"So fit wie noch nie"

FUSSBALL Masih Saighani schießt für Afghanistan seine ersten beiden Tore

In der Startformation der Nationalmannschaft Afghanistans: Masih Saighani (vorne links). (Foto: privat)

Masih Saighani (l.) freiut sich über sein erstes Länderspieltor, Kapitän Faysal Shayeste beglückwünscht ihn. (Foto: privat)

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Beim Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach zuletzt nur auf dem Abstellgleis und Mitte Dezember sogar aussortiert, hat der 29-Jährieg bei der Südasienmeisterschaft im indischen Thiruvananthapuram Werbung in eigener Sache machen dürfen. "Die fast vier Wochen waren für mich persönlich, aber auch für unser Team, äußerst erfolgreich. Wir wurden Zweiter, ich gehöre inzwischen zur Startelf, habe zwei Tore gemacht, eines vorbereitet und bin so fit wie in meinem ganzen Leben noch nie", blickt der Marburger auf eine Zeit zurück, "die ich nicht missen möchte."

Unter dem neuen Trainer Petar Segrt, einem Kroaten, der den nach nur acht Monaten und der verpassten Qualifikation für die WM 2018 in Russland gefeuerten Frankfurter Slaven Skeledzic am 1. November beerbte, hat sich Masih Saighani zu einer festen Größe in Afghanistans Nationalmannschaft gemausert. Die Gruppenspiele an der Südspitze Indiens gegen Bangladesch (4:0) und gegen das Königreich Bhutan (3:0) absolvierte er über die gesamten 90 Minuten, nur im bedeutungslosen Match gegen die Malediven (4:1) ließ er sich leicht angeschlagen vorzeitig auswechseln.

Ex-Steinbacher absolviert Probetraining in China und im Oman

Im Halbfinale gegen Sri Lanka (5:0) und im Endspiel gegen das Team der Gastgeber (1:2 nach Verlängerung) stand Saighani als Innenverteidiger wieder komplett für den 153. der Weltrangliste auf dem Feld. Dabei glückten ihm eine Vorlage und zwei Tore - das 1:0 gegen Bangladesch nach 30 Minuten und das zwischenzeitliche 2:0 gegen Bhutan kurz vor der Halbzeit.

Dass Titelverteidiger Afghanistan das Finale gegen Indien unglücklich verlor, hatte für den Ex-Steinbacher einen "bitteren Beigeschmack." Denn der Schiedsrichter aus Japan verweigerte den Männern vom Hindukusch zwei klare Elfmeter und bevorzugte die Gastgeber bei zahlreichen strittigen Entscheidungen, wo er nur konnte. Saighani: "Es soll keine Ausrede sein, aber wer die Partie gesehen hat, der weiß, wovon ich rede." Dennoch sprich der 29-Jährige von einem "persönlich äußerst erfolgreichen Turnier", bei dem er in subtropischer Hitze und bei täglichem Training rund sieben Kilogramm abgenommen hat.

Der 1,88-Meter-Mann, der aus Afghanistans Hauptstadt Kabul mit seiner Familie im Alter von zwei Jahren verlassen musste, ist also bereit für neue Aufgaben. Ob Saighani, der schon für den VfB Marburg, den SC Waldgirmes, die Sportfreunde Siegen und Eintracht Wetzlar am Ball war, in Deutschland bleiben wird, ist dabei noch völlig offen. Ihm liegen Angebote aus China und dem Oman vor, in beiden Ländern wird er demnächst zum Probetraining erwartet. Über seinen Berater flatterten ihm auch Offerten aus der 2. und 3. Liga ins Haus, mit denen er sich jedoch nach eigener Aussage noch nicht konkret beschäftig hat. "Mal sehen, was sich in den kommenden Wochen alles so ergeben wird." Vom Interesse der Hessenliga-Spitzenclubs Teutonia Watzenborn-Steinberg und Rot-Weiß Frankfurt hat Saighani gehört, konkrete Gespräche habe es aber keine gegeben. In jedem Fall will der inzwischen fünffache afghanische Internationale irgendwo auflaufen, wo seine Fähigkeiten geschätzt werden und er als Mensch geachtet wird.


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