"Wir haben uns mit jetzt sieben Punkten Achtung und Respekt verschafft, mehr aber auch nicht", meinte Hüttenbergs Trainer Jan Gorr, dessen Team sich nach der verpassten Chance gegen den Traditionsverein an die eigene Nase packen musste.
Die Gäste vom Untermain hatten gleich das passende Rezept gegen die Hüttenberger 3:2:1-Deckung parat. Immer wieder erspielten sie sich klare Möglichkeiten, während die Angriffe der Hausherren, die kurzfristig auf den erkrankten Andreas Lex (Magen-Darm-Grippe) verzichten mussten, häufig mit Verzweiflungstaten aus der zweiten Reihe endeten.
Einen Fehlpass von Sven Pausch bestrafte der TVG postwendend mit dem 3:0 von Maximilian Holst (4.). TVH-Coach Jan Gorr stand schon früh wild gestikulierend an der Außenlinie. Mario Fernandes und Stefan Lex blieb auf der Auswechselbank nichts übrig, als die Verbesserungsvorschläge ihres Trainers zustimmend abzunicken. "Wir sind nicht in die Partie reingekommen, wie wir es uns vorgestellt hatten", meckerte Gorr. "Am Ende stand die Begegnung zwar auf des Messers Schneide, aber Großwallstadt hat viel Routine bewiesen, während wir zu viele Chancen ausgelassen haben. Die darf man sich aber nicht leisten, wenn man in dieser Liga punkten möchte."
Der 33-Jährige handelte, indem er Rechtsaußen Florian Billek vom Feld nahm, der defensiv bereits bei der knappen Niederlage gegen den Bergischen HC an einigen Löchern im sonst so hoch gelobten System beteiligt gewesen war. Für Billek rückte nun Timo Ludwig in die Mannschaft, der prompt das Anspiel zu Florian Laudts 7:9 lieferte (20.). Der Linkshänder aus dem Gießener Stadtteil Allendorf markierte vier Minuten später selbst das 9:11, ehe Michael Stock der Anschluss gelang. Der Aufsteiger hatte Oberwasser.
Stefan Lex schafft in der 28. Minute das 12:12, bevor Stock zur ersten Führung trifft
Mit Leidenschaft und 1450 euphorischen Fans im Rücken kaufte der TVH jetzt den Mainfranken den Schneid ab. Per Aufsetzer glich Stefan Lex nach exakt 28 Minuten zum 12:12 aus, Linksaußen Stock brachte den Gastgeber eine Minute danach erstmals in Führung. Die hielt auch bis zum Gang in die Kabine, weil Timm Schneider, der sich mittlerweile warmgeworfen hatte, zwei Sekunden vor der Pause zum 14:13 traf.
Schneider ist längst so etwas wie die Lebensversicherung des TVH: Allein vier der ersten sechs Hüttenberger Feldtore in Durchgang zwei plus ein Siebenmeter, den er selbst rausgeholt hatte, gingen auf sein Konto. Er allein reicht aber nicht. Zwar erzielte Matthias Gerlich mit seinem ersten Ballkontakt noch die letztmalige Führung (22:21, 47.), leistete sich danach aber auch Schnitzer. Beide Torhüter, zunächst Milos Putera, später Matthias Ritschel, blieben blass. Als die letzte Chance von Florian Laudt am Pfosten landete, war die Begegnung gelaufen.
Für Gästetrainer Peter David war es "ein Spiel auf Augenhöhe, dass eigentlich unentschieden oder mit einem Tor Unterschied endet". Sein Kollege Gorr stufte das Geschehen realistischer ein und bewertete das Endergebnis als nicht unverdienten Sieg.
Woran es lag, wusste Timo Ludwig: "Wir haben in einigen Szenen zu viele technische Fehler begangen", ärgerte sich der Ex-Wetzlarer. "Wir haben in der Abwehr zwar sehr gut gekämpft, aber auch uns viele Abstimmungsfehler geleistet. Der Klassenerhalt ist jetzt nicht unmöglich, aber es wird sauschwer."
Hüttenberg: Putera, Ritschel (ab 47.) - Gerlich (3), Weber (1), Stefan Lex (3), Scholz (2), Schneider (11/1), Billek (1), Pausch (1), Stock (3), Ludwig (1), Laudt (3), Fernandes (n.e.).
Großwallstadt: Wolff, Klimmer (n.e.) - Spatz (11/6), Weinhold (7), Kneer (2), Tiedtke (1), Holst (6), Larsson (2), Jakobsson, Schäpsmeier (1), Köhrmann (2), Maas, Eisenträger, Liebald.
Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen) - Zuschauer: 1450 - Zeitstrafen: Hüttenberg vier (Laudt zwei, Pausch, Scholz), Großwallstadt drei (Köhrmann, Weinhold zwei).
























