach Polen für die junge Truppe zu einem einwöchigen Kurztrip verkommen. Aber die Leistungssteigerung in der Abwehr mit einem überragenden Torwart Andreas Wolff dahinter war letztlich der Grund dafür, dass der WM-Siebte von 2015 mit 27:26 (13:17) gewann und damit einen großen Schritt in Richtung Hauptrunde gemacht hat.

Ein Punkt am Mittwoch (17.30 Uhr) im abschließenden Gruppenspiel gegen Slowenien genügt, um die zweite Phase des Turniers zu erreichen. Doch selbst eine Niederlage könnte reichen, wenn Spanien im Anschluss gegen Schweden gewinnt.

"Wir haben wieder Mut und Charakter gezeigt", freute sich Sigurdsson nach dem Happy End. Der Isländer überraschte zu Beginn mit einer taktischen Veränderung. Anstelle einer 6:0-Formation wählte er eine 5:1-Deckung. Doch der Schachzug ging nicht auf. Genausowenig wie die Maßnahme, im Tor erneut Carsten Lichtlein den Vorzug vor dem auch schon beim 29:32 gegen Spanien wesentlich überzeugenderen Wetzlarer Andreas Wolff zu geben. Als der zu Beginn kaum zu haltende Flensburger Johan Jakobsson mit seinem vierten Treffer auf 8:5 erhöhte (10.), korrigierte Sigurdsson seine Pläne. Doch auch im 6:0-Verbund fehlte es der deutschen Deckung zunächst an Stabilität. Weil Wolff gleich mehrfach stark parierte, erzielte sein Wetzlarer Teamkollege Steffen Fäth zwar das 10:10 (18.), doch danach schwächte sich die DHB-Auswahl selbst. Erst erhielt Tobias Reichmann eine Zwei-Minuten-Strafe, dann leistete sich der Weltmeister von 2007 einen Wechselfehler. Als dann auch noch der bis dato so nervenstarke Tobias Reichmann einen Siebenmeter über das Tor warf (30.), ging es mit einem Vier-Tore-Rückstand in die Pause.

Als Andreas Wolff sensationell gegen Niklas Ekberg pariert, ist der Weg zur Aufholjagd frei

"Uns hat die Aggressivität gefehlt", monierte Bob Hanning. "Wenn du ein Bad-Boy-Image an den Tag legen willst, darfst du nicht mit einem Röckchen auflaufen", ergänzte der DHB-Vizepräsident, der aber danach eine völlig verwandelte deutsche Mannschaft sah.

Es waren keine sechs Minuten im zweiten Durchgang gespielt, da war es Reichmann, der von Rechtsaußen zum 18:18 traf. Als dann Wolff sensationell gegen seinen zukünftigen Kieler Vereinskollegen Niklas Ekberg parierte, schien es so, als sei die Wende bereits geschafft. Beim 21:20 gelang Kapitän Steffen Weinhold schließlich die erste Führung für die deutsche Mannschaft, die nun in der Abwehr kräftig zupackte, Ballgewinne feierte und mit Tempo in die Offensive ging. Es war jedoch bezeichnend für diesen wechselvollen Abend, dass selbst ein Vier-Tore-Vorsprung (26:22) 13 Minuten vor dem Ende noch keine Entscheidung bedeutete. Beim 26:27 (57.) waren die Schweden wieder im Spiel. Finn Lemke hätte alles klar machen können, warf einen Tempogegenstoß jedoch übers Tor. Aber die Defensive stand und ließ keinen Gegentreffer mehr zu. "Dieser Sieg war enorm wichtig. Das könnte eine Initialzündung für das gesamte Turnier sein", meinte Wolff, der wegen seiner zahlreichen Paraden zum Spieler des Spiels gewählt wurde. Spätestens seit Montagabend hat der deutsche Handball eine neue Nummer eins.

 

IM STENOGRAMM

Deutschland: Wolff, Lichtlein – Sellin, Lemke (1), Reichmann (9/5), Wiede (2), Pekeler (1), Weinhold (5), Strobel, Schmidt, Fäth (3), Dahmke (4), Ernst, Pieczkowski, Dissinger (1), Kohlbacher (1).

Schweden: Andersson, Appelgren – Olsson, Källmann (2), Ekberg (4), Lukas Nilsson (5), Konradsson (1), Karlsson, Jakobsson (8), Petersen (1/1), Stenmalm, Cederholm, Östlund (2), Zachrisson, Andreas Nilsson (3), Nielsen.

Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien) – Zuschauer: 6000 – Strafminuten: 8:4 – Disqualifikationen: Dissinger (Deutschland) wegen Foulspiels (56.) – verworfene Siebenmeter: Reichmann (Deutschland) wirft über das Tor (30.).


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