Sehnenlos

TENNIS Andre Begemann im Interview

Andre Begemann trainiert für das Comebachk. (Foto: privat)

Im November musste sich der 31-Jährige einer Operation unterziehen. Bei dem Eingriff wurde eine Sehne aus seinem Knie entfernt und im rechten Ellenbogen wieder eingesetzt. "Da denkt man: Heidewitzka, das muss ein Arzt erstmal hinkriegen", kann der Doppel-Exerte darüber schmunzeln. Er sieht das Positive an der Auszeit. So verbrachte er Weihnachten erstmals seit zehn Jahren wieder zu Hause und auch in Braunfels-Tiefenbach, woher seine Freundin Alessa Wagner stammt. Im Interview spricht der Davis-Cup-Spieler über sein Comeback und Manipulation.

Andre Begemann, warum mussten Sie überhaupt operiert werden und wie geht es Ihnen jetzt?

Andre Begemann: Ich habe schon länger Probleme mit dem Ellenbogen. Letztendlich war es beim Turnier in Thailand, wo ich mich beim Aufschlag schlimmer verletzt habe. Es ist eine Verletzung am Innenband am Ellenbogen - und das Band musste ausgetauscht werden. Der Arzt in Pforzheim hat das gut hingekriegt. In den ersten Wochen war die Marschroute, Beweglichkeit ohne Belastung herzustellen. Ich war quasi ein einarmiger und einbeiniger Bandit (lacht). Jetzt kann ich wieder mit dem Kraftaufbau anfangen. Drei Monate nach der Operation kann ich versuchen, einen Tennisschläger in die Hand zu nehmen. Ich habe es aber auch genossen, mich nicht antreiben zu müssen. So doof sich das auch anhört. Eine Verletzung ist nie schön, aber ich versuche der Auszeit das Gute abzugewinnen.

In den vergangenen zwei Jahren gehörten Sie dem deutschen Davis-Cup-Team an. Das erste Spiel in der Weltgruppe gegen Tschechien im März kommt zu früh. Wie groß ist da die Enttäuschung?

Begemann: Mein Ziel ist der 9. Mai, das wäre zwei Wochen vor den French Open. Das ist mein Comeback-Datum. Mein erstes Turnier soll das Challenger in Heilbronn sein. Ich will auf gar keinen Fall zu früh anfangen. Mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, beim Davis-Cup gegen Tschechien nicht dabei sein zu können. Vorher habe ich mich schon gefragt: Mache ich jetzt die OP oder erst später. Meine großen Ziele waren immer Davis-Cup und Olympia. Eines davon habe ich erreicht. Olympia muss ich eigentlich abschreiben. Ich müsste schon die French Open gewinnen um eine Chance zu haben, und selbst dann wäre es noch nicht sicher (lacht). Aber zu 100 Prozent aufgegeben habe ich noch nicht. Beim Davis-Cup hoffe ich einfach, dass die Jungs Deutschland gut vertreten und dass ich mich danach wieder in der Mannschaft etabliere.

Verfolgen Sie eigentlich die Australian Open? Vor dem Auftakt wurde vermeldet, dass 16 Spieler aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Manipulationen verwickelt gewesen sein sollen.

Begemann: Ich bleibe nachts nicht auf, ich will auch ein wenig mentalen Abstand gewinnen. Es würde sich doof anfühlen, wenn ich ständig trauern würde, dass ich nicht dabei bin. Die Ergebnisse checke ich trotzdem. Es gab am ersten Tag schon drei Aufgaben, das ist auffällig. Da muss man irgendwann die Frage stellen, warum das so ist. Deswegen bin ich froh, dass ich bei minus drei Grad in Königstein sitze (lacht). Zu den möglichen Spielmanipulationen kann ich nur sagen: Spekulationen gab es schon immer. Da, wo Millionengelder auf Sportereignisse gewettet werden, wo der Grat zwischen verlieren und gewinnen so schmal ist wie beim Tennis, da ist die Möglichkeit für so etwas leider immer gegeben.


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