Weite Reise an die Ostsee

HANDBALL TV Hüttenberg greift nach letztem Strohhalm

Frustrierend: Für Hüttenbergs Winter-Neuzugang Ragnar Johannssen ist die Saison wohl vorbei. (Foto: Weis)

Selbst ein sensationeller Schlussspurt dürfte den Klassenerhalt höchstwahrscheinlich nicht mehr herbeizaubern. Ein doppelter Punktgewinn im hohen Norden würde zwar den Rückstand zum rettenden Ufer auf sieben Zähler verkürzen. Die von dort grüßende HG Saarlouis müsste aber in den restlichen vier Spielen sieglos bleiben. Die Flinte wirft Adalsteinn Eyjolfsson trotzdem nicht ins Korn. "Abgerechnet wird am Ende - auch wenn die Chancen rechnerisch äußerst gering sind", nimmt der TVH-Trainer das Wort "Abstieg" nicht in den Mund. Unterstützende Worte gibt es von Rostocks Coach Aaron Ziercke: "Ich denke, Hüttenberg wird sich immer noch am letzten Strohhalm festhalten", glaubt der 24-malige Nationalspieler.

Einen "heißen Tanz", wie ihn der frühere Rückraumspieler des THW Kiel, der SG Flensburg-Handewitt und des VfL Gummersbach erwartet, boten die Blau-Roten erst vor zwei Wochen. Trotz großer Personalsorgen sah das Publikum im Sportzentrum eine befreit aufspielende Heimsieben. Die verdiente sich den 31:24-Sieg gegen den ASV Hamm-Westfalen dank einer aggressiven Deckung und unter der Regie des kaum zu haltenden Youngsters Dominik Mappes. "Wenn man solche Spiele sieht, kann man sich eine Serie vorstellen", hofft Eyjolfsson.

Johansson fällt nach OP aus

Dieser Zuversicht erteilt der Isländer selbst einen Dämpfer: "Es werden wieder viele Leute fehlen. Das macht es schwer", räumt "Adli" ein. Verzichten müssen die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim nicht nur auf Alois Mraz, Marius Liebald und Maximilian Kraushaar. Auch der Halbrechte Ragnar Johannsson rückt auf die Ausfallliste: Der Winter-Neuzugang, der durch seine Verletzung nicht ans Limit gehen konnte, unterzog sich letzte Woche Montag erfolgreich einer Meniskus-Operation. Das Lazarett im Rückraum vervollständigt Patrick Schmidt. "Ich hoffe jetzt auf den Einsatz von Sven Pausch und Damir Doborac", verweist Eyjolfsson auf ein weiteres angeschlagenes Duo.

Sorgen, mit denen sich Empor-Trainer Ziercke nicht herumschlagen muss: "Es gab ein paar April-Wehwechen. Ich gehe aber davon aus, alle dabei zu haben", so der 43-Jährige, der im Oktober 2014 seinen beurlaubten Vorgänger Rastislav Trtik ersetzte. An Bord ist auch die komplette Bandbreite der unberechenbaren Offensive. Mit den Rückraum-Duo Tom Wetzel (163 Tore) und Patrik Hruscak (129) sowie der Flügelzange aus Rene Gruszka (161) und Vyron Papadopoulos (143) kommen vier Akteure auf eine dreistellige Trefferzahl. Spekuliert hatte der zehnfache DDR-Meister auf ein besseres Abschneiden als im Vorjahr. Als Tabellen-14. findet sich der HCE aber nur einen Platz weiter oben wieder. "Es war eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Ziel ist es jetzt, für ein positives Ende zu sorgen und die 30 Punkte zu erreichen", erklärt der kürzlich zweimal nacheinander siegreiche Ziercke. Sollte es mit dem doppelten Punktgewinn klappen, könnte Rostock quasi den Klassenerhalt feiern. Bei acht Zählern Vorsprung dürfte nichts mehr anbrennen.

Etwas gegen eine Vorentscheidung hat Eyjolfsson: "Uns steht eine weite Reise bevor. Wir wollen uns aber so teuer wie möglich verkaufen und vielleicht mit Punkten zurückkehren", spekuliert der Hüttenberger Trainer vor der 635 Kilometer langen Auswärtsfahrt. Möglich ist ein Erfolg an der Ostsee allemal: Im Hinspiel gab es eine der insgesamt fünf Niederlagen mit nur einem Tor Differenz. "Es müssen einige Faktoren zusammenkommen. Doch jetzt gilt es, weiter Charakter zu zeigen", sagt Eyjolfsson. Wohin die Reise des TVH geht, könnte bald entschieden sein. Wenn es nicht zum Klassenerhalt reichen sollte, hätten sie in Hüttenberg sicher nichts dagegen, den Abstieg zumindest etwas hinauszuzögern.


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