Signalwirkung statt Abschiedstour

HANDBALL TV Hüttenberg setzt auf Adelsteinn Eyjolfsson als neuem Trainer

Auf gute Zusammenarbeit: Der neue Trainer des TV Hüttenberg, Adalsteinn Eyjolfsson (M.) mit dem Sportlichen Leiter Torsten Menges (l.) und Manager Lothar Weber. (Foto: Weis)

Der Isländer Adelsteinn Eyjölfsson soll den ins Trudeln geratenen Traditionsverein aus Mittelhessen in den ausstehenden 17 Partien der laufenden Saison doch noch zum Klassenerhalt im Unterhaus des deutschen Handballs führen. "Es ist fünf vor zwölf, das ist mir und sicher auch den Spielern bewusst. Wir müssen alle zusammen daran glauben, dann schaffen wir das auch", erklärte der 37-Jährige in ruhigem, aber bestimmtem Ton am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz im Sportzentrum Hüttenberg.

Bubalos Vertrag endet früher, Bosnier wird an Viertligisten ausgeliehen

Dass nun also Eyjölfsson und nicht etwa die vorher kolportierten Arno Jung oder Gennadij Chalepo die Nachfolge des glücklosen und am vergangenen Mittwoch entlassenen Axel Spandau auf der Bank des TVH antritt, war Manager Lothar Weber schon nach einem kurzen Gespräch klar. "Es wurden einige Namen gehandelt und es waren intensive Tage. Wir haben letzte Woche das erste Mal Kontakt zu ,Adli’ aufgenommen, dann immer intensiver miteinander telefoniert und waren uns schnell einig. Er war von Beginn der Suche an unser Wunschkandidat. Weil er trotz seiner noch jungen Jahre ein erfahrener Trainer ist, der die zweite Liga kennt", stellte der Macher des Hüttenberger Handballs fest.

Eyjölfsson, der zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende beim Tabellen-19. erhält, coachte von Sommer 2010 bis Oktober 2014 den ThSV Eisenach. Mit den Thüringern schaffte der Isländer 2013 den Aufstieg in Liga eins, stieg aber nach einem Jahr wieder ab. Nach der vierten Niederlage im achten Spiel der laufenden Runde musste der frühere Trainer des Frauen-Bundesligisten TuS Weibern seinen Posten in der Wartburgstadt für Velimir Petkovic räumen. "Ich sehe die Verpflichtung von ,Adli’ als eine ähnliche Signalwirkung wie die von ,Petko’ in Eisenach", sagte Torsten Menges, Sportlicher Leiter des TV Hüttenberg. "Druck ist natürlich da. Und wir wissen trotz der vielen knappen Niederlagen, dass wir qualitativ Probleme in unserem Kader haben. Darauf werden wir reagieren", erklärte Menges. Und Lothar Weber versprach den Fans: "Wir sind in Verhandlungen mit Spielern und glauben, in drei, vier Tagen Vollzug zu melden. Wir wissen, dass wir vor allem auf der rechten Rückraumposition handeln müssen. Aber wir brauchen da keinen Schnellschuss, keine Nullnummer."

Genau aus diesem Grund verkürzen die TVH-Verantwortlichen auch den Vertrag mit Petar Bubalo um ein Jahr auf 30. Juni 2015 und leihen den seit Wochen enttäuschenden Bosnier mit sofortiger Wirkung an die HSG Kastellaun/Simmern (Tabellenführer der viertklassigen Rheinlandliga) aus. "Petar hat gut bei uns angefangen, wirkte dann aber plötzlich wie ein Fremdkörper in der Mannschaft", so Weber.

Auf Eyjölfsson warten in Hüttenberg in den kommenden Wochen der Vorbereitung (mit diversen Testspielen sowie einem viertägigen Trainingslager im tschechischen Pilsen) und den Monaten bis zum Rundenabschluss am 7. Juni in Leipzig derweil viele Baustellen. "Ich weiß, was hier auf mich zukommt. Aber ich glaube zu wissen, was mit dieser Mannschaft plus gezielter Verstärkung drin ist. Zum Beispiel die 3:2:1-Abwehr, die war und ist für mich die DNA des Hüttenberger Erfolgs der vergangenen Jahre. Ich will sehen, ob die vielleicht doch noch da ist. Wir müssen die passende Strategie finden und schnell Punkte sammeln. Aber wir dürfen auch nicht zu weit nach vorne in die Glaskugel schauen. Ich erwarte, dass die Jungs am 11. Februar zum Jahresauftakt gegen Emsdetten brennen", sagte Eyjölfsson.

Damit der Trainerwechsel die richtige Signalwirkung erzeugt, müssen aber Siege her. "Am besten fünf aus den ersten sechs Spielen", wünscht sich Lothar Weber. "Dann haben wir den Klassenerhalt zwar nicht in der Tasche. Aber wir haben der Konkurrenz gezeigt, dass wir noch da sind. Ansonsten könnte das Ganze ab Mitte März auch zu einer Abschiedstournee werden", will auch Torsten Menges vorerst überhaupt nichts von kampfloser Aufgabe im Rennen um den Klassenerhalt wissen. Und wenn es doch in die dritte Liga geht? "Darüber machen wir uns jetzt keine Gedanken. Auch darüber, ob ,Adli’ dann weiter bei uns Trainer sein wird. Jetzt heißt es erstmal: Wir ergeben uns nicht, das soll die Konkurrenz in der zweiten Liga wissen", zeigt sich Lothar Weber kämpferisch.

Inwieweit die Mannschaft die Worte in Taten umsetzen kann, wird sich in den richtungsweisenden Begegnungen im Februar und März zeigen. Vielleicht sorgt ein Isländer ja für den erhofften Vulkanausbruch. "Ich freue mich, nicht mehr auf der Couch zu liegen, sondern nach meinem ,Urlaub’ wieder mittendrin im Geschäft zu sein", sagte Adelsteinn Eyjölfsson. Auch wenn sich der neue Trainer des TV Hüttenberg am Montag samt seiner Frau Birna und dem 13 Monate alten Sohn Atli Steinn zunächst mal um die Wohnungssuche kümmerte, ehe er sich seiner neuen Mannschaft vorstellte.


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