
"Wir haben den Löwen alles abverlangt und eine gute erste Halbzeit gespielt. Letztlich sind wir an der Weltklasse-Abwehr des Gegners gescheitert", kommentierte HSG-Trainer Kai Wandschneider die etwas zu hoch ausgefallene 23:29 (14:14)-Niederlage seiner Mannen gegen die mit internationalen Stars gespickte Truppe aus dem Badischen.
Von der ersten Sekunde an zeigten die Wetzlarer vor 4118 Zuschauern in der Rittal-Arena eine völlig andere Körpersprache als noch am Sonntag beim zwar erfolgreichen, aber fast schon blamablen 29:26 gegen die MT Melsungen. Was weniger daran lag, dass Wandschneider weder Adnan Harmandic noch die Müller-Zwillinge in die Anfangsformation berief.
Vielmehr drehten deren "Ersatzleute" Fannar Thor Fridgeirsson, Steffen Fäth und Daniel Valo mächtig auf und machten Alarm. "Ich wollte nicht mit der 6:0-Abwehr beginnen und anderen Spielern von Beginn an eine Chance geben", erklärte Wandschneider später.
Nikola Marinovic alleine auf weiter Flur, da sich Nikolai Weber verletzt hat
Nationalspieler Fäth eröffnete den Torreigen nach 65 Sekunden und bediente in der dritten Minute den am Kreis postierten Fridgeirsson, der zum 2:2 einwarf. Die Rhein-Neckar Löwen wirkten ein bisschen überrascht. Zwar zog der elegant und überaus beweglich wirkende Andy Schmid gekonnt die Fäden im Spiel des Tabellenführers, und Alexander Petersson traf vor der Pause insgesamt vier Mal. Doch lediglich beim 7:11 (20.) und beim folgenden 9:12 (24.) schien der Zug zunächst ohne die Grün-Weißen abzufahren.
Die Mannen um Kapitän Michael Müller bissen sich förmlich in die Begegnung. Hinten hielt Nikola Marinovic, der gestern aufgrund des Fehlens von Torwartkollege Nikolai Weber (der hatte im Dienstagstraining eine Sprunggelenksverletzung erlitten) die Solorolle zwischen den Pfosten spielte, einige freie Bälle. Davor stand eine Deckung, die im Gegensatz zu den ersten 20 Minuten am Sonntag das Prädikat "wertvoll" verdiente. Und im Angriff schienen die zunächst draußen schmorenden Vorkämpfer der HSG ihre Lektion gelernt zu haben. Harmandic explodierte bei seinem Treffer zum 11:13, Philipp Müller avancierte zum "Go-to-Guy", dem Mann für den erfolgreichen Abschluss. Fünf Mal netzte der zuletzt oft gescholtene Rechtshänder in Durchgang eins vehement aus dem Rückraum ein. Und als Bruder Michael zwölf Sekunden vor der Pause das 14:14 erzielte, war die HSG wieder dran am Favoriten.
Das Gefühl, dass an diesem Abend gegen den bislang in dieser Saison auswärts noch ungeschlagenen Primus etwas gehen würde, blieb bis knapp drei Minuten nach der Pause. Da zimmerte Michael Müller - gestern zusammen mit Philipp eindeutiger Punktsieger im Zwillingsduell mit den spanischen Brüdern Guardiola auf Löwen-Seite - den Ball zum 16:15 in die Maschen.
Doch auf einmal funktionierte bei den Gastgebern fast nichts und beim Favoriten fast alles. "Um die Sensation zu schaffen, haben wir ein paar Fehler zu viel gemacht", erkannte Michael Müller. Die Gastgeber reihten in der Phase zwischen dem 17:18 (37.) durch den tollen Kempa-Trick der Müller-Brüder und dem 17:24 (45.) durch den nicht mehr zu bremsenden Kim Ekdahl du Rietz einen Ballverlust an den nächsten oder fanden überhaupt kein Durchkommen mehr gegen die Betondeckung der Oliver Roggisch und Co.
So durfte Gästecoach Gudmundur Gudmundsson hinterher erfreut feststellen, "dass wir gegen eine starke Wetzlarer Mannschaft gewonnen haben. Weil wir in der zweiten Halbzeit im Angriff einige Dinge umgestellt und in der Abwehr zugemacht haben."
Sein Kollege Kai Wandschneider, der den grippegeschwächten Steffen Fäth nur sporadisch und den an einer Knieverletzung laborierenden Tobias Reichmann nach der Pause überhaupt nicht mehr brachte, musste erkennen, "dass wir zwar toll gekämpft haben. Aber wir sind an unsere Grenzen gestoßen und die Löwen haben gezeigt, warum sie Spitzenreiter sind. Schade, die waren einfach besser."
Die HSG Wetzlar hatte sich zwar deutlich gesteigert, das Happyend gegen den Tabellenersten aber ist ausgeblieben.
Wetzlar: Marinovic - Schmidt (2/2), Fridgeirsson (1), Tiedtke (1), Valo (2), Mraz, Philipp Müller (8), Reichmann, Fäth (1), Hahn, Michael Müller (5), Harmandic (3), Kristjansson.
Rhein-Neckar Löwen: Stojanovic (27. bis 30.), Landin - Schmid (6/2), Roggisch, Sesum, Isaias Guardiola, Sigurmannsson (3), Myrhol (4), Steinhauser, Groetzki (2), Gedeón Guardiola, Petersson (6), Ekdahl du Rietz (8).
Schiedsrichter: Fleisch/ Rieber (Ostfildern/Nürtingen) - Zuschauer: 4118 - Zeitstrafen: Wetzlar drei (Tiedtke, Valo, Philipp Müller), Rhein-Neckar Löwen fünf (Schmid, Sesum, Sigurmannsson, Steinhauser, Petersson).







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