Schnell, sprungstark, brav

HANDBALL Petar Bubalo träumt von der Bundesliga und findet "zehnten Bruder"

Die zweite Liga als Zwischenstation: Petar Bubalo (M.) will mit und beim TV Hüttenberg glänzen und sich weder von den Rostockern Roman Becvar (r.) und Vyron Papadopoulos oder anderen Konkurrenten aufhalten lassen. (Foto: Weis)

Der Neue und zwei "alte Kempen" beim TV Hüttenberg: Petar Bubalo (M.), eingerahmt von Trainer Axel Spandau und dem Sportlichen Leiter Torsten Menges. ()

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Wie beschwerlich, steinig und mitunter tückisch allerdings gerade die letzte Wegstrecke in die vermeintlich stärkste Liga der Welt ist, das musste der Neuzugang des TV Hüttenberg bereits in den ersten Wochen seines Engagements bei den Blau-Roten am eigenen Leib erfahren. Zum Teil sehr schmerzlich.

"Hier wird viel schneller, athletischer gespielt und in der Abwehr ganz anders zugepackt als in der 3. Liga", sagt der von der HSG Varel-Friesland gekommene bosnische Jung-Nationalspieler freimütig und ein mildes Lächeln umspielt seine Lippen, als er anfügt: "Das spornt mich nur noch mehr an."

Trainer Axel Spandau hält große Stücke auf seinen neuen Halbrechten. "Petar ist schnell, besitzt eine enorme Sprungkraft, und wenn er alle Mittel einsetzt, auch eine starken Wurf", stellt der Sportwissenschaftler die Vorzüge des mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ausgestatteten Zugangs heraus. "Anspiele an den Kreis sind ihm ebenfalls nicht fremd." Entsprechend groß sind die Erwartungen.

Spandau will, dass der Bosnier in Hüttenberg ein "kompletter Spieler" wird

Dass der neue Mann im rechten Rückraum neben dem weiter unverzichtbaren Routinier Andreas Scholz die Anforderungen zunächst nicht adäquat erfüllen kann, liegt an seinen Defiziten. Vor allem in der Defensive. "Da muss er noch eine Menge lernen", weiß Hüttenbergs Sportlicher Leiter Torsten Menges. Und Spandau schiebt nach: "Da fehlt es noch an Kraft, Härte und Athletik." Kein Wunder: Bei einer Größe von 1,92 Metern und nur 84 Kilogramm gehört Bubalo zu den Leichtgewichten im Rückraum. "Er muss zulegen. Daran arbeiten wir. Denn nur für den Angriff haben wir ihn nicht geholt. Bei uns soll er ein kompletter Spieler werden."

An Bubalo soll’s jedenfalls nicht hapern. "Ich will meinen Weg gehen, weiter hart trainieren, um mich weiterzuentwickeln und Hüttenberg weiterhelfen zu können", zeigt sich der zur aktuellen bosnischen A-Nationalmannschaft zählende Schlaks willig-einsichtig.

Dass bisher für den sympathischen Rückraumschützen, der in der vergangenen Saison mit 115 Treffern zweitbester Schütze des Nord-Drittligisten vom Jadebusen war, lediglich 21 Saisontore zu Buche stehen, liegt nicht nur an ihm. Denn der gelernte Reisekaufmann musste nach den beiden Saisonauftaktspielen des derzeit mit 4:12 Punkten auf dem 15. Rang platzierten TVH in gleich zwei Begegnungen unfreiwillig pausieren. Weil es Probleme mit der Verlängerung seiner Arbeitserlaubnis gab. "Aber die sind aus der Welt geschafft", sagt Menges, der zudem weiter positiv festhält, dass "die Verständigung innerhalb der Mannschaft täglich besser wird. Inzwischen ist er integriert". Besonderen Anteil daran hat Patrick Schmidt. Der Rückraumregisseur und Bubalo funken auf einer Wellenlänge und werden in Anlehnung an das legendäre Komikerpaar "Pat und Patachon" aus der Stummfilmzeit schon "Patti und Petar" genannt.

Patrick Schmidt funkt mit dem Neuzugang der Blau-Roten auf einer Wellenlänge

Sie absolvieren nicht nur gemeinsam ein spezielles Lauf- und Aufbautraining, Schmidt steht ihm auch im normalen Leben mit Rat und Tat zur Seite. "Patti ist wie ein Bruder für mich", sagt der aus einer Basketball-Großfamilie mit zehn Söhnen stammende Petar dankbar. Die letzten drei Jahre in Varel hatte er noch seinen ebenfalls handball-spielenden Zwillingsbruder Andrija auf dem Feld und in der Freizeit dicht an der Seite. "Er hat gekocht, geputzt, gewaschen. Also praktisch den ganzen Haushalt in unserer Wohngemeinschaft geschmissen", erklärt der fünf Minuten ältere Neu-Hüttenberger.

Vater Tomislav Bubalo, einstiger Basketball-Profi von KK Bosna Sarajevo, hätte aus seinen Zwillingen genau wie aus dem weiteren Nachwuchs zwischen zehn und 24 Jahren gerne Korbjäger geformt - der Älteste Franjo ist übrigens beim deutschen Pro-B-Club BG Karlsruhe aktiv. "Mein derzeit immer noch an einem Kreuzbandriss leidender Zwillingsbruder und ich haben uns mit 14 lieber zum Handball geschlichen", verrät der sowohl einen bosnischen als auch den kroatischen Pass besitzende Linkshänder. Bei ihrem Heimatverein, dem kroatischen Erstligisten HRK Medugorje, sammelte das Bubalo-Duo früh Erfahrung im Männerbereich und in der Junioren-Nationalmannschaft, bevor die beiden gemeinsam nach Varel wechselten.

Ganz wichtig für den inzwischen nur drei Minuten vom Hüttenberger Sportzentrum im Steinberger Weg wohnenden Petar ist der Kontakt nach Hause. "Dank Notebook, Internet, Facebook und Skype kein Pro᠆blem", meint das für seinen Trainer noch immer "zu lieb und brav" auftretende Talent. Weil Bubalo auf dem Feld die typischen handball-spezifischen Reaktionen vermissen lässt.

Auch gemeinste Attacken, wie beispielsweise der Handkantenschlag des Rostockers Roman Becvar mitten ins Gesicht, steckte der 22-Jährige bei der unnötigen 25:26-Heimpleite des TVH vergangenen Samstag klaglos weg. Einmal kurz die Nase gecheckt, ob sie noch dran ist und schon ging’s weiter. Dieses Phlegma muss Petar Bubalo, der nach 30 Einsätzen im Junioren-Nationalteam bisher zwei A-Länderspiele absolviert hat und Ende des Monats in der WM-Qualifikation in Minsk gegen Weißrussland und Dänemark erneut für Bosnien-Herzegowina antreten soll, möglichst rasch ablegen. Dann klappt’s vielleicht tatsächlich mit der Erfüllung seines großen Traums.


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